China und Geoökonomie: DFG fördert neues Graduiertenkolleg Göttingen-Kiel
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Einrichtung des
neuen Graduiertenkollegs (GRK) „China-GRASP: China’s Geoeconomic Rise and
the Accumulation of Structural Power“ an der Georg-August-Universität
Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Kiel Institut für Weltwirtschaft. Das
GRK zielt darauf ab, Chinas wachsenden geoökonomischen Einfluss über
verschiedene Dimensionen hinweg zu kartieren und die daraus resultierenden
Machtverschiebungen zu analysieren. Die DFG fördert das GRK für einen
Zeitraum von fünf Jahren; Fördermittel sind in Höhe von 6,9 Millionen Euro
beantragt.
Chinas wirtschaftlicher Aufstieg verändert die globalen
Wirtschaftsdynamiken und die internationale Ordnung grundlegend. Von der
Neuen Seidenstraße bis zu seiner dominanten Position in kritischen
Lieferketten und neuen Technologien reicht Chinas wirtschaftlicher
Einfluss mittlerweile in jede Region der Welt. Chinas Aufstieg zeigt, dass
wirtschaftliche Verflechtung als Hebel genutzt werden kann, um
außenpolitische Positionen zu beeinflussen, und dass der Aufstieg über
strukturelle Macht schleichend und ohne offenen Konflikt passieren kann.
Das Graduiertenkolleg wird elf Doktorandinnen und Doktoranden in den
Bereichen Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft, Sinologie und
Agrarökonomik ausbilden.
Der interdisziplinäre Austausch ermöglicht es zwei Kohorten von
Doktorandinnen und Doktoranden, Chinas Geoökonomie in vier Dimensionen zu
untersuchen: Sicherheit, Produktion von Waren und Dienstleistungen,
Finanzen und Kredite sowie Wissen und Information. In einer
Netzwerkanalyse soll erfasst werden, in welchen dieser Dimensionen das
Land Positionen gegenüber anderen Staaten und Akteuren erlangt hat, die
ihm dort maßgeblichen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse
erlauben. Wie verteilen Warenflüsse, Informationsaustausch,
Sicherheitskooperationen oder Abstimmungsverhalten in internationalen
Organisationen Macht? Gleichzeitig soll auch erforscht werden, inwiefern
es Akteuren gelingt, effektive Gegenstrategien und Resilienz zu
entwickeln.
Für das Kiel Institut für Weltwirtschaft ist die Beteiligung an dem
Graduiertenkolleg ein wichtiger Schritt zur weiteren Profilbildung an der
Schnittstelle von China-Forschung und Geoökonomie. „Das GRK ist ein großer
Erfolg. Wir freuen uns darauf diese so zentralen Themen weiter zu stärken
und neue Expert*innen zu China und zu weltwirtschaftlicher Macht
auszubilden. Die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Universität
Göttingen wird damit noch einmal deutlich vertieft“, sagt Christoph
Trebesch, Vize-Präsident am Kiel Institut und Projektleiter für das neue
GRK.
Die designierte Sprecherin des GRK, Prof. Dr. Anja Jetschke (Universität
Göttingen), und der designierte Co-Sprecher Prof. Dr. Andreas Fuchs
(Universität Göttingen und Kiel Institut) betonen, dass das
Graduiertenkolleg eine neue Generation von China-Expertinnen und -Experten
ausbildet. Ziel sei es, Promovierende zu befähigen, die globalen
Auswirkungen von Chinas Aufstieg wissenschaftlich fundiert zu analysieren
und sie auf Karrierewege in Wissenschaft, Politik, internationalen
Organisationen, Entwicklungsagenturen, Think Tanks und der
Privatwirtschaft vorzubereiten. Das Programm bietet dazu eine intensive
fachliche Betreuung, eine interdisziplinäre Methodenausbildung, die
Entwicklung professioneller Skills und Praktika bei internationalen
Partnereinrichtungen.
