Leitlinie zu gestationsbedingten und nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen überarbeitet
Die S2k-Leitlinie „Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte
Trophoblasterkrankungen“ zeigt Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von
Trophoblasterkrankungen auf. Eingegangen wird hierbei auch auf
Sonderfälle, die Patientinnenaufklärung und Immuntherapie.
Berlin, im Juli 2026 – Gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen (GTD)
umfassen eine zytogenetisch und klinisch heterogene Gruppe von
Krankheitsbildern, die durch eine Fehldifferenzierung und/oder
Proliferation des Trophoblastepithels gekennzeichnet sind. Als
Trophoblastepithel wird die äußere Zellschicht der frühen Form eines
Embryos bezeichnet, die sich später zum kindlichen Teil der Plazenta
entwickelt und den Embryo mit Nährstoffen versorgt. Gestationsbedingte
Trophoblasterkrankungen treten in den meisten Fällen als sporadische
Erkrankung auf.
Aufgrund der Seltenheit und der biologischen Heterogenität
gestationsbedingter und nicht-gestationsbedingter Trophoblasterkrankungen
und der damit einhergehenden Unsicherheit bzgl. der optimalen Diagnostik
und der geeigneten Therapieverfahren ist eine Leitlinie zur Verbesserung
der Versorgungsqualität sinnvoll. Die S2k-Leitlinie, die unter
Federführung der DGGG, OEGGG und SGGG erstellt wurde, soll Aufschluss über
die Diagnostik und Therapie von gestationsbedingten und nicht-
gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen geben.
Villöse Formen von gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen
Unterschieden wird zwischen zottenartigen (villösen) und nicht-
zottenartigen (nicht-villösen) GTD, die sowohl gut- als auch bösartige
Erkrankungen einschließen. Darüber hinaus gibt es die Fälle, in denen sich
gutartige zu bösartigen Krankheitsbildern entwickeln.
Die villösen gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen umfassen die
Partial-, die Blasen- sowie die invasive Mole. Partial- und Blasenmole
zählen dabei zu den häufigsten GTD-Formen, die abnorme
Schwangerschaftsprodukte repräsentieren. Sie weisen besondere chromosomale
Charakteristika infolge einer Befruchtungsstörung auf.
„Partialmolen sollen genauso wie Blasenmolen mit einer vollständigen
Entleerung von Trophoblastmaterial aus der Gebärmutterhöhle therapiert
werden. Anhand von wöchentlichen Kontrollen der hCG-Werte sollen
anhaltende GTD ausgeschlossen werden. Sollten anhaltende GTD bestehen,
können je nach Diagnostik unter anderem Re-Kürettagen, Hysterektomien,
prophylaktische Chemotherapien oder Bildgebungsverfahren, wie z.B. ein CT
des Thorax und Abdomens, eine Transvaginalsonographie oder ein MRT des
Gehirns in Betracht gezogen werden.“
- Prof. Dr. med. Lars Christian Horn, Leitlinienkoordinator,
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Leipzig
Invasive Molen weisen anhaltende oder ansteigende hCG-Werte auf und sind
durch Vaginalsonographie nachweisbar. Bei Feststellung einer invasiven
Mole soll eine Chemotherapie durchgeführt werden, auf diese kann nach
einer Hysterektomie oder in einer low-risk-Situation verzichtet werden.
Auch hier sollen wöchentliche hCG-Kontrollen durchgeführt werden.
Neben diesen Ausführungen gehen die Leitlinienautorinnen und -autoren auf
„immunhistochemische und molekularpathologische Zusatzuntersuchungen
villöser GTD“ ein.
Nicht-villöse Formen von gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen
Die nicht-villösen GTD umfassen eine Reihe von Trophoblasterkrankungen,
deren
Diagnostik nicht mit dem Nachweis fehldifferenzierter Chorionzotten
einhergeht. Zu dieser Form der GTD zählen der Plazentabettknoten (PSN),
die hyperplastische Implantationsstelle (EPS), das Chorionkarzinom, der
Plazentabett-Tumor (PSTT) und der epitheloide Trophoblasttumor (ETT).
