Tagung: Wie kommen KI-Werkzeuge im Geschichts-Studium sinnvoll zum Einsatz?
Wie verändern digitale Werkzeuge wie ChatGPT & Co. Studium und Lehre in
den Geschichtswissenschaften? Wie können Studierende und Lehrende die
Vorteile der neuen Technologien nutzen – und wie die Nachteile vermeiden?
Diesen Fragen gehen vom 10. bis 12. Juni Fachleute aus Geschichts- und
Bildungswissenschaften gemeinsam mit Studierenden auf den Grund. Zur
Tagung laden die Projekte KI-Duett (Universität des Saarlandes) und
Digilehr (TU Chemnitz) auf den Saarbrücker Campus ein, die von der
Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert werden. Interessierte
sind zum Eröffnungsvortrag eingeladen. Eine digitale Teilnahme ist
möglich.
Die Medien sind herzlich eingeladen.
KI-Assistenten wie ChatGPT sind für Studierende, die mit Internet und
Smartphones aufgewachsen sind, selbstverständlicher Teil des Alltags – und
damit auch ihres Studiums. „Wichtig ist ein sinnvoller Einsatz der neuen
Werkzeuge“, betont die Historikerin Cristina Andenna von der Universität
des Saarlandes. „Die neuen Technologien bringen in Studium und
Wissenschaft große Vorteile mit sich. Sie bergen aber für Studierende auch
Risiken, und zwar dann, wenn sie diese auf falsche Weise einsetzen“, sagt
die Professorin für Geschichte des Mittelalters. „Uns ist es wichtig,
fundierte Hilfestellung und Anleitung zu geben, damit Studierende lernen,
mit diesen neuen Instrumenten selbstverantwortlich umzugehen, sie
gewinnbringend einzusetzen sowie den kritischen Blick zu bewahren und ihre
Grenzen zu erkennen", erklärt Cristina Andenna.
Um konkrete Erkenntnisse zu gewinnen, wie ein sinnvoller Einsatz aussieht
und wie nicht, hat Andenna gemeinsam mit der Historikerin Miriam Weiss an
der Universität des Saarlandes das Projekt KI-Duett ins Leben gerufen. „Es
handelt sich um ein experimentelles Lehr-Projekt“, erklärt Miriam Weiss.
„Im Selbstversuch erproben und erforschen wir in einem Seminar gemeinsam
mit Studierenden, wo und wie KI-Sprachmodelle im Studium zu guten
Ergebnissen und Ideen führen, wo Grenzen liegen und wo der Einsatz
wissenschaftlich gefährlich wird“, sagt die promovierte Historikerin. Ziel
ist, Bewusstsein für die Problematik und das Handwerkszeug zu vermitteln,
um die Technologie kreativ einzusetzen. Die Stiftung Innovation in der
Hochschullehre fördert das Projekt KI-Duett im Rahmen des
„Freiraum“-Förderprogramms – ebenso wie das Projekt Digilehr an der TU
Chemnitz: Der Mittelalterhistoriker Professor Martin Clauss untersucht
dort gemeinsam mit den Historikern Christoph Pretzer und Avi Friederich,
wie digitale Tools sinnvoll in der Hochschullehre eingesetzt werden. Beide
Projekte arbeiten zusammen mit Studierenden und entwickeln neue Lehr-Lern-
Formate. Sie sind in der Geschichtswissenschaft angesiedelt, ihre
Erkenntnisse aber sollen über die Fachgrenze hinaus genutzt werden können.
Gemeinsam laden die Projekte KI-Duett und Digilehr vom 10. bis 12. Juni
ein zu einer Tagung unter dem Motto „Neue Werkzeuge – neue Wege“. 26
Expertinnen und Experten aus Geschichts- und Bildungswissenschaften, die
sich mit dem Einsatz digitaler Werkzeuge in Lehre und Studium
beschäftigen, sowie zahlreiche Studierende, die an diesen Projekten
mitarbeiten, stellen Forschungsergebnisse rund um digitale Werkzeuge und
innovative Ideen für die geschichtswissenschaftliche Hochschullehre vor.
Dabei geht es unter anderem darum, wie neue technische Möglichkeiten die
Lehre ergänzen können: neben KI‑basierten Chatbots zum Beispiel durch neue
interaktive Lehr- und Lernformate wie mit KI erstellte Erklärvideos,
Audioformate oder VR- oder AR-Brillen, die digitale Inhalte in die reale
Welt einblenden und so etwa historische Objekte in digitalen Sammlungen
neu zugänglich machen oder die Nutzer komplett in frühere Zeiten versetzen
können.
Die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer diskutieren über neu
auftretende Herausforderungen und die sich wandelnde Rolle der Dozentinnen
und Dozenten wie auch über die Grenzen der digitalen Werkzeuge in der
Lehre. Wie Lernprozesse funktionieren, und welche Rolle Technik dabei aus
der Perspektive der Bildungswissenschaften spielen kann, wird ebenso Teil
des Austauschs sein wie rechtliche Aspekte des KI-Einsatzes.
Studierende tragen einen wesentlichen Teil zur Tagung bei. „Die
studentische Sicht ist gerade auf diesem Gebiet für uns Lehrende sehr
aufschlussreich“, betont Professorin Cristina Andenna. „Wollen wir für die
junge Zielgruppe gute Lehre machen, die die Studierenden auf ihrem
technischen Stand erreicht, müssen wir sie als Expertinnen und Experten
einbeziehen und ihnen Raum geben, Lehre mitzugestalten“, erklärt sie.
Mehrere Vorträge halten Dozentinnen, Dozenten und Studierende gemeinsam.
Am Donnerstagnachmittag wird es einen eigenen Workshop von Studierenden
der deutschlandweit agierenden Digital Change Makern für Dozentinnen und
Dozenten zu Erwartungen und Möglichkeiten hinsichtlich KI in der
Hochschullehre geben.
Außerdem findet eine große Posterausstellung von Studierenden statt, die
während der Tagung Fragen zu ihren Ergebnissen beantworten. „Rund 30
Studentinnen und Studenten stellen kreative Lehrformate vor, die sie mit
Künstlicher Intelligenz entwickelt haben wie zum Beispiel eine Zeitung zu
den Inhalten einer Lehrveranstaltung oder einen Escape-Room mit
Lerninhalten“, sagt Miriam Weiss. „Die digitalen Werkzeuge eignen sich
besonders gut, um Studierende wie auch Lehrende zu motivieren und die
Lehre mit neuen Ideen zu bereichern. Dies ist auch ein zentrales erstes
Ergebnis unseres Projekts KI-Duett, das noch bis 2027 läuft“, sagt die
Historikerin.
Die Konferenz startet am Mittwochabend, 10. Juni, um 18 Uhr, mit einem
öffentlichen Vortrag im Innovation Center (A2 1) auf dem Saarbrücker
Campus: Die Leiterin des Bildungscampus Saarland, Anika Limburg,
promovierte Germanistin und Expertin für KI-Einsatz in der Lehre, wirft
einen Blick auf den Stand der KI in der Hochschullehre und zieht „eine
Zwischenbilanz mit offenen Enden“. Am 11. und 12. Juni findet die Tagung
in den Räumen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz
(DFKI, Campus D3 2) statt.
Interessierte können auch digital teilnehmen.
Anmeldung bitte an:
Programm der Tagung: <https://www.uni-saarland.de/l
forschung-und-lehre/veranstalt
Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert die Tagung, die in
Kooperation mit dem DFKI stattfindet.
