Studierende erforschen die Gesundheitskompetenz Jugendlicher
Ein zwölfköpfiges Team von Studierenden aus dem dem Studiengang BWL-
International Business an der DHBW Ravensburg hat im Rahmen eines
Integrationsseminars unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Dobbelstein
eine bundesweite Studie zur Gesundheitskompetenz von Jugendlichen zwischen
16 und 18 Jahren durchgeführt.
Die Studie fragte unter anderem nach dem Anreiz von Jugendlichen, sich mit
dem Thema Gesundheit zu beschäftigen. Hohe Werte ergab dies für die Themen
mentale Gesundheit, gesünder aussehen sowie Freunde und Familie schützen.
Was sie davon abhält ist besonders die fehlende Zeit dafür sowie die Frage
nach der Verständlichkeit und der Verlässlichkeit der Informationen. Rund
64% der Befragten signalisierten aber ein hohes Interesse an einer
jugendgerechten digitalen Plattform. Neun von zehn der Jugendlichen würden
ein Schulfach Gesundheit befürworten. Bei einer Messung der
Gesundheitskompetenz ergab die Kompetenz von Jugendlichen einen deutlich
höheren Wert als die von Erwachsenen und von der Gesamtbevölkerung.
Die Idee und fachliche Anregung für die Studie kamen von Prof. Dr. med.
Hans Joachim von Büdingen und Dipl.-Verw. Wiss. Ulrich Kerle von der
Deutschen Schlaganfallbegleitung (DSB) gGmbH. Gesponsert wurde die
Erhebung vom Förderverein gegen den Schlaganfall e.V.
Das Thema ist von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung: Herz-
Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt zählen weltweit zu
den häufigsten Todesursachen und hängen in vielen Fällen mit
beeinflussbaren Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung
oder Bluthochdruck zusammen. Entscheidend ist dabei die sogenannte
Gesundheitskompetenz: die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden,
zu verstehen, zu bewerten und im Alltag anzuwenden.
Für Jugendliche ist diese Kompetenz besonders relevant. Sie wachsen in
einer Welt auf, in der Gesundheitsinformationen jederzeit über soziale
Medien, Suchmaschinen und unzählige andere Quellen verfügbar sind, seriöse
und unseriöse gleichermaßen. Wer Warnzeichen richtig deutet, medizinische
Informationen einordnen und verlässliche von fragwürdigen Quellen
unterscheiden kann, trifft bessere Entscheidungen für die eigene
Gesundheit. Genau in dieser Lebensphase werden zudem viele Gewohnheiten
geprägt, die sich später auf das gesamte Erwachsenenleben auswirken.
Gesundheitskompetenz im Jugendalter ist damit ein zentraler Baustein für
langfristige Prävention. Wer früh lernt, fundierte Entscheidungen zu
treffen, kann ein Leben lang davon profitieren.
Bislang gab es jedoch kaum belastbare Daten darüber, wie es um diese
Kompetenz bei jungen Menschen in Deutschland tatsächlich bestellt ist.
Genau diese Lücke schließt das Projekt.
Über mehrere Monate hinweg konzipierten die Studierenden eine vollständige
empirische Untersuchung: von der Stichprobenberechnung über die Auswahl
eines professionellen Panel-Anbieters bis zur statistischen Auswertung.
Befragt wurden bundesweit Jugendliche der Altersgruppe 16 bis 18; nach
gründlicher Datenprüfung umfasste die finale Stichprobe rund 1.465
Personen. Zur Messung kam mit dem international anerkannten HLS19-Q12 ein
für Jugendliche angepasstes Instrument des WHO Action Network M-POHL zum
Einsatz. Erstmals liegen damit repräsentative Daten für diese Altersgruppe
in Deutschland vor.
Für die Studierenden war das Seminar weit mehr als eine akademische Übung:
Sie durchliefen den gesamten Forschungsprozess und leiteten aus ihren
Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen ab. Dazu zählen eine stärkere
emotionale und alltagsnahe Gesundheitsansprache, die Einführung eines
Schulfachs „Gesundheit und Krankheit“, idealerweise in den Klassen 7 bis 9
und mit Schwerpunkten wie psychische Gesundheit, Ernährung und Erste
Hilfe, gezielte niedrigschwellige Angebote für besonders förderbedürftige
Gruppen sowie die Entwicklung einer jugendgerechten digitalen
Gesundheitsplattform.
Beteiligt an der Studie waren: Alina Röck, Clara Vogel, Emelie Düll, Emily
Meßmer, Fabienne Fiderer, Dimitri Fischer, Jonathan Ruschka, Carolina
Kullmann, Oliver Leuter, Nicolas Dreher, Kristina Urena und Mika
Ramsbacher (BWL- International Business, Kurs WIB123). Seminarleitung:
Prof. Dr. Thomas Dobbelstein.