Der Plazentabettknoten wird mit dysfunktionellen Blutungen assoziiert und
kann im Zusammenhang mit Abruptiones, Aborten, extrauterinen
Schwangerschaften, Terminschwangerschaften auftreten oder auch bei
postmenopausalen Frauen auftreten. Sie wird in der Regel mit einer Abrasio
therapiert. Hyperplastische Implantationsstellen sind Zufallsbefunde und
können nach Geburten, Aborten, Abruptiones oder extrauterinen
Schwangerschaften vorkommen. Unter Umständen kann das Auftreten auch in
Verbindung mit einer Blasenmole stehen. Bei einer isolierten
hyperplastischen Implantationsstelle ohne Blasenmole solle eine
Chemotherapie nicht erfolgen. Wird eine Kombination mit einer Partialmole
oder Blasenmole festgestellt, soll die Nachsorge entsprechend der Partial-
bzw. Blasenmole erfolgen.
Der Plazentabett-Tumor ist eine Erkrankung des Reproduktionsalters mit
einer Streubreite von 19 bis 62 Jahren. Symptome sind hierbei das
Ausbleiben der Menstruation oder azyklische Blutungen. Die empfohlene
Therapie ist eine Hysterektomie. Vor der Entscheidung für eine
Hysterektomie soll eine pathologische Zweitmeinung eingeholt werden.
Patientinnen mit einem epitheloiden Trophoblasttumor befinden sich im
reproduktiven Alter und sehen sich häufig mit dysfunktionalen Blutungen
mit Tumornachweis im vergrößerten Uterus konfrontiert. Die Therapie der
Wahl soll auch hier eine Hysterektomie sein. Im Falle von Metastasen wird
eine Polychemotherapie empfohlen.
Nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen
„Bei nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen (NGTD) kann es sich
um Chorionkarzinome des Ovars als eine seltene Variante reiner oder
mischdifferenzierter Keimzelltumore handeln. Im Rahmen von Adenokarzinomen
und Karzinosarkomen des Endometriums sind seltene Fälle mit einer
trophoblastären Differenzierung in Form eines Chorionkarzinoms oder eines
PSTT beschrieben worden.“
- Prof. Dr. med. Ingolf Juhasz-Boess, Leitlinienkoordinator,
Universitäts-Frauenklinik Freiburg
NGTD können auch im Rahmen von Urothelkarzinomen mit trophoblastärer
Differenzierung vorkommen während primär trophoblastär differenzierte
Tumoren anderer Lokalisation extrem selten sind. Laut in der Leitlinie
aufgeschlüsselten Einzelfallberichten wurde die Therapie an die Verortung
des Karzinoms und der Histologie ausgerichtet.
Schwangerschaft nach gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen
Auch die Schwangerschaft nach GTD ist ein Thema, welches in der Leitlinie
angesprochen wird.
„Schwangerschaften nach GTD sind möglich und nicht mit einer ungünstigen
mütterlichen, fetalen oder neonatalen Prognose assoziiert. Zu beachten ist
jedoch das Wiederholungsrisiko der GTD. Die Lebendgeburtenrate von Frauen
mit GTD beträgt 75%, die Rate an kongenitalen Fehlbildungen ist nicht
erhöht (1,8%), eventuell besteht jedoch ein geringgradig erhöhtes Risiko
für intrauterinen Fruchttod.“
- Prof. Dr. med. Clemens Tempfer, MBA, Leitlinienkoordinator,
Klinik für Frauenheilkunde,
Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
In den Ausführungen wird hinsichtlich der Schwangerschafts- und
Geburtsergebnisse auf das Abortrisiko und wiederholte
Molenschwangerschaften eingegangen. Die Auswirkung von Chemotherapien auf
die Fertilität wurde ebenso berücksichtigt.
Weiterhin werden in der Leitlinie Sonderfälle, das Vorgehen bei
Hirnmetastasen und die operative Therapie von nicht-villösen Formen
angesprochen. Eingegangen wird darüber hinaus auf die
Patientinnenaufklärung, Sonderfälle und die Immuntherapie.
Leitlinien sind Handlungsempfehlungen. Sie sind rechtlich nicht bindend
und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.
