Letzte Forschungsfahrt der METEOR untersucht Strömungen im tropischen Atlantik
In Brasilien ist am Wochenende die Expedition M219 von Recife nach Emden
gestartet. Im Mittelpunkt stehen Messungen im tropischen Atlantik, die
zeigen sollen, wie sich zentrale Strömungssysteme und der Wärmetransport
im Ozean verändern. Außerdem wird im Rahmen der Reise eine neue Messboje
vor den Kapverden installiert, die den Austausch zwischen Ozean und
Atmosphäre langfristig überwacht. Danach wird das Forschungsschiff mit dem
traditionsreichen Namen außer Dienst gestellt.
An seine erste Fahrt mit diesem Schiff erinnert sich Prof. Dr. Peter
Brandt, Leiter der Forschungseinheit Physikalische Ozeanographie am GEOMAR
noch genau: „Es war meine erste große Expedition, ich war noch Student.
Die Fahrt ging während des Südwest-Monsuns ins Arabische Meer im Indischen
Ozean. Der Rückweg nach getaner Forschungsarbeit führte gegen den Monsun,
aber der Wind war so stark, dass sich die METEOR kein Stück
vorwärtsbewegte.“ Das war 1995, und die METEOR absolvierte ihre 32. Fahrt.
Jetzt beginnt die Fahrt mit der Nummer 219, und es wird die letzte
Expedition dieser METEOR sein. Ende Juni wird sie nach 40 Jahren außer
Dienst gestellt.
Die Reihe von Forschungsschiffen mit diesem Namen reicht mehr als 100
Jahre zurück. Die erste METEOR lief 1915 in Danzig vom Stapel und wurde
1924 zum ersten Forschungsschiff der Reichsmarine. Berühmt wurde sie durch
die „Deutsche Atlantische Expedition“ von 1925 bis 1927, bei der erstmals
ein ganzes Ozeanbecken systematisch vermessen wurde und unter anderem der
Nachweis des Wasseraustauschs zwischen den Strömungssystemen der Nord- und
Südhalbkugel erbracht wurde. Die zweite METEOR war von 1964 bis 1985 im
Einsatz. Seit 1986 ist nun die dritte METEOR auf Forschungsreisen gewesen,
und die vierte METEOR befindet sich im Bau. Das neue Schiff wird vom
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel betrieben werden.
Expedition M219 – dem Klimasystem des Atlantiks auf der Spur
Ihre letzte Fahrt führt die METEOR wieder einmal quer über den Atlantik,
von Recife in Brasilien nach Emden, und damit auf den Spuren der ersten
METEOR. An Bord sind vor allem physikalische Ozeanograph:innen, die sich
mit den großen Strömungssystemen im Atlantik beschäftigen – der
Atlantischen meridionalen Umwälzbewegung (AMOC). Dieses Strömungssystem
transportiert warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser
nach Süden. Es wirkt wie eine gigantische Heiz- und Kühlanlage des
Klimasystems: Sie verteilt Wärme vom Süden in Richtung Norden und
beeinflusst so Wetter und Klima weit über den Atlantikraum hinaus. Es gilt
als gesichert, dass die AMOC unter der globalen Erwärmung an Stärke
verlieren wird. Aber geschieht dies bereits? Und in welchem Ausmaß? Peter
Brandt: „Ob die Atlantische Umwälzbewegung bereits schwächer wird, lässt
sich nur mit kontinuierlichen Beobachtungen beantworten. Jede einzelne
Messreihe ist ein Puzzleteil in diesem globalen Bild.“
Langzeitbeobachtung im tropischen Atlantik
Die Expedition M219 untersucht zentrale Teile des Strömungssystems. Vor
Brasilien stehen Schwankungen des Nordbrasilianischen Unterstroms und des
tiefen westlichen Randstroms im Mittelpunkt, ergänzend liefern Messungen
am Äquator Einblicke in die Ausbreitung von Wassermassen und Signalen vom
Rand ins Ozeaninnere. Ein weiterer Schwerpunkt ist die multifunktionale
Verankerung nördlich der kapverdischen Insel São Vicente, das Cape Verde
Ocean Observatory (CVOO), das unter anderem erfasst, wie der Ozean
Kohlendioxid aufnimmt und speichert.
Während der Fahrt werden mehrere Tiefseeverankerungen geborgen, gewartet
und erneut ausgelegt. Diese mit Strömungs-, Temperatur-, Sauerstoff- und
Partikelsensoren ausgestatteten Messsysteme liefern kontinuierliche
Datenreihen über viele Jahre hinweg. Zusätzlich installieren die
Forschenden Bodenecholote mit Drucksensoren am Meeresboden, die der
Bestimmung der AMOC im tropischen Atlantik dienen. Mit umfangreichen
Stationsarbeiten werden zudem Daten zu Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff,
Nährstoffen, Strömungen und Partikelverteilung im Wasser erfasst.
Neue Messboje: Hightech mitten auf dem Meer
In Mindelo auf den Kapverden (Westafrika) wird die METEOR einen
Zwischenstopp einlegen. Dort wird eine neue Messboje an Bord genommen, die
anschließend nahe der kapverdischen Langzeitmess-Station CVOO verankert
werden soll. Die Boje ist in Kiel am GEOMAR entwickelt und gebaut worden.
Sie soll fortlaufend Daten aus dem Ozean und der darüberliegenden Luft
gewinnen und an das GEOMAR sowie an kapverdische Institutionen
übermitteln. Daraus können die Forschenden ablesen, wie der Austausch von
Wärme und Gasen zwischen Atmosphäre und Ozean funktioniert. „Eine
vermehrte Aufnahme von CO2 aus der Luft und der daraus resultierenden
Versauerung des Ozeans kann sich negativ auf marine Organismen auswirken“,
erklärt Dr. Björn Fiedler, chemischer Ozeanograph und wissenschaftlicher
Koordinator der Kapverden-Kooperation am GEOMAR. „Mit der neu entwickelten
Boje können wir somit nicht nur den Prozess des Gasaustausches näher
untersuchen, sondern liefern gleichzeitig wertvolle Daten über das marine
Ökosystem in Westafrika, welches für viele Menschen in der Region die
Lebensgrundlage darstellt.“
Danach nimmt die METEOR Kurs auf Emden. Für Fahrtleiter Peter Brandt endet
dann seine 17. Fahrt auf der METEOR: „Die letzte Fahrt eines für die
Meeresforschung so bedeutenden Schiffes als Fahrtleiter zu begleiten – das
ist schon etwas Besonderes.“
Expedition in Kürze
Name: M219
Fahrtleitung: Prof. Dr. Peter Brandt
Zeitraum: 30.05.2026 - 28.06.2026
Start: Recife (Brasilien)
Ende: Emden (Deutschland)
Fahrtgebiet: Tropischer Atlantik
An der Expedition M219 sind Forschende und technische Expert:innen aus
mehreren deutschen und internationalen Einrichtungen beteiligt. Neben dem
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel wirken unter anderem die
Universidade Federal de Pernambuco (Brasilien), das Lamont-Doherty Earth
Observatory (USA), das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM,
Universität Oldenburg) sowie das Centre National de la Recherche
Scientifique (Frankreich) mit. Unterstützt wird die Fahrt zudem durch den
Deutschen Wetterdienst, dessen Bordwetterwarte meteorologische Messungen
und Wettervorhersagen für die Expedition bereitstellt.
