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Vollblut für den Krisenfall: Intensiv- und Notfallmediziner richten Appell an Politik und Behörden

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Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI) fordert die Schaffung der regulatorischen und
rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung von kalt gelagertem
Vollblut zur Stärkung der Resilienz im zivilen Gesundheitswesen.
Internationale Erfahrungen belegen die Sicherheit, Wirksamkeit und
praktische Umsetzbarkeit dieses Konzeptes. Derzeit verhindern jedoch
regulatorische Hürden in Deutschland die Nutzung von Vollblut als
zusätzliche Quelle der Blutversorgung in Ergänzung zur etablierten
Komponententherapie.



Mit einem offenen Brief appelliert die DIVI an das Paul-Ehrlich-Institut
(PEI) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), zeitnah die
Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte, wissenschaftlich begleitete
Einführung von Vollblut für Krisensituationen in definierten zivilen
Versorgungsbereichen zu schaffen.

„Kalt gelagertes Vollblut wird international bereits erfolgreich in der
Versorgung lebensbedrohlich blutender Patientinnen und Patienten
eingesetzt“, erklären die federführenden Autoren des offenen Briefes,
Prof. Thorsten Annecke, Sprecher der DIVI-Sektion Schock und Prof. Dania
Fischer, Sprecherin der DIVI-Sektion Klinische Hämotherapie und
Hämostasemanagement.

„Zivile und militärische Erfahrungen zeigen, dass Vollblut in kritischen
Versorgungsszenarien eine wirksame, logistisch vorteilhafte und mit einem
vertretbaren Risikoprofil umsetzbare Strategie zur Beherrschung massiver
Blutungen darstellt“, unterstreicht Dania Fischer, Stellvertreterin des
Ärztlichen Direktors und geschäftsführende Oberärztin der Klinik für
Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. „Auch in Europa
haben mehrere Länder entsprechende Programme bereits etabliert oder planen
deren Einführung“, ergänzt Thorsten Annecke, Leitender Oberarzt und Leiter
der Operativen Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie und
operativen Intensivmedizin am Krankenhaus Köln-Merheim, Klinikum der
Universität Witten/ Herdecke.

Deutschland muss sich auf Krisenszenarien vorbereiten

Die DIVI ist überzeugt: Die aktuelle Sicherheitslage in Europa, hybride
Bedrohungen, mögliche militärische Konflikte sowie das zunehmende Risiko
von Naturkatastrophen und Großschadensereignissen stellen das deutsche
Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. „Gerade bei einer hohen Zahl
schwer verletzter Menschen und gleichzeitiger Einschränkung der kritischen
Infrastruktur kann die etablierte Versorgung mit Blutkomponenten an ihre
Grenzen stoßen. So müssen wir uns bereits heute mit den
Versorgungsanforderungen außergewöhnlicher Schadenslagen beschäftigen und
die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um über alternative und
weniger störanfällige Wege der Blutbeschaffung im Ernstfall handlungsfähig
zu sein!“, fordert Annecke.

Internationale Erfahrungen belegen Sicherheit und Nutzen

Nach Einschätzung der DIVI sprechen die verfügbaren wissenschaftlichen
Daten sowie die Erfahrungen aus dem Ausland klar für eine durch intensiv-
und transfusionsmedizinische Fachgesellschaften wissenschaftlich
begleitete kontrollierte Einführung von Vollblut in bestimmten Situationen
und ausgewählten Einsatzbereichen. „Insbesondere bei lebensbedrohlichen
Blutungen kann Vollblut wesentliche logistische Vorteile gegenüber der
Versorgung mit Blutkomponenten bieten“, so Fischer. Die Einführung von
Vollblut würde die Resilienz des deutschen Gesundheitssystems bei
unzureichender Versorgung mit Einzelkomponenten stärken. Denn gerade bei
Szenarien mit vielen Verletzten oder eingeschränkter Infrastruktur
benötige man zusätzliche Versorgungsoptionen, die international bereits
erfolgreich etabliert seien.

DIVI fordert jetzt konkrete politische Entscheidungen

Mit ihrem offenen Brief richtet die Fachgesellschaft daher konkrete
Forderungen an die Politik bzw. die zuständigen Behörden. Dazu gehören
insbesondere die rechtssicheren Regelungen für Herstellung, Bevorratung
und Anwendung von kaltgelagertem Vollblut in zivilen Krisenlagen sowie die
Berücksichtigung von Vollblutkonzepten in der Krankenhausalarm- und
Einsatzplanung – auch vor dem Hintergrund einer anzustrebenden
europäischen Harmonisierung und an der Schnittstelle zwischen dem zivilen
und militärischen Bereich.

Darüber hinaus fordert die DIVI die Etablierung wissenschaftlich
begleiteter Pilot- und Modellprogramme zur klinischen Anwendung sowie den
Aufbau eines bundesweiten Registers zur Evaluation von Sicherheit,
Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.

Resilienz entsteht durch geübte Strukturen

„Es ist unser Ziel, für die Einführung eine belastbare logistische
Grundlage zu schaffen und gleichzeitig praktische Erfahrungen für den
Ernstfall zu sammeln“, fasst es DIVI-Präsident Prof. Florian Hoffmann,
Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter
Orden München-Nymphenburg, zusammen. Die DIVI sei gerne bereit, die
Entwicklung entsprechender Konzepte gemeinsam mit
transfusionsmedizinischen Fachgesellschaften, Blutspendediensten, Behörden
und politischen Entscheidungsträgern aktiv zu begleiten.

„Wenn wir die Nutzung von Vollblut an den Schnittstellen zwischen ziviler
und militärischer Versorgung ermöglichen wollen, müssen wir die
regulatorischen Rahmenbedingungen jetzt schaffen und die Anwendung im
Alltag vorbereiten!“, unterstreicht der DIVI-Präsident. Nur so könne
sichergestellt werden, dass das Produkt im Bedarfsfall sicher, effektiv
und flächendeckend eingesetzt werden kann.

„Wir sollten diesen Pfeil im Köcher haben!“

DOWNLOAD:
Stellungnahme der DIVI zur Zulassung von Vollblut: Ein essenzieller
Schritt für die Resilienz in der zivilen Notfall- und Katastrophenmedizin
vom 11. Juni 2026
https://www.divi.de/publikationen/alle-publikationen/stellungnahme-der-
divi-zur-zulassung-von-vollblut-260611/download