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Pilotprojekt fördert Krisenkompetenz in Schulen

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Mit einem Simulationsspiel erleben Schüler*innen die Herausforderungen
eines großflächigen Stromausfalls und lernen, im Krisenfall Verantwortung
zu übernehmen. Forschende der Universität zu Köln begleiten das Projekt
„Neustart:Schule“ wissenschaftlich.

Wie können Gesellschaften Resilienz entwickeln gegenüber
Extremwetterereignissen, Cyberangriffen oder dem Ausfall kritischer
Infrastruktur – und wie kann man junge Menschen auf solche Krisen und
Bedrohungen vorbereiten? Um diese Fragen geht es in dem neuartigen
Bildungsprojekt „Neustart:Schule“, das Forschende des Instituts für
Physikdidaktik der Universität zu Köln mit dem Helmholtz-Gymnasium Essen
sowie Partnern aus den Bereichen Energieversorgung, Bevölkerungsschutz,
Verwaltung, Bundeswehr und Kirche entwickelt haben. Es soll Schüler*innen
dazu befähigen, die Krise nicht als Zuschauer zu erleben, sondern
Zusammenhänge zu verstehen, aktiv zu werden und Verantwortung zu
übernehmen. Erstmals wird dabei ein im Katastrophenschutz oder bei
Rettungsdiensten üblicher simulationsbasierter Lernansatz auf ein
schulisches Umfeld übertragen.

Das Pilotprojekt basiert auf dem Szenario-Brettspiel Neustart und
simuliert den kommunalen Krisenstab einer Kleinstadt bei einem
Stromausfall. Dieser hat die Aufgabe, die Versorgung der Bevölkerung, Ruhe
und Ordnung aufrechtzuerhalten. Schüler*innen im Alter von 15 und 16
Jahren schlüpfen dabei in unterschiedliche Rollen, treffen Entscheidungen
unter Unsicherheit und erleben die Folgen ihres Handelns unmittelbar.

„Mit Neustart:Schule schaffen wir einen Lernraum, in dem Schüler*innen
naturwissenschaftliche Zusammenhänge nicht nur theoretisch kennenlernen,
sondern deren Bedeutung für das Funktionieren unserer Gesellschaft
unmittelbar erfahren können“, sagt Professor Dr. André Bresges von der
Universität zu Köln. Gleichzeitig eröffne das Projekt die Möglichkeit,
neue Formen des Lernens zu erproben. „Wir wollen besser verstehen, wie
junge Menschen komplexe gesellschaftliche Herausforderungen wahrnehmen und
welche Kompetenzen durch simulationsbasierte Lernformate gefördert werden
können.“

Die erste Realsimulation fand am 14. Juli 2026 in Essen statt. Als
Gastgeber stellte der Energieversorger Westnetz mit seinem Regionalzentrum
einen authentischen Lernort zur Verfügung. Am folgenden Tag besuchten die
Schüler*innen weitere beteiligte Organisationen wie die Kraftwerksschule,
das Technische Hilfswerk Essen, die Feuerwehr sowie die kirchliche
Notfallseelsorge vor Ort, um Einblicke in deren Arbeitsweise zu erhalten
sowie neue Perspektiven auf gesellschaftliches Engagement und die
Bedeutung von Zusammenarbeit in einer komplexen Welt zu gewinnen.

„Ein besonderes Interesse gilt dabei auch der Frage der Übertragbarkeit“,
so Professor Bresges. Denn Realsimulationen ermöglichen zwar intensive
Lern- und Selbstwirksamkeitserfahrungen, sind jedoch häufig mit einem
hohen personellen und organisatorischen Aufwand verbunden. Daher gehen die
Forschenden auch der Frage nach, wie zentrale Elemente solcher Formate
langfristig in schulische Bildungsprozesse integriert und für weitere
Schulen nutzbar gemacht werden können. „Ein Schlüssel dafür liegt, wie
beim gesamten Thema Resilienz, in der Zusammenarbeit verschiedener
Bereiche“, sagt Professor Bresges.

Im Projekt Neustart:Schule untersuchen die Forschenden, welche Wirkung es
hat, wenn Jugendoffiziere der Bundeswehr, Freiwillige des Technischen
Hilfswerks und Ausbilder der Kraftwerksschule die Lehrkräfte bei der
Simulation entlasten und sie als ausgebildete Spielleiter*innen für
Neustart:Schule im Unterricht unterstützen. Dabei werden neben der
Zusammenarbeit unter Stressbedingungen auch Eindrücke über das jeweilige
Berufsbild vermittelt: Schüler*innen lernen die Menschen in den Uniformen
kennen. „Eine Lerngelegenheit, die aus unserer Sicht gerade für unsere
Einsatzkräfte noch nicht ausreichend erforscht wurde“, so Professor
Bresges.

Das Format wird in Schulen des Ruhrgebietes pilotiert und rechtzeitig zum
Start der Projektkurse der reformierten Oberstufe im Schuljahr 2027/28 in
die Ausbildungsregion Köln übertragen. Schulen, die sich für das Format
zur Planung ihrer Projektkurse interessieren, werden gebeten, sich an die
unten angegebenen Adressen zu wenden.