Biokorrosion: Neue Publikation gibt erstmals konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis
Korrosion durch Mikroorganismen kann Industrieanlagen, Pipelines,
Wasserinfrastruktur und Offshore-Windenergieanlagen erheblich schädigen.
Ein neues Open-Access-Handbuch bündelt nun erstmals interdisziplinäre
Forschungsergebnisse und konkrete Handlungsempfehlungen für Industrie und
Anlagenbetreibende zum Umgang mit mikrobiell beeinflusster Korrosion.
Mitherausgeberin ist Andrea Koerdt, Biokorrosionsexpertin an der
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
Über 40 Expert*innen für Biokorrosion haben in dem Handbuch erstmals ihr
Wissen gebündelt. Denn obwohl seit Jahrzehnten an MIC (microbiologically
influenced) geforscht wird, fehlte bisher ein interdisziplinärer Ansatz,
der verschiedene Forschungsbereiche zusammenbringt. Diese Lücke wird durch
das Netzwerk „Euro-MIC“ geschlossen, das Fachleute aus den Material- und
Ingenieurwissenschaften, der Mikrobiologie und der Politik weltweit
zusammenführt. Daraus hervorgegangen ist jetzt unter anderem das Handbuch
„Microbiologically Influenced Corrosion - A Comprehensive Guide to
Principles, Assessment and Mitigation“. Es schlägt die Brücke zwischen
wissenschaftlicher Forschung und industrieller Praxis.
Durch Mikroorganismen beeinflusste Korrosion verursacht jährlich
wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe und stellt für Anlagen, die
dauerhaft mit Wasser in Berührung kommen, ein Problem dar – darunter
Offshore-Windenergieanlagen, Trink- und Abwasseranlagen,
Kühlkreislaufsysteme oder Öl- und Gas-Pipelines. Eine anwenderfreundliche
und leicht verständliche Anleitung zum Umgang mit dem Schadensbild für die
Industrie gab es bisher nicht.
„Dieses Buch ist nicht nur ein technisches Handbuch – es ist auch eine
strategische Vision für die Zukunft der MIC-Forschung und -Praxis“, sagt
Mitherausgeberin Andrea Koerdt von der BAM. „Es fordert einen Wandel hin
zum proaktiven Management und von fragmentiertem Wissen hin zu
standardisierten, kooperativen Lösungen. Das ist wichtig, um MIC in
neuartigen Systemen wie z.B. bei der Nutzung von Wasserstoff als
Energieträger in Zukunft besser adressieren und beurteilen zu können.“
Das Handbuch beschreibt zum Beispiel Beschichtungen und Biozide, die zur
Bekämpfung von MIC eingesetzt werden. Leser*innen finden dort
praxisorientierte Checklisten für den Umgang mit MIC-Verdachtsfällen sowie
für die Diagnose. Das Buch stellt außerdem die Prüfverfahren und geltenden
Standards im Bereich der Biokorrosion vor, und erläutert Schritt-für-
Schritt, wie eine Fallstudie konzipiert und umgesetzt werden kann. Ein
umfangreicher Teil stellt Fallbeispiele aus verschiedenen Industriezweigen
vor, die zum Vergleich herangezogen werden können. Sie beinhalten unter
anderem detaillierte Beschreibungen der betroffenen Anlagen und der
jeweiligen Ausgangsbedingungen, erläutern die durchgeführten
Untersuchungen und die erarbeiteten Lösungen.
Darüber hinaus enthält die Publikation weiterführende Informationen sowie
Kontaktdaten der Autor*innen, die für fachliche Rückfragen zur Verfügung
stehen. Mitherausgeber*innen sind Judit Knisz (Ludovika University of
Public Service), Scott Wade (Swinburne University of Technology) und
Elisabete R. Silva (University of Lisbon). Die „COST Action Euro-MIC
CA20130“ (2021-2025) wurde finanziert durch die COST Association (European
Cooperation in Science and Technology).
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1201/978103
