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Seltener Fund im Herbarium des Botanischen Gartens Berlin: einzigartiger Farnbeleg von Chamisso entdeckt

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Das Herbarium des Botanischen Gartens Berlin ist mit rund vier Millionen
getrockneten und konservierten Pflanzenbelegen das größte in Deutschland.
Zu seinen besonders wertvollen Beständen gehört das Farnherbarium – eine
der wenigen Sammlungen, die 1943 den verheerenden Kriegsbrand in der
Einrichtung nahezu unbeschadet überstanden haben.

Nun haben
Wissenschaftler*innen des Botanischen Gartens bei der Digitalisierung des
Konvoluts einen handgezeichneten Farnbeleg des berühmten deutschen
Dichters und Botanikers Adelbert von Chamisso entdeckt: Es handelt sich um
einen seltenen „Typus-Beleg“, also die physische Referenz für eine neu
beschriebene Art.

Ein echter Chamisso unter den Farnen

Die Entdeckung markiert als Zwischenerfolg die Halbzeit des in den Jahren
2025 und 2026 mit insgesamt bis zu 400.000 Euro von der Berliner
Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege geförderten
Projekts zur Digitalisierung und Onlinepublikation des Farnherbariums.

„Bei der laufenden Digitalisierung nebenbei auf den handschriftlichen
Beleg eines der bekanntesten Berliner Botaniker des 19. Jahrhunderts zu
stoßen, der sich dann auch noch als Typusbeleg herausstellt, das ist schon
eine kleine Sensation“, so Dr. Juraj Paule, Kustos des Herbariums.
„Chamisso war ab 1819 Kustos am Botanischen Garten Berlin – er ist als
berühmter Vorgänger für mich noch heute eine große Inspiration. Denn unter
seiner Leitung wurde das Herbarium zu einer der renommiertesten
botanischen Einrichtungen seiner Zeit.“

Adelbert von Chamisso gehört zu den großen Namen der Romantik, war aber
auch als Naturforscher und Botaniker tätig. Von einer Weltumseglung mit
der russischen Brigg „Rurik“ (1815–1818), die er als Titulargelehrter für
die wissenschaftliche Dokumentation begleitete, brachte er zahlreiche
Pflanzenproben mit nach Berlin, darunter auch den heute als Lygodium
japonicum (Thunb.) Sw. bekannten Japanischen Kletterfarn. Gesammelt hatte
Chamisso ihn auf den Philippinen, als Fundort ist Manila angegeben - eine
der letzten längeren Stationen seiner Reise. Die getrockneten Blätter des
Farns zieren neben zwei Bleistiftzeichnungen den Beleg, der gerade im
Farnherbarium des Botanischen Gartens entdeckt wurde und nun digital
veröffentlicht und erforscht werden kann.

Das Berliner Herbarium – ein ungehobener digitaler Schatz

Als Wissensressource für botanische, ökologische und
wissenschaftshistorische Forschung ist das Herbarium am Botanischen Garten
Berlin auch heute für Wissenschaftler*innen weltweit unverzichtbar. Und
das, obwohl erst rund ein Fünftel der Belege digital aufbereitet werden
konnte: „Natürlich kommt es nicht alle Tage vor, dass uns ein Chamisso
über den Weg läuft – aber wir gehen davon aus, dass noch so einige solcher
Schätze in unseren Sammlungen schlummern“, so Anton Güntsch, Leiter des
Zentrums für Biodiversitätsinformatik und Sammlungsdatenintegration am
Botanischen Garten Berlin. „Wir sind dankbar, dass wir mit der Förderung
des Landes Berlin das Farnherbar als ein Highlight für alle digital
erkundbar machen können. Leider fehlen uns die Mittel, um mit dem gesamten
Sammlungsbestand schneller voranzukommen. Dabei bieten hochauflösende
digitale Aufnahmen heute ganz neue Forschungsmöglichkeiten – gerade zu
gesellschaftlich relevanten Fragen wie etwa der Erforschung der Sammlungen
in kolonialen Kontexten oder für Big Data Analysen der vergangenen,
heutigen und künftigen Verbreitung von Arten.“

Im Club der ältesten Pflanzen der Welt: Farne

Rund 12.000 Farnarten sind heute bekannt, sie gehören zu den so genannten
Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyten) und pflanzen sich über Sporen an der
Unterseite ihrer Wedel fort. Farne zählen zu den ältesten Landpflanzen der
Welt, viele sehen heute noch so aus wie zur Zeit ihres Ursprungs vor rund
400 Millionen Jahren. Die Pteridophyten-Sammlung des Botanischen Gartens
Berlin ist mit circa 300.000 Herbarbögen eine der größten ihrer Art
weltweit. Unter den zahlreichen Belegen des Farn-herbariums finden sich
nach derzeitigem Kenntnisstand auch Originalaufsammlungen von weiteren
prominenten Botanikern und Berliner Persönlichkeiten wie G.H.E.W.
Hieronymus, A. von Humboldt, K.S. Kunth oder H.F. Link. Bisher ist erst
ein Zehntel der Farnbelege online publiziert, bis 2028 soll die gesamte
Sammlung digital aufbereitet und erkundbar sein. Wer Farne in ihrer
natürlichen Umgebung bestaunen möchte, findet viele eindrucksvolle
Exemplare in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens - sie sind täglich
von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Mit nahezu 20.000 Pflanzenarten ist der Botanische Garten Berlin der
größte in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten weltweit. Auf 43
Hektar Freigelände und in fünfzehn Gewächshäusern erhalten Besucherinnen
und Besucher faszinierende Einblicke in die Welt der Botanik. Als
Knotenpunkt der internationalen Biodiversitätsforschung sowie als Ort der
Wissensgenerierung und -vermittlung beschäftigt der Botanische Garten mehr
als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Wiedereröffnung des
Botanischen Museums ist für 2027 geplant. Seit 1995 gehört die Einrichtung
zur Freien Universität Berlin.

Der Botanische Garten Berlin ist BO Berlin – Internationales
Wissenszentrum der Botanik. Ein einzigartiger Ort, der Botanik in allen
Facetten erlebbar macht.