250 Jahre Hohenheimer Gärten: Hightech-Forschung in historischem Park
Zum Jubiläum der wissenschaftlichen Anlage an der Uni Hohenheim lädt ein
vielfältiges Programm dazu ein, Geschichte und Gegenwart des einzigartigen
Ortes zu entdecken.
Sie sind eine Schatzkammer der Artenvielfalt: die Hohenheimer Gärten. Was
vor 250 Jahren als herzogliche Gartenanlage begann, ist heute eine
wissenschaftliche Einrichtung, die Forschung und Lehre stärkt und der
Naherholung dient. Bauliche Erhaltungsmaßnahmen sorgen dafür, dass sich
die Hohenheimer Gärten zu ihrem Jubiläum in neuem Glanz präsentieren.
Mit
zahlreichen Führungen und anderen Angeboten sind Gäste eingeladen, das
grüne Juwel an der Universität Hohenheim in Stuttgart zu entdecken. Zum
Beispiel in der Woche der Botanischen Gärten vom 13. bis 21. Juni 2026
oder am Tag der offenen Tür der Universität am 4. Juli 2026. Infos: https
://250jahre-gaerten.uni-hohenh
Betritt man den Exotischen Garten an der Universität Hohenheim, stechen
als erstes die uralten, bis zu 40 Meter hohen Baum-Giganten ins Auge:
Allen voran die mächtige „Liebesplatane“, die Herzog Carl Eugen von
Württemberg 1779 für seine Frau Franziska pflanzen ließ und die seit 2023
ein Nationalerbe-Baum ist. Wer dem Weg weiter in Richtung Botanischen
Garten folgt, vorbei an farbenprächtigen Staudenbeeten, idyllischen
Teichen und historischen Bauten, kann neben dem Genießen auch die
Wissbegierde stillen.
Im Sammlungsgewächshaus gibt es rund 1.000 tropische und subtropische
Pflanzen zu entdecken – einschließlich der außerordentlich blühfreudigen
Titanenwurz „Surprise“. Das Pflanzensystem mit 2.000 Pflanzenarten samt
Eidechsenquartier dient vor allem Studierenden als grüner Lernort. Die
Heilpflanzengärten ziehen auch Besucher:innen in ihren Bann, ebenso wie
die Flächen mit historischen und modernen Nutzpflanzen. Tief in die
Thematik einsteigen kann man auch an der Anlage zur Vegetationsgeschichte
der Nacheiszeit, zu der in Kürze ein neuer Gartenführer erscheinen wird.
Schließlich erreicht man den jüngsten Teil der Hohenheimer Gärten, den
naturnahen Landschaftsgarten. Vom Monopteros-Hügel aus hat man einen
herrlichen Ausblick über die gesamte Anlage – über das Lavendellabyrinth
und bis zum Hohenheimer Schloss.
Sanierung der Gewässer beinahe abgeschlossen
Momentan ist die Idylle jedoch noch leicht getrübt: Eine Baustelle mitten
im Exotischen Garten sticht ins Auge. „Ganz sind die umfangreichen
Sanierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen“, erläutert Dr. Helmut Dalitz,
der wissenschaftliche Leiter der Hohenheimer Gärten. Er ist jedoch
zuversichtlich, dass in Kürze die gesamte Anlage in neuem Glanz erstrahlen
wird. Die meisten sanierten Bereiche seien bereits jetzt zu bewundern, wie
etwa ein besonderer Blickfang: „Direkt am Eingangsbereich bei der
Plieninger Garbe wurde ein sprudelnder Quelltopf neu gestaltet, von dem
aus der Bachlauf jetzt seinen Ursprung nimmt.“
Die Baumaßnahmen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg,
Universitätsbauamt Stuttgart und Hohenheim umfassen insbesondere die
Sanierung der Bachläufe und Seen. Hintergrund sind nicht nur ästhetische
Aspekte. „Die Maßnahmen dienen vor allem einer effizienteren Wassernutzung
und der Förderung der Biodiversität“, erläutert Dalitz. Denn undichte
Bachläufe führten in den letzten Jahren immer häufiger zum Austrocknen der
Eiszeitteiche im Botanischen Garten. „Wir merken bereits jetzt, dass die
Abdichtung des Bachbetts dem effizient entgegengewirkt.“
Bepflanzt werden die Ufer der sanierten Bachläufe mit heimischen Stauden
und Auengewächsen – ein Gewinn für die Biodiversität. Basierend auf einer
historischen Analyse, die von Vermögen und Bau Baden-Württemberg,
Universitätsbauamt Stuttgart und Hohenheim in Auftrag gegeben wurde, wird
außerdem die denkmalgeschützte Parkanlage wieder ein Stück näher an den
historischen Originalzustand angeglichen. Dazu werden nicht nur Bachläufe,
sondern auch Wegeführungen angepasst.
