Nachhaltiges COAD®-Plasmaverfahren erfolgreich in die Fahrradkomponentenfertigung überführt
Mitarbeitende des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik
IST sowie der Industriepartner Rohloff AG und Tantec A/S gehörten zu den
Finalisten bei der Preisverleihung des Technologietransferpreises 2026 der
Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig am 20. Mai 2026. Nominiert
wurden sie für den Transfer der COAD®-Technologie, die erfolgreich in
Fahrradkomponentenherstellung umgesetzt wurde. Mit ihrer Auswahl würdigte
die Jury die Bedeutung des COAD®-Prozesses für nachhaltige und effiziente
Produktionsverfahren.
Der COAD®-Prozess wurde im Rahmen eines konkreten industriellen
Anwendungsfalls für die Rohloff AG optimiert. Bei der Konstruktion
hochkompakter Fahrradkomponenten stellte insbesondere die Abdichtung eines
Kugellagers eine Herausforderung dar: Aufgrund des begrenzten Bauraums war
keine konventionelle Dichtungslösung einsetzbar. Eine alternative
Flüssigdichtung zeigte jedoch zunächst unzureichende Haftung auf der
metallischen Oberfläche. Das Fraunhofer IST hatte die Lösung: Der
COAD®-Prozess ist ein Plasmaprozess, mit dem die Haftung an Oberflächen
kontrolliert eingestellt werden kann (COAD = COntrolled ADhesion). Dabei
wird die Metalloberfläche zunächst gezielt gereinigt und mit einer
nanometerdünnen Funktionsschicht funktionalisiert. So lässt sich die
Haftung von Dichtstoffen dauerhaft und reproduzierbar und ohne den Einsatz
von Lösungsmitteln verbessern – ideal für die industrielle
Serienfertigung.
Für die Überführung in die Produktion wurde das Verfahren gemeinsam mit
dem Anlagenhersteller Tantec A/S in eine industrielle Plasmaanlage
integriert und bei der Rohloff AG in die Fertigung eingebunden. Heute
ermöglicht die Technologie eine stabile, effiziente und qualitativ
hochwertige Serienproduktion von über 200 Bauteilen pro Tag. Aufgrund der
Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten z.B. in der Mobilität oder der Medizin-
und Pharmatechnik hat der Anlagenhersteller Tantec A/S den COAD®-Prozess
vom Fraunhofer IST lizensiert und vertreibt die Technologie weltweit unter
der Marke VacuTEC+.
»Die Teilnahme an der Preisverleihung war für uns eine wertvolle
Gelegenheit, die Ergebnisse der Entwicklung einem breiten Publikum zu
präsentieren«, sagt Prof. Dr. Michael Thomas, Abteilungsleiter Zirkuläre
Produkte und Prozesse am Fraunhofer IST. »Die Finalplatzierung zeigt,
welches Potenzial in der Technologie steckt und wie relevant der Transfer
in die industrielle Anwendung ist.«
Insgesamt wurden im Finale drei starke Projekte präsentiert, die die
Innovationskraft und Vielfalt des Technologietransfers in der Region
eindrucksvoll verdeutlichen. Das Team des Fraunhofer IST sowie die
beteiligten Industriepartner ziehen ein positives Fazit aus der
Finalteilnahme und der Veranstaltung in Braunschweig.
