Nach BIÖG-Veröffentlichung: DGP sieht Handlungsbedarf bei Jugendschutz und Nikotinprävention
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)
unterstützt die aktuelle gesundheitspolitische Debatte über den Schutz von
Kindern und Jugendlichen vor nikotinhaltigen Produkten. Die gestern
veröffentlichten Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit
(BIÖG) machen aus Sicht der Fachgesellschaft deutlich, dass Prävention und
Jugendschutz in diesem Bereich weiter gestärkt werden müssen. „Die
aktuellen Entwicklungen zeigen, dass insbesondere Einweg-E-Zigaretten und
aromatisierte Produkte junge Menschen ansprechen“, erklärt DGP-Präsident
Prof. Christian Taube.
„Was nach Vanille, Cola oder Erdbeere schmeckt, ist für Minderjährige
nicht von Süßigkeiten zu unterscheiden. Hier sind wir alle
gesamtgesellschaftlich gefordert!“
Die DGP unterstützt dabei ausdrücklich den Kurs des
Bundesdrogenbeauftragten Prof. Hendrik Streeck, der sich für ein Verbot
von Aromastoffen in E-Zigaretten einsetzt. „In den Niederlanden und
anderen Ländern gibt es bereits gute Erfahrungen mit Verboten von
Einweg-E-Zigaretten und Aromen“, so Taube, Direktor der Klinik für
Pneumologie am Universitätsklinikum Essen. Nach Einschätzung der DGP
dürften insbesondere süße Aromen, moderne Produktgestaltung und die starke
Bewerbung entsprechender Produkte in sozialen Medien zu dieser Entwicklung
beitragen.
Das BIÖG hatte gestern anlässlich des Weltnichtrauchertages am kommenden
Sonntag, den 31. Mai, auf den steigenden Konsum von E-Zigaretten unter
Jugendlichen hingewiesen.
E-Zigaretten sind keine harmlosen Alternativen
„E-Zigaretten werden häufig als harmlose Alternative dargestellt.
Tatsächlich enthalten sie jedoch gesundheitsschädliche und abhängig
machende Substanzen“, so der DGP-Präsident weiter. „Die These, dass
E-Zigaretten zu 95 Prozent weniger gefährlich sind, ist klar widerlegt.
Immer mehr Studien zeigen, dass E-Zigaretten die Lunge und die Gefäße
schädigen. Sehr oft rauchen Menschen sowohl E-Zigaretten als auch
konventionelle Zigaretten, was in Kombination besonders gefährlich ist.“
Taube betonte zudem, was E-Zigaretten darüber hinaus schädlich für die
eigene Gesundheit mache, sei ihr hohes Nikotinabhängigkeitspotenzial.
„Eine Münchner Studie aus dem vergangenen Jahr konnte zeigen, dass nach
dem Gebrauch von E-Zigaretten Nikotin besonders schnell in das Gehirn
flutet – weshalb der Wunsch nach mehr, die Sucht, besonders stark ist.“
Jugendschutz heißt durch Verbote Zugang zu Produkten zu verhindern
Die DGP spricht sich deshalb bereits seit Längerem gemeinsam mit weiteren
medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus für:
• ein Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten,
• ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten,
• eine deutlich höhere Tabak-Steuer,
• strengere Regeln für den Onlinevertrieb und
• eine wirksamere Kontrolle des Jugendschutzes.
Zugleich betont die Fachgesellschaft die Bedeutung evidenzbasierter
Angebote zur Tabakentwöhnung. Rauchstoppprogramme,
verhaltenstherapeutische Ansätze und etablierte medikamentöse Therapien
seien wirksame Instrumente, um langfristig tabak- und nikotinbedingte
Erkrankungen zu reduzieren und so die abzusehende Kostenexplosion im
Gesundheitssystem nachhaltig zu reduzieren.
