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Auf schattigen Wegen ans Ziel

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Eine hitzemeidende Routing-Anwendung für viele deutsche Städte ist jetzt
verfügbar. Gesucht werden Kommunen, die das Routing mit eigenen Daten
weiterentwickeln möchten.
Wenn die Sonne brennt, werden offene Plätze zu
Hitzeinseln. Fußgänger wechseln dann auf die schattige Straßenseite – oder
nehmen gleich den Weg durch den Park. Das HeiGIT (Heidelberg Institute for
Geoinformation Technology) hat eine Routing-Anwendung entwickelt, die
genau solche Strecken berechnet: Sie schlägt möglichst schattige
Wegführungen vor – samt Weglänge und Gehzeit. Oft entspricht die
Empfehlung genau der Route, die Menschen intuitiv wählen würden.



Grundlage der Berechnungen sind hochaufgelöste Schattendaten. Die
Anwendung steht ab sofort für 80 deutsche Städte mit mehr als 100.000
Einwohnern zur Verfügung. HeiGIT sucht zudem gezielt den Austausch mit
Städten und Kommunen, die ihre Daten ergänzen oder die Plattform gemeinsam
weiterentwickeln möchten.

Die letzten drei Jahre waren die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Klimaanpassung ist damit keine Zukunftsaufgabe mehr, sondern eine
gegenwärtige Herausforderung für jeden einzelnen, aber auch für Städte und
Kommunen. Viele Städte arbeiten bereits an Anpassungsstrategien, doch
Hitze beeinflusst die Mobilität auf eine Weise, die Planenden oft
verborgen bleibt: Welche Wege werden gemieden, weil sie durchgehend der
Sonne ausgesetzt sind? Hitzemeidendes Routing macht das sichtbar und gibt
Stadtverwaltungen ein Instrument an die Hand, um zu erkennen, wo
Hitzestress am stärksten ist und ob alternative Wege überhaupt zur
Verfügung stehen.

„Was als Forschungsfrage in Heidelberg begann, ist heute eine
einsatzfähige, deutschlandweite Anwendung für hitzemeidendes Routing. Wir
freuen uns darauf, sie gemeinsam mit Städten weiterzuentwickeln und eine
klimaangepasste Mobilität aufzubauen, die auf den Daten und Bedürfnissen
der jeweiligen Stadt basiert", sagt Julian Psotta, Projektmanager für
technische Innovationen am HeiGIT.

HeiGIT möchte diese Arbeit durch eine direkte Zusammenarbeit mit Städten
und Kommunen vertiefen und die Anwendung zu einer Lösung ausbauen, die den
individuellen Anforderungen noch gerechter wird. Städte, die bereits über
Sensor- oder Temperaturdaten verfügen, können diese in die Plattform
integrieren lassen. So entsteht ein Routing, das nicht nur
Schattenverhältnisse, sondern auch die lokale Klimastruktur abbildet.
Städte ohne eigene Daten können einen gleichwertigen Beitrag leisten,
indem sie definieren, was sie benötigen, und so die Weiterentwicklung der
Anwendung mitbestimmen. Es gibt keinen festgelegten Einstiegspunkt und die
Zusammenarbeit beginnt dort, wo eine Stadt geradesteht.

Das hitzemeidende Routing hat seinen Ursprung in Heidelberg. Dort
erarbeitete das Forschungsprojekt HEAL die Grundlage und die erste Version
der Anwendung, in enger Zusammenarbeit mit der Heidelberger
Stadtverwaltung und unter aktiver Einbeziehung vulnerabler
Bevölkerungsgruppen. Die erste Version nutzte Sensordaten für lokale
Klimainformationen. Später wurde auf ein besser skalierbares
Schattenmodellierungsverfahren umgestellt. Dieses wurde anschließend auf
die Partnerstädte Worms, Walldorf und Neckargemünd ausgeweitet und bewies
damit seine Übertragbarkeit auf unterschiedliche städtische Kontexte und
Datenverfügbarkeiten. Die aktuelle Version skaliert diesen Ansatz auf 80
deutsche Großstädte in allen 16 Bundesländern.

Ziel von HeiGIT ist es, die Folgen urbaner Hitze im Alltag sichtbar und
beherrschbar zu machen. Hitzemeidendes Routing unterstützt Kommunen dabei,
Hitzerisiken zu verstehen und gezielt darauf zu reagieren.

Alle Interessierten können die Anwendung ausprobieren und sehen, wie ihre
Stadt abschneidet:
https://shaded.openrouteservice.org/#/place/@13.075833320617678,52.40630035584302,13

Städte und Kommunen, die sich beteiligen möchten, melden sich bitte unter
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Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik
und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie
wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015)
mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind:
Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite
Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen
und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter:
www.klaus-tschira-stiftung.de

HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology) forscht an und
mit geographischen Informationen und stellt diese zum Nutzen der Umwelt
und der Gesellschaft frei zur Verfügung – zum Beispiel für Forschende,
Hilfsorganisationen und Verbände.
Die Themengebiete reichen von der Unterstützung humanitärer Einsätze mit
maßgeschneiderten Geodaten bis hin zur Entwicklung intelligenter Routing-
Lösungen für Katastrophenfälle oder bei Hitzewellen. HeiGIT bietet
außerdem praxistaugliche Datenanalysen für den Klimaschutz. Innovative
Methoden aus der raumbezogenen Datenverarbeitung und dem maschinellen
Lernen werden unter anderem zur Analyse, Anreicherung und Visualisierung
von Geodaten (z. B. OpenStreetMap) eingesetzt.
Die HeiGIT gemeinnützige GmbH wurde 2019 als An-Institut der Universität
Heidelberg gegründet und wird von der Klaus Tschira Stiftung getragen.