Äthiopienvorhaben „ETH-Soil“ schafft Resilienz und ökonomische Anreize durch zukunftsfähige Düngemittelproduktion
Pflanzenkohlebasierte Düngemittel unterstützen Klima, Umwelt und
Bodengesundheit. Das vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ)
koordinierte Vorhaben „ETH-Soil“ trägt mit transformativer Forschung zum
Aufbau eines sektoralen Innovationssystems für organische Düngemittel in
Äthiopien bei. Nach fünf Jahren Laufzeit erhalten äthiopische
Kleinstbäuer:innen nun erstmals eine finanzielle Vergütung aus der
Kohlenstoffsenken-Zertifizieru
Beispiel für Resilienz, Autonomie und ökonomischen Fortschritt vor dem
Hintergrund wiederkehrender Krisen und Lieferkettenschocks wie zuletzt
ausgelöst durch die Konflikte am Schwarzen Meer und in der Golf-Region.
Äthiopiens Landwirtschaft ist seit Jahrzehnten auf die Einbringung
importierter synthetischer Düngemittel ausgerichtet. Signifikante
Veränderungen wurden in der Region Oromia erst seit der russischen
Aggression gegen die Ukraine entschlossen angegangen. Insbesondere die mit
deutscher Förderung implementierten Praktiken des integrierten
Bodenfruchtbarkeitsmanagement haben demonstriert, dass Gründüngung und
Wurmkompostierung organischer Abfälle ganzjährig möglich sind.
Pflanzenkohlen ersetzen nun teuren Kalk im Hochland, halten die Nährstoffe
trotz intensiver Regenperioden im Boden und befördern Humusaufbau. Die
Erfolge des vom DBFZ koordinierten und vom Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten
Vorhabens unterstützen vor diesem Hintergrund eine nationale Hinwendung
zur Kreislaufführung von Nährstoffen durch die inländische Produktion
organischer Düngemittel aus Reststoffen und sorgen für mehr Autonomie
sowie Resilienz der kleinbäuerlichen Agrarstrukturen und
Nahrungsmittelproduktion. Mit den ermutigenden Projektergebnissen hat die
Regionalregierung Oromia im Jahr 2025 begonnen, die Techniken zur
Herstellung und Anwendung von pflanzenkohlebasierten Düngemitteln (PbD)
auch in anderen deutschen, europäischen oder Weltbankfinanzierten
Projekten zur Bodenfruchtbarkeit zum Einsatz zu bringen.
Aktuell werden die Anteile aus dem ersten Verkauf von Kohlenstoffsenken-
Zertifikaten in Äthiopien an die knapp 300 beteiligten Kleinbäuerinnen und
-bauern ausgezahlt. Für die 2025 realisierten Kohlenstoffsenken erhalten
diese durchschnittlich 1700 ETB (Äthiopischer Birr), was in etwa einem
Drittel des Monatsgehalts einer ungelernten Person entspricht. Die Kosten
von Schulungen sowie der genauen Erfassung, Qualitätskontrolle und
Auditierung werden ebenfalls aus Erlösen des Artisan C-Sink-
Zertifikatsverkaufs gedeckt. Der Großteil (mind. 60 %) geht jedoch an die
beteiligten Kleinbauern und -bäuerinnen. Sie leisten mit
Kohlenstoffsequestrierung im Boden einen wesentlichen Klimaschutzbeitrag.
Aus einzelbetrieblicher Perspektive addieren sich diese Zahlungen zu den
landwirtschaftlichen Ertragszuwächsen und den eingesparten Kosten des
Einsatzes von Kunstdünger in überzeugender Weise.
Laut den am Vorhaben beteiligten Wissenschaftler:innen in Deutschland und
Äthiopien können PbD synthetischen Dünger hinsichtlich der Ernteerträge
mindestens gut ersetzen. In den Pilotregionen von ETH-Soil wurden auf
stark degradierten Flächen (insgesamt ca. 31 ha) im Vergleich zum
herkömmlichen Einsatz von Kunstdünger Ertragszuwächse zwischen 11 bis 30 %
bei den etablierten Getreidesorten (Weizen, Gerste, Mais, Teff) sowie von
9 bis 68 % bei Bohnen und Kartoffeln realisiert. Auf versauerten Böden
(pH-Werte um 5 im Landkreis Kofele) ist eine deutliche Verbesserung des
Boden-pH-Werte (auf 5.8 bis 5.9) auf den Kalkungseffekt der basischen
Pflanzenkohlen zurückzuführen. Humusaufbau (Bodenkohlenstoffgehalt) und
verbesserte Phosphatverfügbarkeit gehen demgegenüber auf die poröse
Struktur von Pflanzenkohlen zurück. Schwammartig hält dieses Material
Nährstoffe fest, wo sie ansonsten durch enorme Niederschlagsmengen
ausgewaschen werden.
Weitere Informationen: www.eth-soil.com
