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Universitätsmedizin Dresden baut Kinder-Biobanking aus

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Um Diagnostik und Therapie zu optimieren, braucht es medizinische Daten
und biologische Proben. Diese von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung
gestellt zu bekommen, stellt besondere Herausforderungen. Erste konkrete
Projekte wie PEDNET-LC setzen auf Erkenntnisse aus der Arbeit mit den
Bioproben.


Die BioBank Dresden am Universitätsklinikum Dresden baut ihr Engagement
zur Konservierung von Proben von Kindern und Jugendlichen weiter aus. Seit
vielen Jahren werden in der Dresdner Johannstadt Proben bei unter -180
Grad Celsius in tiefkaltem Stickstoff eingelagert und damit medizinisch
geforscht. Ziel ist es, Ursachen für Erkrankungen zu erkunden sowie die
Diagnostik und Therapie zu verbessern. Perspektivisch können fünf
Millionen verschiedene Proben eingelagert werden – noch ist das Vorhaben
im Aufbau. Aktuell sind 220.000 Proben hinterlegt. „Indem wir jetzt auch
Bioproben von Kindern und Jugendlichen aufnehmen, schaffen wir
Möglichkeiten für unsere forschenden Ärztinnen und Ärzte sowie weitere
Wissenschaftler neue diagnostische und therapeutische Wege für diese
Patientengruppe einzuschlagen“, sagt Dr. Heidi Altmann, Sprecherin BioBank
Dresden. „Das ist unter anderem bei seltenen Erkrankungen relevant, denen
wir uns in unserem UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen (USE)
widmen, insbesondere aber auch in dem vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) seit zwei Jahren neu geförderten
Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ)“, ergänzt Prof.
Reinhard Berner. Hier ist das Team der Biobank auch wissenschaftlich
aktiv. Proben von Kindern und Jugendlichen liegen zumeist in Kleinstmengen
vor – eine Herausforderung bei der Aufbereitung sowie dem Selektieren von
einzelnen Substanzen aus den Proben. Hier gilt es neue Methoden zu
entwickeln und einzuführen.

„Die Arbeit mit Bioproben ist ein zentraler Baustein universitärer
Medizin. Sie schafft die Grundlage für innovative Forschung und zukünftige
Therapien. Als Universitätsmedizin sehen wir es als unsere Aufgabe, diese
wertvollen Ressourcen verantwortungsvoll, qualitätsgesichert und im Sinne
der Patientinnen und Patienten zu nutzen“, sagt Prof. Uwe Platzbecker,
Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden. Seit 2008 wird in
der Universitätsmedizin Dresden die BioBank Dresden aufgebaut. Sie besteht
aus den Teilbiobanken für Gewebe (Tumor- und Normalgewebebank am Institut
für Pathologie) und Flüssigbioproben (Dresden Integrated Liquid Biobank am
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin). Gemeinsam werden
Angebote und zahlreiche Services rund um das Thema Biobanking für
Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende geschaffen. Erste Flüssigproben
werden seit 2019 eingelagert, 2022 – in Zusammenhang mit dem Aufkommen von
Corona – begann die Archivierung von Proben von Kindern und Jugendlichen.
Die Universitätsmedizin Dresden ist gemeinsam mit Leipzig einer von sieben
Standorten des neu gegründeten Deutschen Gesundheitszentrums DZKJ, das
sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit dem Thema Kinder- und
Jugendgesundheit beschäftigt.

Ziel der Bemühungen ist es, zum einen individuell auf Ursachensuche von
Erkrankungen zu gehen – auch über die Genetik. Ziel ist es aber auch,
datenbasiert neue diagnostische und therapeutische Wege zu gehen. „Zudem
schaffen wir Strukturen zum effizienten Aufarbeiten von Proben sowie zum
langfristigen Lagern“, sagt Dr. Heidi Altmann. Dabei ist das Team immer
auf die Zustimmung der Patientinnen und Patienten angewiesen. Bei Kindern
und Jugendlichen entscheiden nicht allein die Eltern. Die Minderjährigen
werden ebenfalls informiert und gefragt. Dabei helfen kindgerechte
Informationen.

Neuer Animationsfilm erklärt Biobanking für Kinder und Familien
Um Kinder und Sorgeberechtigte verständlich aufzuklären hat das German
Biobank Network (GBN) gemeinsam mit dem DZKJ-Standort Dresden einen
animierten Informationsfilm zum Thema Biobanking für Kinder und ihre
Sorgeberechtigten veröffentlicht. Dieser innovative neue Film ist
besonders hervorzuheben, denn im Video wird verständlich und kindgerecht
erklärt, warum Bioproben für die Forschung wichtig sind, wie sie verwendet
werden und wie der Schutz persönlicher Daten gewährleistet wird. „Der Film
hilft Kindern und Familien dabei, eine informierte und freiwillige
Entscheidung zu treffen“, sagt Prof. Reinhard Berner, Ko-Standortsprecher
des DZKJ und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am
Uniklinikum Dresden. Denn auch wenn kein direkter persönlicher Nutzen
entsteht, leisten Spenderinnen und Spender einen wertvollen Beitrag für
die medizinische Forschung und zukünftige Patientinnen und Patienten.
https://player.vimeo.com/video/1172867279?badge=0&autopause=0&player_id=0&app_id=58479

Besseres Verständnis von postinfektiösen Erkrankungen
Ein erstes gemeinsames Großprojekt der Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin mit der BioBank Dresden ist PEDNET-LC, welches vom
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wird. „Ziel von PEDNET-LC
ist es, neue Versorgungsstrukturen und Forschungsergebnisse bei
postinfektiösen Erkrankungen wie Long COVID oder Myalgische
Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom bei Kindern und Jugendlichen
aufzubauen und zu ermöglichen“, sagt PD Dr. Nicole Töpfner als Co-Leitung
des Netzwerkes. Im Rahmen von PEDNET-LC wurde im Einklang mit den
Richtlinien zur Sammlung von Kinderproben im Netzwerk Universitätsmedizin
(NUM) und den deutschen Forschungszentren (wie DZIF, DZL und DZKJ) eine
gemeinsame Biobank-Infrastruktur an den Standorten Dresden und Freiburg
aufgebaut und bundesweit als Zusatzangebot parallel zur Routineversorgung
an 20 spezialisierten Versorgungszentren etabliert. Die BioBank Dresden
und die FREEZE-Biobank Freiburg – beide Partner im German Biobank Network
(GBN) – sammeln so täglich Bioproben von genau befragten und gut
untersuchten Kindern und Jugendlichen als wissenschaftliche Grundlage, um
Kinderärztinnen und -ärzten sowie Forschenden zu ermöglichen, die Ursachen
und Mechanismen von Long-COVID-ähnlichen Erkrankungen im Kindes- und
Jugendalter besser zu verstehen. In der PEDNET-LC-Biobank werden Proben
wie Blut, Urin, Haarproben sowie Nasen- und Rachenabstriche
qualitätsgesichert gesammelt und in einem qualitätsprüfendem
Vergabeverfahren für Forschungsprojekte bereitgestellt.  Das Ziel besteht
darin, neue Biomarker zu identifizieren und langfristig gezielte
Therapieansätze zu entwickeln. Ein besonderes Merkmal ist die Möglichkeit
der Probengewinnung zu Hause: Mithilfe spezieller Selbstabnahme-Kits
können auch schwer erkrankte oder immobile Patientinnen und Patienten an
der Forschung teilnehmen.