Die Kritische Theorie nach Habermas
Symposium an der Goethe-Universität diskutiert Dringlichkeit seines
Denkens. Das Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-
Universität und der Suhrkamp Verlag laden für den 19. Juni 2026 zu einem
internationalen Symposium in Erinnerung an den im März verstorbenen
Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas ein. Unter dem Titel „Dass
niemand wirklich frei ist, bevor es nicht alle sind“ diskutieren
renommierte Wissenschaftler*innen sein Denken und die Zukunft der
Kritischen Theorie.
An der Veranstaltung wird der hessische Minister für
Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, teilnehmen
und ein Grußwort sprechen. Sie ergänzt die Gedenkfeier in der Paulskirche
am selben Tag, zu der die Stadt Frankfurt in Kooperation mit der Goethe-
Universität und dem Suhrkamp-Verlag einlädt und bei der Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier die Gedenkrede hält.
Gegen Ende seines Lebens sah Jürgen Habermas die Demokratie in einer
tiefen Krise. Ihre Erosion schreite voran, „seitdem die Politik gegenüber
den Märkten mehr oder weniger abgedankt hat“, sagte er in einem seiner
letzten Interviews. Angesichts des Rechtsrucks, des technologischen
Wandels durch Künstliche Intelligenz und der steigenden sozialen
Ungleichheit ist sein Plädoyer für eine auf kommunikativer Vernunft
fußende Demokratie heute dringlicher denn je. Was können wir von seinem
Denken bezüglich der Frage lernen, wie wir uns gegen aktuelle Angriffe auf
die Demokratie und die Menschenwürde wappnen können? Welcher Veränderungen
bedürfte es, um seiner Idee der Emanzipation durch kommunikative Vernunft
gerecht zu werden? Und wohin steuert die Kritische Theorie nach dem
Verlust ihres wichtigsten Denkers? Um Antworten auf diese Fragen zu
finden, diskutieren bei der Veranstaltung
„Dass niemand wirklich frei ist, bevor es nicht alle sind.“
International Symposium in Memory of Jürgen Habermas
am Freitag, den 19. Juni 2026, von 15:00 bis 20:15 Uhr
im Hörsaal 2 des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend
weltweit führende Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen über Habermas’
Theorie der Demokratie sowie seine wichtigsten theoretischen Innovationen
in Philosophie und Soziologie.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt und ist öffentlich.
Der Eintritt ist frei.
Das Symposium umfasst zwei Podiumsdiskussionen sowie eine abschließende
Keynote. Das erste Panel richtet einen gesellschaftskritischen Blick auf
den Aufstieg des Autoritarismus, der Demokratien weltweit bedroht. Darüber
diskutieren die Politikwissenschaftler*innen Simone Chambers und Michael
Zürn mit dem Historiker Peter Gordon. Das zweite Panel widmet sich der
kommunikativen Wende, im Zuge derer Habermas Philosophie und Soziologie
auf neue Bahnen gelenkt hat. Über Bedeutung und Wirkung dieses
Paradigmenwechsels sprechen die politische Philosophin Seyla Benhabib, der
Soziologe Hauke Brunkhorst und die Sozialpsychologin Vera King. Den
Abschluss bildet eine Keynote des Sozialphilosophen Axel Honneth. Unter
dem Titel „Der normative Eigensinn des Anderen. Habermas im Dialog mit
Adorno“ beschäftigt er sich mit der Frage, was das Denken von Habermas und
Theodor W. Adorno eint.
Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von Rainer Forst und
Klaus Günther (beide Goethe-Universität) sowie Peter Niesen (Universität
Hamburg).
Das Programm im Überblick:
15:00 – 15:20 Words of Welcome and Introduction
15:20 – 16:50 Panel „Democracy in Times of Authoritarianism“
Prof. Dr. Simone Chambers (UC Irvine)
Prof. Dr. Peter Gordon (Harvard University)
Prof. Dr. Michael Zürn (Social Science Center Berlin)
Chair: Prof. Dr. Peter Niesen (University of Hamburg)
17:15 – 18:45 Panel „The Communicative Turn in Philosophy and Sociology“
Prof. Dr. Seyla Benhabib (Yale University/Columbia University)
Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Flensburg University)
Prof. Dr. Vera King (Goethe University/Sigmund-Freud Institute)
Chair: Prof. Dr. Klaus Günther (Goethe University)
19:00 – 20:15 Keynote: „Der normative Eigensinn des Anderen. Habermas im
Dialog mit Adorno“ (German language)
Prof. Dr. Axel Honneth (Columbia University)
Chair: Prof. Dr. Rainer Forst (Goethe University)
Details zum Programm: <https://normativeorders.net/v
