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Karl-Jaspers-Preis für Seyla Benhabib Auszeichnung würdigt herausragendes philosophisches Werk und Wirken in der Öffentlichkeit

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Für ihr herausragendes philosophisches Werk ebenso wie für ihr Wirken in
der Öffentlichkeit wird Prof. Dr. Seyla Benhabib mit dem Karl-Jaspers-
Preis 2026 geehrt. Die Universität Heidelberg vergibt den mit 25.000 Euro
dotierten Preis gemeinsam mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
und der Stadt Heidelberg. Im Mittelpunkt von Prof. Benhabibs Werk steht
die Frage, wie allgemeine Vorstellungen von Gerechtigkeit, Rechten und
Demokratie mit der Lebenswirklichkeit verbunden werden können.

Dabei
berücksichtigt sie insbesondere kulturelle Unterschiede, geschlechtliche
Erfahrungen und globale Migration. Zudem gilt sie als ausgewiesene
Expertin für die deutsche Philosophie des 20. Jahrhunderts und bringt sich
regelmäßig als kritische Stimme in öffentliche Debatten ein. Seyla
Benhabib lehrt als emeritierte Professorin an der Yale University (USA).
Die Preisverleihung findet am 29. April 2027 statt.

Prof. Benhabib wird nach den Worten der Auswahlkommission für ihr
herausragendes und facettenreiches wissenschaftliches Lebenswerk
ausgezeichnet. Der internationale Rang ihrer Arbeiten stehe außer Zweifel
– ebenso wie ihre Wirkung weit über die Grenzen der von ihr vertretenen
Fachdisziplinen hinaus. „Wir sind der Überzeugung, dass Seyla Benhabib
ihre Stimme auch gegen den ,Ungeist einer Epoche‘ erhebt, wie Karl Jaspers
dies ebenso klar wie vorbildlich getan hat“, heißt es in der Begründung
zur Vergabe des Preises. Es sei wichtig, dass diese „von philosophischem
Geist“ getragene Stimme gerade in der heutigen Zeit Gehör finde – nicht
zuletzt deshalb, weil Prof. Benhabib sich ebenso klug wie konstruktiv auch
zu zentralen Konflikten der Gegenwart, etwa dem Israel-Palästina-Konflikt,
äußere.

Seyla Benhabib studierte Philosophie in Istanbul (Türkei) sowie an der
Brandeis University in Waltham (USA). Mit einer Arbeit über die Hegelsche
Rechtsphilosophie wurde sie 1977 an der Yale University promoviert. Im
Anschluss daran wirkte sie als Professorin an verschiedenen Universitäten
in den USA, unter anderem in Yale und Boston sowie an der Harvard
University und an der State University of New York. Im Jahr 2001 wurde sie
auf die Eugene-Meyer-Professur für Politikwissenschaft und Philosophie an
die Yale University berufen. Prof. Benhabib war als Gastwissenschaftlerin
an zahlreichen internationalen Institutionen tätig, darunter am
Wissenschaftskolleg zu Berlin. Für ihre Forschung wurde sie vielfach mit
Preisen geehrt.

Der Karl-Jaspers-Preis erinnert an einen „Gelehrten, dessen Lebenswerk in
Psychopathologie, Philosophie und Weltphilosophie international
Anerkennung gefunden hat“. Zudem wollen die Stifter Jaspers’ „Kampf gegen
den Ungeist einer Epoche dankbar würdigen“. Karl Jaspers (1883 bis 1969)
war als Mitbegründer der Existenzphilosophie einer der wichtigsten
deutschsprachigen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Assistenz
an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg habilitierte er
sich für Psychologie und lehrte von Anfang der 1920er-Jahre bis zu seiner
Entlassung durch das NS-Regime Philosophie an der Universität Heidelberg.
Nach Kriegsende gehörte Jaspers dem sogenannten Dreizehnerausschuss an,
der den Neuaufbau der Universität organisierte. Er nahm seine
wissenschaftliche Tätigkeit an der Ruperto Carola wieder auf, die ihm 1946
die Ehrensenatorwürde verlieh. Der nach Karl Jaspers benannte Preis wurde
bislang dreizehn Mal vergeben, zuletzt an Prof. Dr. Volker Gerhardt
(2022), posthum an den Sinologen Prof. Dr. Rudolf G. Wagner (2019) sowie
an das Forscherpaar Prof. Dr. Aleida Assmann und Prof. Dr. Jan Assmann
(2017).