Artenvielfalt im Fokus der Forschung
Für manche Besucher:innen zunächst irritierend sind auch die großen
Flächen ungemähter Wiesen in den Hohenheimer Gärten. „Diese Unordnung ist
Absicht“, stellt Dr. Robert Gliniars klar, der Kustos der Hohenheimer
Gärten. „Wir sind in erster Linie eine wissenschaftliche Anlage, und
Biodiversität ist eines unserer wichtigsten Forschungsthemen. Seit über 25
Jahren mähen wir weniger – ein wissenschaftliches Projekt, bei dem wir die
Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt erforschen.“ Und bei genauerem
Hinsehen kreucht und fleucht es auf den Flächen zwischen bunten Blumen –
durch das Hohenheimer Wiesenmahd-Projekt kehren immer mehr seltene Arten
zurück.
Und zwar so erfolgreich, dass der Hohenheimer Campus 2023 bei der ICA
Biodiversity Challenge mit 2.087 wilden Tier- und Pflanzenarten zum
artenreichsten Campus Europas gekürt wurde. „Damals haben Forschende,
Studierende und engagierte Citizen Scientists zusammen mehr als doppelt so
viele Arten digital erfasst als ursprünglich angepeilt. Darunter seltene
Spinnenarten, Wildorchideen oder Dachse“, erinnert sich Gliniars. „Nicht
mitgezählt wurden die über 8.000 Pflanzenarten, die wir in den Gärten
durch Menschenhand kultivieren.“
Mit Hightech gegen den Klimawandel
Gelegentlich kann es bei einem Park-Besuch auch passieren, dass der Blick
gen Himmel gelenkt wird: Seit Frühjahr 2025 dreht eine High-Tech-Drohne
wöchentlich ihre Kreise über den Hohenheimer Gärten. Die Technik ist keine
Spielerei, sondern Teil eines wissenschaftlichen Projekts, erläutert
Dalitz: „Der Klimawandel setzt den historischen Baumbestand zunehmend
unter Stress.“
„Unsere Drohne mit Spezialkamera liefert Daten über Gesundheit und
Wasserbedarf der Bäume.“ Zusammen mit den Daten von rund 100 Sensoren, die
Baumkletterer an den Kronen installiert haben, tragen sie dazu bei, die
alten Bäume zu schützen und den Wasserverbrauch durch gezielte Bewässerung
zu minimieren. „Forschung wie diese trägt dazu bei, dem Klimawandel zu
trotzen“, hält der Experte fest.
Geschichte bleibt lebendig
Trotz der heutigen Nutzung für Forschung und Lehre bleibt der historische
Charme der Hohenheimer Gärten auf Schritt und Tritt spürbar. Es gab sie
bereits, als vom Hohenheimer Schloss noch nicht einmal der Grundstein
gelegt war: 1776 errichteten Herzog Carl Eugen und Franziska von Hohenheim
die sogenannte Englische Anlage, heute der Exotische Garten. Sie war als
künstliches Dorf angelegt, von Franziska liebevoll „Dörfle“ genannt.
Einige noch vorhandene Bauten wie das Spielhaus stammen aus dieser Zeit.
Die Nutzung änderte sich mit der Gründung der Gartenbauschule 1780 und vor
allem mit der Einrichtung der Landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs-
und Musteranstalt im Jahr 1818, aus der 1967 die Universität Hohenheim
hervorging. Schon früh waren die Gärten ein Anziehungspunkt: Schiller,
Uhland und Mörike fanden hier Anregungen zu ihren Werken. Lediglich
Goethes Begeisterung hielt sich in Grenzen: Er nannte die Anlage einen
„mit unzähligen Ausgeburten einer unruhigen und kleinlichen Phantasie
übersäeten Garten“.
Buntes Jubiläumsprogramm für jedes Alter
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat im Jubiläumsjahr vielfältige
Gelegenheit dazu. Besucher:innen erwartet ein buntes Programm an
Ausstellungen und Führungen – ob im Rahmen der Sonntagsführungen, der
Woche der Botanischen Gärten im Juni oder am Tag der Offenen Tür der
Universität Hohenheim am 4. Juli, einem Höhepunkt des Garten-Jubiläums.
„Da haben wir uns dieses Jahr etwas ganz Besonderes für die Jüngsten
überlegt“, verrät Dalitz. „Sie können beim Kinderklettern im Schlosspark
unsere Baumriesen erobern und unmittelbar erleben.“
Außerdem haben die Hohenheimer Gärten den Verband der Botanischen Gärten
e.V. aus Anlass des Jubiläums zur Jahrestagung im September eingeladen.
„Wir freuen uns in diesem Rahmen auch auf einen Festakt mit geladenen
Gästen, mit dem wir all denjenigen danken möchten, die sich ganz besonders
für unsere Hohenheimer Gärten engagieren“, so Dalitz.
