Brille auf, Zukunft an: Wie Würzburgs neuer Busbahnhof in der Virtual- Reality-Cave zum Leben erwacht
Vertreter der Stadt und Architekt zeigen sich begeistert: THWS-Studierende
der Geovisualisierung setzen Ideen virtuell um
Wie lassen sich städtebauliche Ideen realitätsnah vermitteln? Dieser Frage
gingen Studierende der Geovisualisierung unter der Leitung von Stefan
Sauer nach. Im MAVEL-Lab der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt
(THWS) präsentierten sie ihre Entwürfe für einen neuen Zentralen Omnibus-
Bahnhof für Würzburg in einer Virtual-Reality-Umgebung, die den Anwesenden
einen räumlichen Eindruck der Planungen vermittelte. MAVEL steht für Mixed
Augmented Virtual Reality.
Ob Stadt der Zukunft oder Neugestaltung von Talavera oder Posthalle – die
Kooperation zwischen der Fachabteilung Projektentwicklung &
Stadtgestaltung der Stadt Würzburg, dem Künstler und Architekten Matthias
Braun und dem Bachelorstudiengang Geovisualisierung hat Tradition. Unter
der Leitung von Stefan Sauer, Dozent für Geovisualisierung an der THWS,
widmeten sich die Studierenden in diesem Semester einem echten Nadelöhr
der Region: dem Zentralen Omnibus-Bahnhof, kurz ZOB. Die Aufgabe: Den
grauen Verkehrsknotenpunkt in ein klimagerechtes, nachhaltiges und
hochmodernes Aushängeschild der Stadt zu verwandeln.
Fünf Visionen für ein grüneres Würzburg
Die Studierenden lieferten fünf grundverschiedene Entwürfe. Die Bandbreite
reichte von riesigen, schattenspendenden Dachkonstruktionen über
futuristisch anmutende, vertikale Pflanzenschmuck-Säulen, sogenannte
Skytrees, bis hin zu wirtschaftlich sofort umsetzbaren Konzepten.
Schatten und Schutz vor Witterung waren Hauptaugenmerk bei den besonders
realistisch gestalteten Entwürfen zur großräumigen Überdachung und den
ZOB-Terrassen mit Cafés und Einkaufsmöglichkeiten. Kontrovers diskutiert
wurde auch die radikale Idee eines komplett unterirdischen Busbahnhofs.
Der Clou dabei: An der Oberfläche würde dadurch der historische Ringpark
geschlossen – eine grüne Oase mitten in der Stadt. Uwe Kömpel von der
Stadt Würzburg und der Architekt Matthias Braun zeigten sich beeindruckt
von allen Ideen und beurteilten auch den unterirdischen Vorstoß als
„absolut denkbaren Ansatz“.
Eintauchen statt nur Anschauen: Die Magie der „Cave“
Das Besondere an dem Projekt war jedoch nicht nur, was entworfen wurde,
sondern wie es erlebbar gemacht wurde. „Wer die Anlage im ,MAVEL-Labʼ
betritt, schaut nicht auf einen flachen Bildschirm, sondern steht mitten
im Entwurf“, beschreibt Stefan Sauer. Die städtebaulichen Pläne wurden
durch Virtual-Reality-Brillen in Echtzeit begehbar. „Man blickt nach oben
und sieht die gigantischen Dachkonstruktionen, man läuft an den Bussteigen
entlang und bekommt ein echtes Gefühl für Raum, Dimensionen und
Lichtverhältnisse.“ Die Stadtplaner sowie der Architekt zeigten sich
begeistert von der Technologie. Das einhellige Credo der Anwesenden
lautete: „Wenn man den realistischen Eindruck erhält, man steht am neuen
ZOB, der Wind weht und die Schmetterlinge flattern im Park – dann ist das
weit mehr als nur eine technische Spielerei.“ Ein Student kommentierte den
Unterschied mit einem Augenzwinkern: „Besser als PowerPoint.“
Geodaten statt KI-Fakes: Die neue Relevanz der Geovisualisierung
In Zeiten, in denen künstliche Intelligenz zwar hochrealistische, aber oft
unmaßstäbliche und gefälschte Bilder erzeuge, gewinne die Arbeit der THWS-
Studierenden massiv an Bedeutung. Hier basiere die VR-Welt nicht auf
digitaler Willkür, sondern auf echten, zentimetergenauen Geodaten der
Stadt Würzburg. Design und technische Präzision verschmelzen.
Diese immersive Technik überzeugte die Praxispartner derart, dass Uwe
Kömpel von der Stadt Würzburg, bereits eine Folgeveranstaltung plant: Er
möchte seine Kollegen aus der Würzburger Stadtverwaltung nach Schweinfurt
holen, um die Technologie für zukünftige Planungen zu nutzen. Die Vision
für die Zukunft der Stadtplanung ist klar: Statt zweidimensionalen
Visualisierungen zu vertrauen, könnten Bürgerinnen, Bürger und Entscheider
bei zukünftigen Architekturwettbewerben direkt in der virtuellen Realität
stehen, um sich ein Bild zu machen. „Im MAVEL-Lab werden die Entwürfe
unserer Studierenden immersiv erlebbar“ so das Fazit von Stefan Sauer.
„Das in Europa einzigartige virtuelle Erfahrungs- und Lernlabor schafft
dafür eine Umgebung, in der sich städtebauliche Konzepte räumlich erfahren
lassen.“
Zu den Entwürfen der Studierenden
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer
Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung.
Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als
60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites
Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur
regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark
international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und
Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen
englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
