Zum Hauptinhalt springen

Gründer-Mindset entscheidet, ob Start-ups Krisen überstehen

Pin It

Ob junge Unternehmen eine Krise überstehen, hängt nicht nur von ihrer
finanziellen Lage oder ihrer Branche ab. Auch die Persönlichkeit der
Gründer/innen spielt eine entscheidende Rolle. Eine aktuelle Studie des
ZEW Mannheim und der Technischen Universität München zeigt: Risikobereite
Gründer/innen setzen in Krisenzeiten häufiger auf operative Innovationen
und risikoaverse Gründer/innen setzen auf finanzielle Einsparungen.
Positiv mit innovativen Krisenreaktionen verbunden sind zudem Offenheit,
Hochschulbildung und Migrationserfahrung. Weniger innovativ reagieren
verträgliche Gründer/innen. Grundlage der Studie sind Daten von 1.408
jungen Unternehmen in Deutschland.

„In Krisen müssen Unternehmen häufig unter hohem Zeitdruck und großer
Unsicherheit weitreichende Entscheidungen treffen. Unsere Ergebnisse
zeigen, dass Unternehmen auf den gleichen externen Schock sehr
unterschiedlich reagieren und dass diese Unterschiede auch mit den
Eigenschaften der Führungskräfte zusammenhängen“, erklärt Prof. Dr. Hanna
Hottenrott, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und
Unternehmensdynamik“ und Professorin an der Technischen Universität
München.

„Für die Politik bedeutet das: Ein und dieselbe politische
Unterstützungsmaßnahme kann sich je nach Anpassungsfähigkeit und
Innovationsbereitschaft der Unternehmensleitung unterschiedlich auswirken.
Diese Unterschiede sollten bei der Ausgestaltung von Hilfsmaßnahmen
stärker berücksichtigt werden“, ergänzt Dr. Eline Schoonjans,
Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und
Unternehmensdynamik“.

Risikobereitschaft fördert schnelle Innovationen

Anstatt Arbeitszeiten zu reduzieren oder andere Einschnitte vorzunehmen,
passen risikobereite Gründer/innen bestehende Prozesse oder Produkte an,
verändern Vertriebswege oder digitalisieren Arbeitsabläufe. Solche
Maßnahmen müssen häufig schnell umgesetzt werden, um auf Lieferengpässe,
Nachfrageeinbrüche oder veränderte Arbeitsbedingungen zu reagieren.
Risikoaverse Gründer/innen sparen eher finanziell ein. Diese Strategien
beeinflussen die Anpassung an Krisensituationen und die
Innovationsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig.

Migrationserfahrung und Offenheit stärken Strategiewechsel

Gründer/innen mit einer hohen Offenheit für neue Erfahrungen setzen in der
Krise häufiger auf strategische Innovationen. Sie verändern etwa ihre
Innovationsstrategie, erschließen andere geografische Märkte oder passen
die Unternehmensziele an. Auch Gründer/innen mit Migrationserfahrung
verfolgen häufiger solche grundlegenden Veränderungen – insbesondere, wenn
sie aus unternehmerischen Motiven gründen, wie einer konkreten
Geschäftsidee, dem Wunsch nach Selbstbestimmung oder einem höheren
Einkommen.

Über die Methodik

Für die Studie wurden Daten von 1.408 Unternehmen im IAB/ZEW-
Gründungspanel ausgewertet, die zwischen 2012 und 2019 in Deutschland
gegründet wurden. Die Persönlichkeitsmerkmale der Gründer/innen wurden
anhand der sogenannten Big Five Persönlichkeitsdimensionen – Offenheit,
Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale
Stabilität – sowie ihrer Risikobereitschaft erfasst. Im Mai und Oktober
2020 wurden die Unternehmen zu ihren Reaktionen auf die Corona-Krise
befragt. Dabei wurde zwischen fünf Krisenstrategien unterschieden:
Rückzug, Durchhalten, operative Innovation, strategische Innovation und
Unternehmensausstieg. Mithilfe eines statistischen Modells wurde
untersucht, wie die persönlichen Merkmale und Erfahrungen der
Gründer/innen mit diesen gleichzeitig möglichen Krisenreaktionen
zusammenhängen.