Künstliche Intelligenz für sauberes Wasser: Hochschule Hof forscht für effektivere Kleinkläranlagen
Wie können digitale Technologien dazu beitragen, die
Abwasserbehandlung im ländlichen Raum zuverlässiger, effizienter und
nachhaltiger zu gestalten? Das ist das Thema eines neuen spannenden
Forschungsprojektes am Institut für nachhaltige Wassersysteme der
Hochschule Hof (inwa).
Kleinkläranlagen spielen eine zentrale Rolle für den Gewässerschutz in
Regionen ohne Anschluss an ein zentrales Kanalnetz. Ihre Wartung erfolgt
bislang in festgelegten Intervallen – unabhängig davon, ob tatsächlich
Handlungsbedarf besteht. Das verursacht Aufwand, bindet Fachpersonal und
erschwert einen effizienten Ressourceneinsatz. Hier setzt das jetzt
gestartete Projekt „BIK3I“ an: Ziel der Forschenden ist es, den
tatsächlichen Zustand einer Anlage künftig genauer bewerten zu können.
Dazu werden Betriebs- und Messdaten erfasst, miteinander verknüpft und
mithilfe von KI-Verfahren ausgewertet. So sollen Veränderungen und
mögliche Störungen frühzeitig erkannt werden. Langfristig könnten
Wartungen gezielter geplant, Ausfälle vermieden und die Betriebssicherheit
erhöht werden.
KI als Unterstützung für Betreiber und Fachpersonal
Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer zentralen Zukunftsfrage
der Wasserwirtschaft: Wie lassen sich bestehende Infrastrukturen
angesichts steigender Anforderungen, begrenzter personeller Ressourcen und
fortschreitender Digitalisierung nachhaltig weiterentwickeln? „Wir wollen
zeigen, wie Erfahrungswissen der Mitarbeitenden ein wichtiger Teil der
Digitalisierung in der Wasserwirtschaft sein kann und einen signifikanten
Beitrag zur Bewältigung konkreter Herausforderungen darstellt. Am Beispiel
der Unterstützung von Betrieb und Wartung entwickeln wir gemeinsam mit
unserem Praxispartner eine nachvollziehbare und verlässliche digitale
Lösung, in der Erfahrungswissen, Sensordaten und KI-Methoden wirksam und
zielerfüllend zusammengeführt werden" erklärt Prof. Günter Müller-Czygan,
Leiter der Forschungsgruppe Wasserinfrastruktur und Digitalisierung am
inwa der Hochschule Hof.
Praxiswissen trifft wissenschaftliche Datenanalyse
Die utp Umwelttechnik Pöhnl GmbH bringt ihre langjährige Erfahrung in der
Entwicklung und Betreuung von Kleinkläranlagen in das Projekt ein. Mit
Lösungen wie der SBR-Kleinkläranlage „klärofix“ und der Steuerung
„klärcontrol“ verfügt das Unternehmen bereits über umfangreiche Expertise
in den Bereichen Fernüberwachung und Telemetrie.
Das neue Projekt baut auf diesen Erfahrungen auf und erweitert sie um
wissenschaftliche Methoden der Datenanalyse und Künstlichen Intelligenz.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Automatisierung von Entscheidungen,
sondern ein besseres Verständnis der Anlagenzustände. Die Forschung soll
aufzeigen, welche Informationen bereits heute genutzt werden können,
welche zusätzlichen Daten erforderlich sind und wie daraus verlässliche
Handlungsempfehlungen entstehen.
Akzeptanz und Vertrauen als Teil der Forschung
Neben den technischen Fragestellungen untersucht die Hochschule Hof auch
die Akzeptanz solcher KI-gestützten Systeme. Denn digitale Innovationen
können ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn sie für Betreiber,
Wartungsunternehmen und Fachpersonal verständlich, nachvollziehbar und
praxistauglich sind.
Kick-off für ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt
Am Kick-off-Treffen nahmen von Seiten der Hochschule Hof Prof. Günter
Müller-Czygan, Paola Acosta Carrascal und Pavel Timofeev teil. Die utp
Umwelttechnik Pöhnl GmbH war durch Thomas Parchent, Roland Pöhnl und
weitere Mitglieder des Projektteams vertreten. „Als Praxispartner bringen
wir unsere langjährige Erfahrung bei Betrieb, Wartung und Fernüberwachung
von Kleinkläranlagen ein. Die digitale Transformation ist für uns ein
wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung“, betont Thomas Parchent von der
utp Umwelttechnik Pöhnl GmbH. Das am 1. April 2026 gestartete Projekt wird
im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gefördert.
Es verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischer Anwendung und
zeigt beispielhaft, wie digitale Technologien dazu beitragen können, die
Wasserinfrastruktur im ländlichen Raum zukunftsfähig zu gestalten – für
mehr Betriebssicherheit, einen effizienteren Ressourceneinsatz und
letztlich für den nachhaltigen Schutz unserer Gewässer.
