Forschung ohne Grenzen: brasilianische Doktorandin arbeitet in Biberach an innovativen intranasalen Impfstoffen
Fast 10.000 Kilometer liegen zwischen der Universität São Paulo und der
Hochschule Biberach. Für ihre Forschung hat Camila Machado França de
Almeida diesen Weg auf sich genommen.
Im Rahmen ihrer Promotion arbeitet sie an innovativen Wirkstoff- und
Impfstofftransportsystemen. In Biberach kann sie diese nun mithilfe eines
speziellen Zellmodells der Atemwegsschleimhaut untersuchen.
Auf Basis einer wissenschaftlichen Publikation entstand so ein gemeinsames
Forschungsprojekt mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Katharina
Schindowski Zimmermann.
Fast 10.000 Kilometer liegen zwischen São Paulo und Biberach – für ihre
Forschung hat Camila Machado França de Almeida diese Distanz gerne in Kauf
genommen. Die Doktorandin der Universität São Paulo wurde bei der Suche
nach internationalen Kooperationspartnern auf eine wissenschaftliche
Publikation der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Katharina Schindowski
Zimmermann an der Hochschule Biberach (HBC) aufmerksam. Aus dem ersten
Kontakt entwickelte sich ein gemeinsames Forschungsprojekt, das von der
brasilianischen Forschungsförderorganisation FAPESP unterstützt wird. Für
ihre Promotion arbeitet die Nachwuchswissenschaftlerin an innovativen
Wirkstoff- und Impfstoffsystemen – hier in Biberach kann sie ihre
bisherigen Forschungen nun im Zellmodell testen.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Nanopartikel – winzige Strukturen, die
tausendfach kleiner sind als die Breite eines menschlichen Haares. Sie
gelten als vielversprechende Werkzeuge der modernen Medizin, da sie
Wirkstoffe gezielt verpacken und so Therapien wirksamer und
nebenwirkungsärmer machen können. An der HBC untersucht die Doktorandin,
wie diese Nanopartikel mit den Zellen der Nasenschleimhaut und der
Atemwege interagieren. Dafür nutzt sie ein spezielles Zellmodell der
Arbeitsgruppe von Prof. Schwindowski Zimmermann, das die natürliche
Schleimhaut der Atemwege inklusive Flimmerhärchen realitätsnah nachbildet.
„Für uns als Entwickler dieses Modells ist das ein sehr guter Praxistest“,
erklärt die Professorin. „Die Frage ist, ob unser System robust genug ist,
um auch in neuen Anwendungsfeldern wie der Impfstoffforschung
reproduzierbare Ergebnisse zu liefern.“ Die Forschung erweitere zugleich
den bisherigen Fokus der Arbeitsgruppe, die bereits die den Transport und
die immunologische Reaktion dieser Zellen auf biopharmazeutische
Substanzen untersucht hat.
Ziel der gemeinsamen Arbeiten ist es herauszufinden, ob sich die
Nanopartikel als Trägersystem für Impfstoffe eignen, die über die Nase
verabreicht werden. Solche intranasalen Impfstoffe gelten insbesondere in
der Kinderheilkunde als vielversprechend, da sie ohne Injektion auskommen
und direkt an einer wichtigen Eintrittspforte für Krankheitserreger
wirken. „Die Nase ist oft der erste Eintrittsweg für Viren und Bakterien“,
erläutert Schwindowski Zimmermann. „Intranasale Impfstoffe nutzen genau
diesen natürlichen Weg und können so eine Immunität dort auslösen, wo sie
am dringendsten gebraucht wird – an den Schleimhäuten.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Verweildauer der
Wirkstoffe. De Almeida untersucht, wie sich die Nanopartikel so optimieren
lassen, dass sie möglichst lange auf der Schleimhaut verbleiben und nicht
durch die Flimmerhärchen zu schnell abtransportiert werden. Dabei
profitiert sie von den Erfahrungen der Biberacher Forschungsgruppe mit
Gel-Partikel-Kombinationen aus früheren Projekten.
Die Brasilianerin betont vor allem den Wert des internationalen
Austauschs: „Die Grundlagen der Wissenschaft sind überall dieselben“, sagt
sie. „Es war eine schöne Erfahrung zu erleben, dass man sich unabhängig
von Herkunft oder Sprache sofort über Forschung austauschen kann.“ Gerade
dieser Wissenstransfer habe ihre Arbeit in Biberach besonders bereichert.
Auch die Forschungsbedingungen in Deutschland hätten sie beeindruckt. Im
Vergleich zu ihrer Heimatuniversität in São Paulo seien Geräte und
Materialien deutlich schneller verfügbar, was die Arbeit im Labor
erleichtere.
Für Schwindowski Zimmermann ist der Forschungsaufenthalt zugleich eine
Bestätigung der internationalen Sichtbarkeit der HBC-Forschung. „Das
bedeutet mir persönlich sehr viel und ist eine internationale Anerkennung
unserer Forschung an der HBC“, sagt sie. Die Kooperation mit der
Universität São Paulo soll zudem langfristig fortgeführt werden: Gemeinsam
mit de Almeidas wissenschaftlicher Betreuerin, Prof. Dr. Fabiana
Vicentini, wurde bereits ein Folgeprojekt beantragt.
Nach ihrer Rückkehr wird die Brasilianerin ihre Doktorarbeit in São Paulo
fortsetzen und die in Biberach gewonnenen Erkenntnisse in ihre weitere
Forschung einfließen lassen. Gleichzeitig möchte sie ihre Erfahrungen mit
Kolleginnen und Kollegen in Brasilien teilen – und damit die
wissenschaftliche Verbindung zwischen beiden Ländern weiter stärken.
