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Australischer Teppichkäfer und Papierfischchen Gefahr für Museen

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Was an historisch wertvollen Gegenständen in Archiven und Museen liegt,
könnte bald von bis dato unbekannten Schädlingen bedroht werden: Invasive
Arten profitieren von der Klimaerwärmung und vermehren sich zunehmend.
Deshalb entwickelt das Naturhistorische Museum Wien ein Konzept zum Schutz
vor Schädlingen möglichst ohne Chemikalien. Die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 170.000 Euro.

Klimawandel: DBU fördert Schutz vor neuen Schädlingen

Osnabrück/Wien. Der Klimawandel betrifft immer häufiger auch Bereiche, die
nicht oft das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Denn was an historisch
wertvollen Gegenständen und Dokumenten in Archiven und Museen liegt,
könnte bald von bis dato unbekannten Schädlingen bedroht werden: Bislang
in Deutschland seltene, invasive Arten profitieren besonders von der
Klimaerwärmung und vermehren sich zunehmend. Deshalb entwickelt das
Naturhistorische Museum Wien ein Konzept zum Schutz vor Schädlingen
möglichst ohne Chemikalien. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
fördert das Projekt mit rund 170.000 Euro. Morgen (Mittwoch) findet in
Kassel ein Workshop mit Fachleuten auf diesem Gebiet statt.

Effektive Voraussagen für präventive Gegenmaßnahmen

Die Folgen des Klimawandels wirken sich unterschiedlich auf
Gesellschaftsbereiche aus. Zunehmend seien etwa auch Museen von
klimatischen Veränderungen betroffen, so DBU-Generalsekretär Alexander
Bonde. „Dafür müssen wir Lösungen finden.“ Der Schutz wertvoller
Kulturgüter gehöre dazu. Ein aktuelles Beispiel: Ein Vorhaben von Wiener
Forschenden sammelt unter Projektleiter Dr. Pascal Querner bislang kaum
erhobene Daten über die Bedrohung durch Schädlinge. Querner: „Wir wissen
sehr wenig über die Verteilung von Schädlingen in Museen und ähnlichen
Institutionen in Deutschland. Auch den Zusammenhang mit dem Klima in den
Gebäuden und in der Umgebung wollen wir untersuchen.“ Nach den Worten des
Projektleiters „können so effektive Voraussagen für die Vermehrung der
Schädlinge getroffen und präventive Gegenmaßnahmen entwickelt werden“.

Fressspuren von invasiven Arten setzen den Ausstellungsstücken zu

An mehr als 110 Standorten werden Querner zufolge für das Projekt Daten
gesammelt. „So erhalten wir eine umfassende Übersicht und können
gleichzeitig regionale Unterschiede identifizieren.“ Zu den in Deutschland
seit Kurzem am häufigsten auftretenden Museumsschädlingen zählen laut dem
Insekten-Experten das Geisterfischchen, der Berlinkäfer und der
Australische Teppichkäfer. Alle von ihnen seien von Menschen
eingeschleppte Arten und würden sowohl Ausstellungsstücke als auch die
strukturelle Integrität historischer Gebäude zersetzen. Querner: „Auch
Erdtermiten und Trockenholztermiten wurden bereits mehrfach in Deutschland
eingeschleppt.“ Die höchste Vermehrungsrate und somit auch die größte
Gefahr für Kulturgüter stellt nach seinen Worten das Papierfischchen dar –
ebenfalls eine invasive Art, deren tatsächliche Herkunft noch nicht
hundertprozentig geklärt ist. „Bei nahezu allen ausgewerteten Standorten
haben wir Papierfischchen in kleinen bis größeren Populationen gefunden“,
so der Projektleiter. Querner zufolge bemerkenswert: Die Daten
unterscheiden sich sowohl zwischen den Regionen Deutschlands als auch von
vergleichbaren, bereits in Österreich gesammelten Informationen. Die
Verbreitung des Berlinkäfers und des Australischen Teppichkäfer hat dabei
auch den Experten überrascht: „Bei uns in Österreich sind diese zwei Arten
noch eine Seltenheit – besonders im Norden Deutschlands sind sie aber
häufig in Museen zu finden“, so Querner.

Giftige Chemikalien sollen bei Präventionsmaßnahmen vermieden werden

Die neu identifizierten Schädlinge eint nicht nur ihr Status als invasive
Art: „Sie alle mögen warmes, feuchtes Raumklima – was aufgrund des
Klimawandels selbst innerhalb eigentlich kühler, dunkler Museumsräume und
Archive immer öfter vorkommt“, erklärt Querner. Der Insekten-Fachmann
weiter: „Wir lernen nun die Bedingungen kennen, unter denen sich diese
Schädlinge nicht oder nur sehr langsam vermehren. Und es wird klarer, an
welchen Standorten dringender Handlungsbedarf besteht“, so Querner. Die
Sammlung der deutschlandweiten Daten sei deshalb nur der erste Schritt des
Projekts. In der zweiten Phase entwickeln die Forschenden Präventions- und
Gegenmaßnahmen bei akutem Befall. Querner: „Dabei wollen wir giftige
Chemikalien vermeiden. Einerseits können diese unbeabsichtigt in die
Umwelt geraten und Ökosysteme angreifen. Andererseits bedeuten sie eine
zusätzliche Belastung für die Ausstellungsstücke und Menschen, die eng mit
Objekten im Museen arbeiten.“

Kälteres und trockenes Raumklima gegen Schädlingsbefall

Für die Eindämmungsmaßnahmen gibt es Querner zufolge verschiedene
Optionen: „Zunächst ist eine Kühlung und Trocknung des Raumklimas in
Museen und ihren Archiven zum Schutz der Ausstellungsstücke und der
Innenräume möglich. So werden sie für die Schädlinge zu einem möglichst
unattraktiven Lebensraum.“ Das gezielte Aufstellen von Fallen und die
Entfernung und Verfüllung typischer Rückzugsorte seien ebenfalls denkbar.
Querner weiter: „Mit den in der ersten Projektphase erhobenen Daten
erstellen wir einen umfangreichen, frei verfügbaren Leitfaden zur
Schädlingsbekämpfung in Museen – möglichst individuell anwendbar, um
regionale Unterschiede zu berücksichtigen“, so Querner. Da sich die immer
häufiger auftretenden neuen Schädlinge perspektivisch nicht nur in Museen
ansiedeln, sei auch die Übertragung einiger Präventionsmaßnahmen auf
gewöhnliche Haushalte denkbar. Das Papierfischchen ist laut Querner auch
schon ein wichtiger Lästling in Wohnungen geworden.

Schäden nachhaltig minimieren

Für die zuständige DBU-Referentin Constanze Fuhrmann ist es „angesichts
der Auswirkungen der Klimaerwärmung unerlässlich, die potenziellen Risiken
für kulturelle Einrichtungen zu verstehen und diesen entgegenzuwirken“.
Das Projekt des Naturhistorischen Museums Wien lege eine essenzielle
Grundlage für die Untersuchung der Verbreitung von Schädlingen. Fuhrmann
weiter: „Die bisherige Lücke in der Forschung erschwert fundierte
Vorhersagen über die Auswirkungen des Klimawandels auf
Schädlingspopulationen. Die Ergebnisse des Projekts können diese Lücke
schließen und ermöglichen, Einrichtungen effektiver auf die Veränderungen
vorzubereiten sowie Schäden nachhaltig zu minimieren."