Und wer einen virtuellen Spaziergang vorzieht, ist herzlich eingeladen,
sich durch die neu entwickelten Kugelpanoramen der Hohenheimer Gärten zu
klicken.
Programm-Übersicht
13.-21.6.2026: Woche der Botanischen Gärten – Wilde Vielfalt im Garten
Führungen durch die Gärten, zum Beispiel zu Insekten, Ameisen, Spinnen,
Wild- und Heilpflanzen, ergänzt durch eine Poster-Ausstellung auf der
Wiese nördlich der Schafweide.
4.7.2026: Großes Jubiläumsprogramm am Tag der offenen Tür
- mit Kinderklettern im Schlosspark,
- Ausstellungen zu Geschichte und aktuellen Aufgaben der Hohenheimer
Gärten, besonderem Holz und tropischen / subtropischen Pflanzen,
- und Führungen der Hohenheimer Gärten, zum Beispiel zu den neu
gestalteten Gewässern, durch die Arzneipflanzengärten, zum Thema
Klimawandel und über den Hohenheimer Friedhof.
Ganzjährig: Sonntagsführungen in den Hohenheimer Gärten
Verschiedene thematische Führungen, etwa zu Baumveteranen, Heilpflanzen,
Pilzflora, Moose, Flechten, essbare Wildpflanzen und exotischen Pflanzen
im Sammlungsgewächshaus.
Digital: Virtuelle Gärten – Kugelpanoramen aus dem Exotischen Garten
Der virtuelle Rundgang durch die Hohenheimer Gärten ist auf der Jubiläums-
Website zu finden – ein imposanter Eindruck samt Informationen über
Highlights der Anlage.
Neuer Gartenführer (ab 4.7.): Hohenheim – Die vegetationsgeschichtliche
Anlage
Ein Spaziergang durch 14.000 Jahre Waldgeschichte: Der neue Gartenführer
wird am Tag der offenen Tür vorgestellt. In Wort und Bild begleitet er auf
rund 150 Seiten durch die vegetationsgeschichtliche Anlage in den
Hohenheimer Gärten und zeigt, wie sich die Klimageschichte auf die
Vegetation in Süddeutschland auswirkt.
Vortragsreihe in der Thomas-Müntzer-Scheuer (TMS)
Studierende berichten von den Ergebnissen ihrer Arbeiten in den
Hohenheimer Gärten – für Studierende und interessierte Gäste.
17.-20.9.2026: Tagung des Verbandes Botanischer Gärten e.V.
mit Festakt am 18.9. für geladene Gäste zur Fertigstellung der
Gewässersanierung im Exotischen Garten.
HINTERGRUND: Die Hohenheimer Gärten
Seit 250 Jahren sind die Hohenheimer Gärten eine Attraktion im Süden
Stuttgarts. Das weitläufige Areal erstreckt sich heute über etwa 30 Hektar
und gliedert sich in mehrere Bereiche:
> Der Exotische Garten (9,3 ha), gestaltet im Stil eines Englischen
Landschaftsgartens, ist der älteste Teil der Hohenheimer Gärten und steht
unter Denkmalschutz. Besonders bekannt ist er für seinen einzigartigen
Baumbestand und historische Monumente wie das Spielhaus oder das römische
Wirtshaus.
> Der Schlosspark und der Botanische Garten (13,4 ha) südlich des
Schlosses sind besonders artenreich. Dank eines reduzierten Mähzyklus und
anderer wissenschaftlich begleiteter Biodiversitäts-Maßnahmen siedeln sich
hier zunehmend seltene Wildpflanzen und -tiere an. Dies brachte der
Universität Hohenheim 2023 unter anderem den Titel des „Artenreichsten
Campus Europas“ ein. Besucher:innen gewinnen außerdem einen Einblick in
die Vegetationsgeschichte der Nacheiszeit und die Anfänge der
landwirtschaftlichen und pharmazeutischen Nutzung.
> Der Landschaftsgarten (7,2 ha) ist der jüngste Teil der Hohenheimer
Gärten. Er entstand in den 1990er Jahren und verbindet den Botanischen
Garten und den Exotischen Garten im Süden, was ausgedehnte Spaziergänge
durch die gesamte Anlage ermöglicht.
> Zum Landesarboretum Baden-Württemberg wurde der Exotische Garten im Jahr
1953 erhoben, später kam der Landschaftsgarten dazu. Es enthält eine
beeindruckende Vielfalt von rund 2.500 Laub- und Nadelholzarten bzw.
-Varietäten. Über 150 Bäume sind älter als 100 Jahre. Das Arboretum ist
eine Sammlung von Gehölzen, die auch Forschung und Lehre zur Verfügung
steht.
Text: Elsner
