Neue Publikation in Nature Reviews Psychology fordert Neuausrichtung von Resilienztrainings
Ein Fokus auf Resilienzmechanismen statt auf individuelle Faktoren soll
die Wirksamkeit von Resilienztrainings verbessern.
Prof. Dr. Sarah Schäfer, Dr. Jutta Stoffers-Winterling und Prof. Dr. Klaus
Lieb vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) haben eine
Übersichtsarbeit im Wissenschaftsjournal Nature Reviews Psychology
veröffentlicht.
In der Veröffentlichung mit dem Titel „Towards mechanism-
focused and scalabe resilience interventions“ plädieren die Forschenden
für eine grundlegende Neuausrichtung von Resilienzinterventionen.
Eine neue Veröffentlichung von Prof. Dr. Sarah Schäfer, Dr. Jutta
Stoffers-Winterling und Prof. Dr. Klaus Lieb im Wissenschaftsjournal
Nature Reviews Psychology mit dem Titel „Towards mechanism-focused and
scalable resilience interventions“ fordert einen Paradigmenwechsel bei
Resilienztrainings. Bisherige Resilienztrainings zeigen zwar positive
Effekte auf die psychische Gesundheit, jedoch fallen diese meist nur klein
bis moderat aus. Die Forschenden führen dies auf die fehlende Passung
zwischen aktuellen Resilienztheorien und den tatsächlich eingesetzten
Trainingsansätzen zurück.
Bislang konzentrieren sich viele Interventionen darauf, einzelne
psychosoziale Faktoren wie Optimismus oder Selbstwirksamkeit gezielt zu
stärken. Prof. Dr. Sarah Schäfer erläutert: „Unsere Arbeit macht deutlich,
dass die konzeptionellen und empirischen Grundlagen dieser
Resilienztrainings nicht mit den führenden Theorien der Resilienzforschung
(Regulatory Flexibility und Positive Appraisal Style Theory)
übereinstimmen, die sich auf Prozesse und Ergebnisse statt auf Faktoren
konzentrieren.“ Entscheidend sind deshalb nicht die isolierten
Eigenschaften von Individuen, sondern mentale, physiologische und
verhaltensbezogene Prozesse, die insbesondere in realen
Belastungssituationen aktiviert werden.
Die Forschenden plädieren deshalb für Resilienztrainings, die gezielt
adaptive Prozesse im Umgang mit Stress trainieren. Gleichzeitig müsse
weiterhin untersucht werden, unter welchen Bedingungen unterschiedliche
Menschen tatsächlich von bestimmten Maßnahmen profitieren. Faktoren wie
die Art des Stressors, der Zeitpunkt des Trainings oder der kulturelle
Kontext sollten künftig systematisch berücksichtigt werden.
Die Veröffentlichung hebt zudem die Herausforderungen bei der praktischen
Umsetzung von Resilienztrainings hervor. Bislang werden Resilienztrainings
vor allem in Forschungsprojekten entwickelt und eingesetzt, es stehen
keine Trainings zur Verfügung, die die Bevölkerung wirksam auf Krisen
vorbereiten oder im Umgang mit Krisen unterstützen. Die Forschenden
empfehlen partizipative Ansätze, eine engere Verzahnung von Forschung und
Praxis sowie kontinuierliche Datenerhebung in realen Lebenswelten.
Die Forschenden sehen in Mechanismus-orientierten, adaptiven und praxisnah
entwickelten Resilienztrainings ein erhebliches Potenzial, psychische
Gesundheit langfristig zu stärken und gesundheitliche Ungleichheiten zu
reduzieren – insbesondere in belasteten oder marginalisierten
Bevölkerungsgruppen, die besonders stark von Krisen betroffen sind.
Der Artikel liefert einen wichtigen Impuls für die zukünftige Ausrichtung
internationaler Resilienzforschung und die Entwicklung von
Präventionsstrategien.
Die dieser Pressemitteilung zugrunde liegende Publikation ist hier
abrufbar: https://www.nature.com/article
