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Meningokokken: seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Infektionen

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Meningokokken-Infektionen treten in Deutschland selten auf, können jedoch
innerhalb weniger Stunden einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Die
Stiftung Kindergesundheit weist auf die Bedeutung einer frühzeitigen
Erkennung sowie auf die erweiterten Impfempfehlungen der Ständigen
Impfkommission (STIKO) hin, die sowohl Säuglinge, Kinder und Jugendliche,
aber auch die allgemeine Bevölkerung durch sogenannten
Gemeinschaftsschutz, besser schützen sollen.



Meningokokken sind Bakterien, die bei jeder zehnten Person im Nasen-
Rachen-Raum vorkommen, ohne Infektionen oder Beschwerden zu verursachen.
In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Varianten, die nicht
invasiv sind, also keine Erkrankung verursachen.

Unterschieden werden insgesamt 12 sogenannte Serogruppen. Weltweit sind
vor allem die Gruppen A, B, C, W, X und Y für invasive Meningokokken-
Erkrankungen verantwortlich. In Deutschland dominieren derzeit die
Serogruppen B und Y. Meningokokken werden durch engen Kontakt von Mensch
zu Mensch übertragen, etwa über Tröpfchen beim Husten, Niesen oder durch
direkten Speichelkontakt. Infektionen durch alltägliche Begegnungen ohne
engen Kontakt sind eher unwahrscheinlich.

Die Zahl der gemeldeten Meningokokken-Erkrankungen ist in Deutschland seit
Jahren rückläufig. Aktuell liegt die jährliche Häufigkeit bei unter 0,4
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Babys und Kleinkinder unter 5 Jahren
haben das höchste Risiko an einer Meningokokken-Infektion der Serogruppe B
zu erkranken. Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren
haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen durch die Serogruppen A, C, W
und Y.

„Meningokokken-Infektionen sind zwar selten, sie gehören aber zu den
Erkrankungen, bei denen innerhalb weniger Stunden aus zunächst
unspezifischen Beschwerden ein lebensbedrohlicher Notfall werden kann“,
betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko,
Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Gerade deshalb sind eine
schnelle Diagnose und ein wirksamer Impfschutz so wichtig.“

Rasanter Krankheitsverlauf möglich

Invasive Meningokokken-Erkrankungen verursachen meist eine Meningitis
(Hirnhautentzündung) und/oder eine Sepsis (Blutvergiftung). Letztere kann
zu einem septischen Schock und zum Tod führen. Die Erkrankung beginnt
häufig mit unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen,
Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl. Innerhalb kurzer Zeit kann
jedoch ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entstehen. Typisch bei einem
septischen Verlauf sind punktförmige Blutungen unter der Haut und/oder
Hautauschlag mit roten, erhabenen Stellen. Diese treten bei etwa jedem
zweiten Betroffenen auf. Bei einer Beteiligung der Hirnhäute kommt es
zusätzlich zu Nackensteifigkeit und Erbrechen. Auch Bewusstseinsstörungen,
Krampfanfälle oder Hirnnervlähmungen können vorkommen. Bei besonders
schweren Verläufen kann es zu Kreislaufversagen, Gerinnungsstörungen und
Organversagen kommen.

„Viele Symptome ähneln anfangs einem grippalen Infekt. Verschlechtert sich
der Zustand rasch oder treten Hauteinblutungen auf, die bei Aufdrücken
eines durchsichtigen Trinkglases sichtbar bleiben, muss sofort ärztlich
gehandelt werden“, erklärt Prof. Koletzko.
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Erkrankung oft schwer zu erkennen.
Typische Zeichen wie Nackensteifigkeit können fehlen. Stattdessen zeigen
sich unspezifische Symptome wie Fieber, Schläfrigkeit oder Reizbarkeit,
Erbrechen oder Krampfanfälle. Auch eine vorgewölbte oder harte Fontanelle
kann ein Hinweis sein.

Schnelles Handeln entscheidend

Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist sofort ein Krankenhaus
mit Kinderfachabteilung aufzusuchen, um eine schnelle Diagnose und
Behandlung zu gewährleisten. Eine unverzügliche Therapie ist bereits bei
dem Verdacht auf diese Erkrankung notwendig, da sich der Zustand innerhalb
weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann. Zum Einsatz kommen
zunächst breit wirksame Antibiotika, die nach dem Erregernachweis
angepasst werden. Erkrankte sollten bis 24 Stunden nach Beginn der
spezifischen Behandlung isoliert werden und sind danach in der Regel nicht
mehr ansteckend.

Ansteckungsfähigkeit und Maßnahmen für Kontaktpersonen
Erkrankte Personen können bereits einige Tage vor Beginn der Symptome
ansteckend sein. Enge Kontaktpersonen, insbesondere Haushaltsmitglieder
und enge Bezugspersonen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko selbst zu
erkranken. Für diese Personen wird eine vorsorgliche antibiotische
Behandlung empfohlen, die möglichst schnell erfolgen sollte (bis 10 Tage
nach dem letzten Kontakt zu einer erkrankten Person).

Aktuelle Impfempfehlungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen zur
Meningokokken-Impfung in den letzten Jahren angepasst. Seit 2024 wird
allen Säuglingen ab einem Alter von zwei Monaten eine Impfung gegen
Meningokokken der Serogruppe B empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis
zum fünften Geburtstag erfolgen. Seit 2025 wird zusätzlich eine Impfung
für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren gegen die
Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis zum
Alter von unter 25 Jahren nachgeholt werden.

Neben den Standardimpfungen gibt es Empfehlungen für bestimmte
Personengruppen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen unter anderem Menschen
mit eingeschränktem Immunsystem, enge Kontaktpersonen von Erkrankten sowie
Reisende in Regionen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Impfungen sollten
mindestens 2 Wochen vor Langzeitaufenthalten bzw. vor Reiseantritt
erfolgen.

„Die neuen Impfempfehlungen verbessern den Schutz vor schweren
Meningokokken-Erkrankungen“, sagt Prof. Koletzko. „Impfungen können
schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindern.“

Prävention durch Impfung und Aufklärung

Auch wenn Meningokokken-Erkrankungen selten sind, stellt ihre mögliche
Schwere eine besondere Herausforderung dar. Eine frühzeitige Impfung
entsprechend den aktuellen Empfehlungen bietet einen wirksamen Schutz vor
den wichtigsten Erregergruppen.
Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, den Impfstatus regelmäßig zu
überprüfen und die aktuellen STIKO-Empfehlungen zu berücksichtigen. Eine
konsequente Umsetzung der Impfempfehlungen sowie eine rasche Behandlung im
Verdachtsfall sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu
verhindern.

Hier geht es zum aktuellen Impfkalender:
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Staendige-
Impfkommission/Empfehlungen-der-

STIKO/Empfehlungen/Impfkalender.pdf?__blob=publicationFile&v=8

Weitere Informationen:

Faktenblatt Meningokokken-Impfung (Stand: 30.10.2025):
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Informationsmaterialien
/Faktenblaetter-zum-Impfen/Meningokokken.pdf?__blob=publicationFile&v=8


Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen
Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V.
(DTG) zu Reiseimpfungen:
https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12569/EB-14-2025.pdf