Maria-Weber-Grants: Hans-Böckler-Stiftung zeichnet herausragende junge Wissenschaftler*innen aus Nachwuchsförderung
Maria-Weber-Grants: Hans-Böckler-Stiftung zeichnet herausragende junge
Wissenschaftler*innen aus Sie stecken mitten in einer Rush-Hour des (akademischen) Lebens: junge
Wissenschaftler*innen, die sich in der Post-Doc-Phase befinden oder eine
befristete Juniorprofessur innehaben. Sie müssen forschen und publizieren,
Lehrveranstaltungen geben und Verwaltungsarbeit übernehmen, sich
austauschen und vernetzen, teilweise in Kombination mit Kinderbetreuung.
Und zugleich immer den akademischen Arbeitsmarkt im Blick halten.
Das macht Fördermittel wie die Maria-Weber-Grants der Hans-Böckler-
Stiftung umso wertvoller. Die Grants sind benannt nach der
stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1972
bis 1982. Sie geben ausgewählten Hochschulbeschäftigten die Möglichkeit,
sich für einige Zeit vorrangig auf ihre Forschungsarbeit zu konzentrieren
– eine wesentliche Voraussetzung, um eine feste Professur zu erhalten. Die
Grants dienen dazu, für ein oder zwei Semester eine Teilvertretung für die
Lehrverpflichtungen der Preisträger*innen zu finanzieren. Dafür erhalten
die Hochschulen der Geförderten bis zu 60.000 Euro über zwei Semester
Förderung durch das Begabtenförderungswerk des Deutschen
Gewerkschaftsbundes.
In diesem Jahr werden zwei Wissenschaftler*innen mit Maria-Weber-Grants
ausgezeichnet (ausführlichere Portraits finden Sie im unten verlinkten
Dossier):
Dr. Isabel M. Habicht ist Soziologin und aktuell Akademische Rätin an der
Bergischen Universität Wuppertal. 2024/2025 war sie als John F. Kennedy
Memorial Fellow an der Harvard University. Habichts Forschungsschwerpunkt
im Rahmen ihrer Habilitation liegt in der Geschlechter- und
Familiensoziologie. Dabei beschäftigt sie sich vor allem mit
geschlechtsspezifischer Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sowie mit den
politischen und institutionellen Rahmenbedingungen, die solche
Ungleichheiten beeinflussen oder verstärken können. Auch wenn sich in den
letzten Jahrzehnten bei der Erwerbstätigkeit von Frauen, bei Rollenbildern
und Familienmodellen eine Menge getan habe: „Geschlechterungleichheiten
verschwinden nicht einfach – sie verändern vielmehr ihre Form“, betont die
Sozialwissenschaftlerin.
Dr. Jonas Heller ist Philosoph und Historiker. Der wissenschaftliche
Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main war
Gastwissenschaftler an der Columbia University in New York, der
Universität Chicago und der Pariser Sorbonne. In seiner Forschung
entwickelt Heller ein neues, philosophisch fundiertes Konzept historischen
Wandels. Dessen analytischer Wert liegt darin, dass es auch
Konstellationen historischen Stillstands erfasst, etwa eine
wachstumsgetriebene Konsumgesellschaft, die an ihre Grenzen gekommen ist,
aber trotzdem an gewohnten Lebensstilen festhält. „Es geht darum, wie eine
blockierte Lage ihre eigene Überwindung befördern kann“, sagt Heller.
Isabel M. Habicht und Jonas Heller bekommen beide den Grant für jeweils
zwei Semester.
Der Maria-Weber-Grant wird jeweils zum September eines Jahres
ausgeschrieben und richtet sich an Habilitierende sowie
Juniorprofessor*innen aller Fachrichtungen. Der Grant schenkt seit 2018
zeitliche Freiräume, damit exzellente junge Forscher*innen sich
profilieren und so eine Chance auf eine dauerhafte Karriere im
Wissenschaftsbetrieb erhalten können. Dabei geht es keinesfalls darum,
Forschung gegen Lehre auszuspielen. Die Bewerber*innen zeigen deutlich,
dass gerade die Postdocs und Juniorprofessor*innen sich besonders für eine
gute Lehre stark machen, sich engagieren und methodisch fortbilden in
einer der wichtigsten Phasen der akademischen Karriere. Ebenso ist es ein
erklärtes Ziel, gute Lehre durch stabile Beschäftigung langfristig
abzusichern. Die Gewerkschaften machen sich seit Langem für eine
verlässliche und faire Personalentwicklung an Hochschulen stark, auch wenn
es dafür noch viel zu tun gibt.
Gleichzeitig steht dieser Grant auch für die Stärkung der Innovation und
wissenschaftlichen Expertise an deutschen Universitäten. Das gilt sowohl
fachlich als auch in der Förderung von Chancengleichheit für Frauen in der
Wissenschaft – gut zwei Drittel der bisherigen Grant-Träger*innen sind
weiblich. Gemeinsam haben alle Ausgezeichneten, dass sie sich nicht nur
mit interessanten Forschungsinhalten beworben haben, sondern auch durch
die hohe Qualität und Strahlkraft ihrer Arbeit nach außen überzeugen
konnten.
Juniorprofessor*innen, die sich auf den Grant bewerben, müssen bereits
eine positive Zwischenevaluation durchlaufen haben, Habilitierende ein
fachliches Gutachten beilegen. Zusätzlich führt die Hans-Böckler-Stiftung
ein Peer-Review-Verfahren durch.
