Gekommen, um zu bleiben: Wissenschaftsrat bestätigt private Hochschulen als festen Bestandteil der Hochschullandschaft
Fast 400.000 Studierende zählen die 116 Privaten
Hochschulen in Deutschland aktuell. Diese und viele weitere Kennzahlen
veranlassten den Wissenschaftsrat in seiner neuen Studie zu dem klaren
Befund, dass Private Hochschulen in der Bildungslandschaft hierzulande
fest etabliert sind. Sie qualifizieren Fachkräfte, eröffnen neue
Bildungswege und erreichen Zielgruppen, für die akademische Bildung lange
keine Selbstverständlichkeit war. Die aus der Studie resultierenden
Empfehlungen des WR begrüßt der Verband der Privaten Hochschulen e. V.
(VPH) und fasst sie als Auftrag auf, den eingeschlagenen Weg konsequent
weiterzugehen.
Jeder achte Studierende in Deutschland entscheidet sich heute für ein
Studium an einer Hochschule in privater Trägerschaft, die einen Anteil von
27 Prozent aller Hochschulen in Deutschland ausmachen. Diese Zahlen führt
der Wissenschaftsrat (WR) in seinen kürzlich veröffentlichten Empfehlungen
zur Weiterentwicklung des privaten Hochschulsektors auf und würdigt
private Hochschulen als festen Bestandteil der deutschen
Hochschullandschaft. Der Verband der Privaten Hochschulen e. V. (VPH) hat
diese Analyse interessiert aufgenommen und versteht die Empfehlungen als
Ansporn, den erfolgreichen Weg konsequent weiterzugehen.
„Private Hochschulen müssen heute niemandem mehr erklären, warum es sie
gibt. Die entscheidende Frage lautet längst, welchen Beitrag wir gemeinsam
für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft leisten können", sagt Ulrich
Freitag, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Hochschulen. „Die
Empfehlungen des Wissenschaftsrates machen sehr deutlich, dass private
Hochschulen heute mehr denn je Verantwortung übernehmen. Verantwortung für
Fachkräfte, Innovationen und für Menschen, deren Bildungsweg früher oft
gar nicht mit einem Studium verbunden gewesen wäre“, ergänzt der
Vorstandsvorsitzende des VPH, Prof. Dr. Ottmar Schneck.
Die jungen Wilden werden erwachsen
Und „früher“ ist ein gutes Stichwort. Denn wo Private Hochschulen vor 30
Jahren noch eine Art Nischenprodukt waren, sind sie heute längst keine
Randerscheinung mehr. Zwischen 2015 und 2024 hat sich die Zahl der
Studierenden an privaten Hochschulen nahezu verdoppelt. Während die
Studierendenzahlen im staatlichen Hochschulsektor zuletzt leicht
rückläufig waren, wächst die Nachfrage nach privaten Studienangeboten
weiter.
Für den VPH spiegelt diese Entwicklung einen grundlegenden Wandel wider.
Menschen studieren heute berufsbegleitend, digital, familienfreundlich
oder später im Leben. Private Hochschulen haben diese Veränderungen früh
erkannt, passende Bildungsangebote geschaffen und sind kontinuierlich
dabei, diese dynamisch weiter auszubauen.
Fast jeder dritte HAW-Studierende lernt heute privat
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung an den Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften. Denn dort machen HAW-Studierenden in privater
Trägerschaft ganze 32 Prozent aus. Vor allem in den Wirtschafts-, Sozial-
und Gesundheitswissenschaften leisten private Hochschulen einen wichtigen
Beitrag zur akademischen Fachkräftequalifizierung. Gleichzeitig entlasten
sie durch die Schaffung zusätzlicher Studienplätze die Länder und eröffnen
Bildungswege für Menschen, die an staatlichen Hochschulen bislang häufig
unterrepräsentiert waren, wie beispielsweise Berufstätige, beruflich
Qualifizierte oder Studierende ohne akademischen Familienhintergrund.
„Private Hochschulen verstehen sich nicht als Gegenentwurf zum staatlichen
Hochschulsystem", betont Freitag. „Vielmehr erfüllen wir mit
unterschiedlichen Profilen, Zielgruppen und Stärken einen gemeinsamen
Bildungsauftrag. Und genau diese Vielfalt macht das deutsche
Hochschulsystem leistungsfähig."
Viva la Vielfalt
Ein Punkt, den auch der Wissenschaftsrat aufgreift. Er beschreibt den
privaten Hochschulsektor in seiner Studie als heterogen und diese
Eigenschaft versteht der VPH als eine seiner größten Stärken. Mit seinen
Fernhochschulen, spezialisierten Hochschulen für Gesundheit, Business
Schools, Hochschulen mit internationaler Ausrichtung oder
forschungsstarken Universitäten mit Promotionsrecht erweitern all unsere
(Bildungs-)Einrichtungen gemeinsam die Möglichkeiten akademischer Bildung.
Vielfalt ist deshalb weit mehr als ein Strukturmerkmal. Sie beschreibt ein
Erfolgsmodell für ein modernes Hochschulsystem.
Erfolg verpflichtet
Der Wissenschaftsrat verbindet seine positive Standortbestimmung mit
klaren Erwartungen. Forschung, wissenschaftliche Vernetzung,
Transferleistungen sowie langfristig tragfähige Strukturen sollen weiter
gestärkt werden. Für den VPH sind diese Empfehlungen Ausdruck eines
gewachsenen Anspruchs an einen Hochschulsektor, der längst Verantwortung
übernimmt.
„Wer eine bedeutende Rolle im Wissenschaftssystem einnimmt, muss bereit
sein, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln", sagt VPH
Vorstandsvorsitzender Schneck. „Viele unserer Mitgliedshochschulen
investieren seit Jahren gezielt in Forschung, Qualitätssicherung und
internationale Kooperationen. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates
verstehen wir deshalb nicht als Gegenposition, sondern als gemeinsame
Agenda für die Zukunft."
Gemeinsam Zukunft gestalten
Von den 116 privaten Hochschulen in Deutschland sind 87 Mitglied im
Verband der Privaten Hochschulen e. V. Gemeinsam repräsentieren sie den
überwiegenden Teil des privaten Hochschulsektors.
Der VPH unterstützt das Ziel des Wissenschaftsrates ausdrücklich, private
und staatliche Hochschulen noch stärker miteinander zu vernetzen.
Wissenschaft lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven,
gemeinsamer Forschung und einem offenen Wettbewerb um die besten Ideen.
„Die Frage lautet heute nicht mehr, ob private Hochschulen ihren Platz im
deutschen Hochschulsystem haben", so Freitag abschließend. „Die
entscheidende Frage lautet, wie wir gemeinsam die Hochschulbildung von
morgen gestalten. Genau dafür liefert der Wissenschaftsrat wertvolle
Impulse."
Und diese Impulse werden wir selbstverständlich in unsere Arbeit und den
Austausch mit unseren Mitgliedshochschulen aufnehmen. Denn unser
gemeinsamer Auftrag ist klar. Wir ermöglichen dort akademische Bildung, wo
sie Menschen neue Perspektiven eröffnet.
