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Erschöpfung, Schwindel, Gewichtsverlust – Warum Morbus Addison leicht übersehen wird

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Morbus Addison ist selten, kommt häufig mit unspezifischen Symptomen daher
und wird gerade deshalb oft nicht entdeckt: Auf 1 Million Menschen kommen
etwa 126 Fälle. Bei der Autoimmunerkrankung bilden die Nebennieren zu
wenig lebenswichtige Hormone. Besonders in Belastungssituationen kann das
gefährlich werden und unbehandelt zu lebensbedrohlichen Komplikationen
führen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) machten auf ihrer gemeinsamen Online-
Pressekonferenz in der vergangenen Woche auf das wenig bekannte
Krankheitsbild aufmerksam.



„Wer dauerhaft erschöpft ist, ungewollt Gewicht verliert, niedrigen
Blutdruck hat oder unter Schwindel, Übelkeit und Bauchschmerzen leidet,
sollte auch an Morbus Addison denken“, sagt Privatdozentin Dr. med. Dr.
jur. Birgit Harbeck, Mediensprecherin der DGE. Gerade weil diese
Beschwerden so unspezifisch sind, wird die Erkrankung leicht übersehen.
Für Betroffene kann das riskant werden: Ohne passende Behandlung droht in
Belastungssituationen eine Addison-Krise – ein akuter Hormonmangelzustand,
bei dem der Körper nicht mehr ausreichend mit Cortisol versorgt wird. Das
kann zu schwerem Blutdruckabfall, Kreislaufversagen und im schlimmsten
Fall zu einer lebensbedrohlichen Notfallsituation führen.

Wenn die Nebennieren zu wenig Hormone bilden
Die Nebennieren sind kleine Hormondrüsen oberhalb der Nieren. Sie
produzieren unter anderem Hormone, die den Blutdruck regulieren, den
Stoffwechsel steuern und dem Körper helfen, mit Belastungen umzugehen. Bei
Morbus Addison greift das Immunsystem die Nebennierenrinde an. Dabei
handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung: Der Körper bildet
fälschlicherweise Antikörper gegen eigenes Gewebe. Die Nebennieren können
dadurch nicht mehr ausreichend Hormone herstellen. In westlichen Ländern
ist diese Autoimmunität mit 80 bis 90 Prozent der Fälle die häufigste
Ursache der sogenannten primären Nebenniereninsuffizienz, bei der die
Nebennieren selbst erkrankt sind. Dem Körper fehlen dann gleich mehrere
wichtige Hormone der Klasse der sogenannten Steroidhormone: Aldosteron,
das den Blutdruck mitsteuert, das lebenswichtige Stresshormon Cortisol und
das Androgen DHEA.

Viele Beschwerden, eine seltene Ursache
Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer; das Verhältnis liegt bei
etwa 1,5 zu 1. Die Beschwerden lassen zunächst oft nicht an die
Nebennieren denken. „Typisch sind niedriger Blutdruck mit Schwindel,
Salzhunger, ausgeprägte Schwäche, Müdigkeit, Unterzuckerungen und
Gewichtsverlust”, so Harbeck. „Hinzukommen können Übelkeit, Erbrechen,
Bauchschmerzen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Letztere können zunächst
als rheumatische Beschwerden fehlgedeutet werden. In nahezu allen Fällen
zeigt sich zudem eine verstärkte Pigmentierung der Haut.”

Genau diese Vielfalt macht die Diagnose schwierig: Die Beschwerden passen
auch zu vielen anderen Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, bei der
Kombination aus Erschöpfung, Gewichtsverlust, niedrigem Blutdruck und
wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden auch die Nebennieren mitzudenken.

Diagnose: Nicht mit „Nebennierenschwäche“ verwechseln
Für die Diagnose kann ein früh morgens gemessener Cortisolspiegel
wegweisend sein. In der Regel folgt wegen des schwankenden
Cortisolspiegels im Tagesverlauf ein Stimulationstest, bei dem geprüft
wird, ob die Nebennieren ausreichend Cortisol bilden. Wichtig ist die
Abgrenzung zu der in sozialen Medien häufig genannten
„Nebennierenschwäche“. Diese gehe zwar ebenfalls mit Erschöpfung einher,
die Spiegel der Nebennierenhormone seien dabei in der Regel jedoch normal,
so Harbeck.

Hormone ersetzen, Krisen vermeiden
Die Behandlung ersetzt die ausgefallenen Hormone. Patient*innen erhalten
unter anderem Hydrocortison als Ersatz für das lebenswichtige Stresshormon
Cortisol. Entscheidend ist, dass Betroffene ihre Therapie auch in
Belastungssituationen sicher bedarfsgerecht anpassen können: Bei Stress,
Infekten oder anderen Belastungen müssen sie lernen, die Hydrocortison-
Dosis um das 2- bis 5-fache zu erhöhen. So lässt sich eine potenziell
lebensgefährliche Addison-Krise vermeiden. „Patient*innen brauchen einen
Notfallausweis und eine Notfallmedikation. Auch das Umfeld und die
betreuenden Ärzt*innen müssen wissen, was im Ernstfall zu tun ist“, sagt
die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie aus
Kiel. Bei Erbrechen muss die Hormonersatztherapie als intravenöse Gabe
erfolgen.

Neue Präparate bilden den Tagesrhythmus besser nach
Bewegung gibt es auch in der Therapie: Seit April 2026 steht ein weiteres
Hydrocortisonpräparat mit verzögerter Wirkstofffreisetzung zur Verfügung.
Es soll den natürlichen Cortisolrhythmus – mit höheren Spiegeln am Morgen
und niedrigeren am Abend – besser nachbilden als konventionelles
Hydrocortison. Dieses wirkt nur kurz und kann deshalb zu stärkeren
Schwankungen im Tagesverlauf führen. Erste Daten zeigen Verbesserungen bei
Lebensqualität, Erschöpfung und Immunprofil.

Eine neue Leitlinie zur Nebenniereninsuffizienz, die unter Federführung
der DGE entstanden ist, soll 2026 erscheinen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in der Pressemappe und dem
Mitschnitt der Pressekonferenz unter
https://www.ddg.info/pressekonferenzen/gemeinsame-pressekonferenz-der-
deutschen-diabetes-gesellschaft-e-v-ddg-und-der-deutschen-gesellschaft-
fuer-endokrinologie-e-v-dge-2026
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