Neues Social Start-up entsteht aus Projekten der Universität Vechta und stärkt digitale Teilhabe
Wie lässt sich universitäre Forschung sowie deren Mehrwert für Ehrenamt
und Altenpflege dauerhaft in der Praxis verankern? Die Antwort des
Studiengangs Management Sozialer Dienstleistungen (MSD) der Universität
Vechta lautet: durch die Gründung eines eigenen Social Start-ups. Aus dem
erfolgreichen, drittmittelgeförderten Forschungsprojekt „ViVerA“, das
digitale Ehrenamtsformate zur Bekämpfung von Einsamkeit in der Altenpflege
etablierte, ist die gemeinnützige Intergenerational & Digital Engagiert
gGmbH (kurz: IDE gGmbH) hervorgegangen. Wie lebendig diese Partnerschaft
fortgeführt wird, zeigte jüngst das innovative Projekt „BrickLab“ in der
Universitätsbibliothek Vechta.
Das Projekt „ViVerA – Virtuelle Veranstaltungen in
Altenpflegeeinrichtungen“ konnte in seiner Förderphase bis Ende 2025
eindrucksvolle Erfolge vorweisen: Über 1.000 Freiwillige wurden
mobilisiert, um bundesweit rund 1.080 virtuelle Veranstaltungen für
Senioren in Pflegeeinrichtungen durchzuführen. Um solche etablierten
Formate – darunter interaktive Quizrunden und Digital Cafés zur
Technikvermittlung – langfristig und über Förderperioden hinweg zu
sichern, suchten die Initiatoren nach einer nachhaltigen Lösung.
Im Januar 2026 gründeten die MSD-Akteure Dr. Bernd Josef Leisen, Dr. Devin
Kwasniok und Dr. Maximilian Hiller schließlich die IDE gGmbH. Das
gemeinnützige Social Start-up agiert rechtlich unabhängig, bleibt der
Universität und dem Studiengang MSD jedoch eng verbunden. Im Fokus steht
die Förderung der digitalen Teilhabe und der digitale Kompetenzaufbau in
der Senioren-, Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe. Das Start-up
entwickelt niedrigschwellige Formate, schult Freiwillige sowie
Pflegekräfte und unterstützt Einrichtungen bei der technischen
Ausstattung.
Die Kooperation zwischen der IDE gGmbH und der MSD-Arbeitsgruppe von
Professorin Dr. Vanessa Mertins an der Universität Vechta bildet einen
synergetischen Kreislauf: Die IDE gGmbH stellt die erprobten Formate
bereit, baut Freiwilligenteams auf und rüstet Einrichtungen technisch aus.
Gefördert durch die Stiftung Eheleute Taphorn realisiert das Start-up
aktuell virtuelle Angebote in Caritas-Einrichtungen. Diesen Zugang zur
Praxis nutzt das Fach MSD, um wirksame Anreize und Motivationsstrategien
für das episodische Ehrenamt zu erforschen. So wird untersucht, wie junge
Menschen gezielt für zeitlich begrenzte digitale Bildungs- und
Freizeitformate mit Senioren gewonnen werden können. Studierende des
Bachelor- und Masterstudiengangs MSD sowie aus dem Profilierungsbereich
bringen sich im Rahmen von Service-Learning-Modulen direkt in die
Initiativen ein und sammeln wertvolle Praxiserfahrung im Non-Profit-
Management.
Wie kreativ diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, bewies das
jüngste Event „BrickLab“ auf dem Campus. Das Prinzip ist ebenso einfach
wie effektiv: Freiwillige bauten in der Universitätsbibliothek bekannte
Märchenmotive aus Klemmbausteinen nach. Diese kreativen Bauwerke wurden
anschließend fotografiert und digital aufbereitet. Die fertigen
Bilderrätsel fließen nun als Content in die virtuellen Quiz-Sessions der
IDE gGmbH ein. Senioren in verschiedenen Altenpflegeeinrichtungen rätseln
dann mitunter in einrichtungsübergreifenden, digitalen „Quizolympiaden“,
welches Märchen sich hinter den bunten Steinen verbirgt. Ergänzt werden
diese Runden durch ausgewogene Content-Pakete wie digitale Versionen von
„Stadt-Land-Fluss“ oder biografische Musik-Elemente.
Dass das „BrickLab“ auf dem Campus realisiert werden konnte, ist auch der
engen Kooperation mit der Universitätsbibliothek Vechta zu verdanken. Die
Bibliothek versteht sich zunehmend nicht mehr nur als Ort der
Buchausleihe, sondern als flexibler, experimentierfreudiger Begegnungsraum
für innovative Lehr- und Transferprojekte. Dr. Christopher Folkens, Leiter
der Abteilung Lernraum und Services der Bibliothek, betont die
strategische Ausrichtung dieses Engagements: „Wir wollen die Bibliothek
als neue Mitte auf dem Campus weiter stärken – als offenen Ort, an dem
Menschen zusammenkommen, voneinander lernen und sich austauschen.“
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.uni-vechta.de/mana
maximilian-hiller
