Zum Hauptinhalt springen

Bayerischer Energiepreis 2026 für die Projekte BDL und BDL Next: Bidirektionales Laden als Baustein der Energiewende

Pin It

Der Bayerische Energiepreis 2026 in der Kategorie
„Innovative Infrastrukturprojekte“ geht an die FfE sowie ihre
Projektpartner BMW, Bayernwerk Netz und die Universität Passau für ihre
gemeinsamen Arbeiten zum bidirektionalen Laden.+++ Auszeichnung
herausragender Innovationsprojekte im Energiebereich durch Bayerns
Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger zeichnete am
vergangenen Abend im Bergson Kunstkraftwerk herausragende
Innovationsprojekte im Energiebereich mit dem Bayerischen Energiepreis
aus. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) freut sich gemeinsam
mit ihren bayerischen Projektpartnern BMW Group, Bayernwerk Netz GmbH und
der Universität Passau über die Auszeichnung in der Kategorie „Innovative
Infrastrukturprojekte“. Gewürdigt wurden die Projekte Bidirektionales
Lademanagement (BDL) und dessen Nachfolgeprojekt BDL Next, die zeigen, wie
Elektrofahrzeuge als flexible, dezentrale Stromspeicher zur Integration
erneuerbarer Energien sowie zur Stabilität und Effizienz des
Energiesystems beitragen können.

Die Preisverleihung machte zugleich deutlich, dass die in den Projekten
entwickelten Lösungen inzwischen den Weg in den Markt gefunden haben. So
wurde im Rahmen der Veranstaltung auch die Serienkooperation von BMW und
E.ON ausgezeichnet, die mit dem ersten kommerziell verfügbaren Vehicle-to-
Grid-Angebot in Deutschland die praktische Anwendung der Projektergebnisse
ermöglicht. Der Bayerische Energiepreis würdigt damit sowohl die
Forschungs- und Entwicklungsarbeit als auch deren erfolgreiche Überführung
in ein marktfähiges Kundenangebot.

Das vielfältige Potenzial bidirektionaler Elektrofahrzeuge für das
Energiesystem
Bereits heute befinden sich über 100 GWh Batteriespeicherkapazität in
Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen. Das entspricht der
zweieinhalbfachen Kapazität aller deutschen Pumpspeicherkraftwerke. Ein
enormes Potenzial, das bislang weitgehend ungenutzt bleibt. Genau hier
setzen die Projekte BDL und BDL Next an, indem Elektrofahrzeuge nicht nur
als Stromverbraucher, sondern als flexible, dezentrale Speicher in das
Energiesystem integriert werden. Damit leisten sie einen Beitrag zur
Systemstabilität und zur wirtschaftlichen Optimierung des Stromsystems.

Im Rahmen der Projekte wurden drei energiewirtschaftlich relevante
Anwendungsfälle erfolgreich im Feldversuch demonstriert:

- Vehicle-to-Home (V2H): Überschüssiger Solarstrom aus der eigenen
Photovoltaikanlage wird in der Fahrzeugbatterie gespeichert und später zur
Versorgung des Haushalts genutzt.
- Vehicle-to-Business (V2B): Durch die gezielte Entladung von
Fahrzeugbatterien während Lastspitzen lassen sich hohe Leistungspreise
vermeiden. Dadurch entstehen insbesondere für Flottenbetreiber und
Gewerbekunden wirtschaftliche Vorteile.
- Vehicle-to-Grid (V2G): Fahrzeugflotten stellen dem Stromsystem
Flexibilität zur Verfügung, können Energiemengen am Strommarkt vermarkten
und dazu beitragen, Preisspitzen zu reduzieren. Gleichzeitig ergeben sich
zusätzliche Erlösmöglichkeiten für Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter.

Von der Forschungsidee zum Serienfahrzeug
Der BMW i3 im Projekt BDL war noch ein aufwendig umgerüstetes
Forschungsfahrzeug. Heute können Kundinnen und Kunden Fahrzeuge der BMW
Neuen Klasse mit bidirektionaler Ladefähigkeit und einem passenden V2G-
Stromtarif bestellen. Damit ist der Schritt vom Labor in den Alltag
gelungen. BDL und BDL Next haben diesen Übergang maßgeblich vorbereitet.
In den Projekten wurden die sichere und standardisierte Kommunikation
zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur auf Basis der Norm ISO 15118-20
entwickelt, erprobt und bis zur Marktreife gebracht. Damit entstand eine
wesentliche Grundlage für die kommerzielle Einführung des bidirektionalen
Ladens.

Bidirektionales Laden basiert damit auf internationalen Standards statt
auf proprietären Insellösungen. Die Kommunikation endet nicht an der
Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Wallbox, sondern wird über OCPP zum
Bündeln der Fahrzeuge in einem Virtuellen Kraftwerk und den EEBUS-Standard
auch auf Heimenergiemanagementsysteme, Wärmepumpen und stationäre Speicher
ausgeweitet. Dadurch können Energieressourcen auf Gebäudeebene intelligent
koordiniert und optimiert werden.

Im Projekt BDL Next werden die Skalierbarkeit und Praxistauglichkeit der
entwickelten Standards unter Realbedingungen untersucht. Dazu testen 20
Kundinnen und Kunden die bidirektionale Ladefähigkeit mit Fahrzeugen der
BMW Neuen Klasse. Erstmals wird dabei auch das Zusammenspiel von V2G und
V2H im Alltag evaluiert.
Aufbauend auf den Erkenntnissen des ersten Pilotbetriebs wurden zudem
Hardware und Regelungsalgorithmen gezielt weiterentwickelt. Dies führte zu
einer deutlichen Steigerung der Effizienz und Praxistauglichkeit der
Technologie.

Auf Grundlage der Projektarbeiten entstand zudem der erste kommerziell
verfügbare V2G-Stromtarif in Deutschland. Kundinnen und Kunden erhalten
für jede Stunde, in der ihr Fahrzeug für netzdienliche Anwendungen zur
Verfügung steht, eine feste Vergütung – unabhängig von kurzfristigen
Preisschwankungen am Strommarkt. Dadurch sind jährliche Bonuszahlungen von
bis zu 720 Euro möglich. Auch wenn bei der Preisverleihung in München die
bayerischen Projektpartner im Mittelpunkt standen, steht hinter dem Erfolg
von BDL und BDL Next die Arbeit eines starken Konsortiums.

Unser Dank gilt allen Konsortialpartnern, die BDL und BDL Next über viele
Jahre hinweg mit ihrer Expertise, ihrem Engagement und ihrer engen
Zusammenarbeit begleitet haben. Die Auszeichnung ist das Ergebnis dieser
gemeinsamen Leistung.