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Marsilius-Vorlesung: Medizin und Macht

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Florian Steger über die Politisierung des Gesundheitssystems am Beispiel
der DDR. Über das Verhältnis von Medizin und Macht spricht Prof. Dr. Florian Steger
in der aktuellen Marsilius-Vorlesung. Der Medizinhistoriker von der
Universität Ulm zeigt, wie geschlossene Stationen zur Behandlung von
Geschlechtskrankheiten in der Deutschen Demokratischen Republik zu
Instrumenten staatlicher Disziplinierung wurden und welche Folgen dies für
die dort gegen ihren Willen eingewiesenen jungen Frauen hatte.

Zu dem
Vortrag „Zwischen Ethos und Macht. Politisierte Medizin am Beispiel der
DDR“ lädt das Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg am Montag, 13.
Juli 2026, ein. Die Veranstaltung findet in der Aula der Alten Universität
statt und beginnt um 16 Uhr.

„Die institutionalisierte Medizin läuft immer wieder Gefahr, ihr am Wohl
des Individuums orientiertes Ethos zugunsten politischer Interessen
aufzugeben. Besonders beklemmende Beispiele finden sich in totalitären
Regimen“, betont Prof. Steger. Anhand eines Falls aus der DDR erläutert er
in seinem Vortrag, wie junge Frauen bereits bei bloßem Verdacht auf
Geschlechtskrankheiten oder infolge von Denunziation in sogenannte
Venerologische Stationen eingewiesen wurden. Obwohl meist nachweislich
nicht erkrankt, waren die Betroffenen dort häufig entwürdigenden
medizinischen Maßnahmen und sexualisierter Gewalt durch Ärztinnen, Ärzte
und Pflegepersonal ausgesetzt. Die Einrichtungen waren somit Teil eines
staatlichen Disziplinierungsapparates, wie der Referent betont.

Florian Steger studierte Humanmedizin, Klassische Philologie und
Geschichte an der Universität Würzburg und der Ludwig-Maximilians-
Universität München. Nach seiner Promotion an der Universität Bochum zu
einem medizinhistorischen Thema im Jahr 2002 habilitierte er sich 2008 an
der Universität Erlangen-Nürnberg im Fach Geschichte und Ethik der
Medizin. 2011 folgte er einem Ruf an die Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg. Seit Juli 2016 ist Prof. Steger Direktor des Instituts für
Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm.
Internationale Gastprofessuren führten ihn unter anderem an Universitäten
in Polen, Kroatien und Ungarn.

Das Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg ist darauf ausgerichtet,
Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Wissenschaftskulturen
zusammenzuführen. Es fördert den forschungsbezogenen Dialog zwischen
Geistes-, Rechts- und Sozialwissenschaften einerseits und den Natur-,
Ingenieur- und Lebenswissenschaften andererseits.