«Wir steuern jetzt auf die Hochsaison zu.»
SLF-Waldbrandexpertin Julia Miller erklärt im Interview, warum so viele
Wälder in Europa brennen, wieso sich die Lage nicht entspannen wird – und
weshalb solche Extremereignisse in den kommenden Jahrzehnten zunehmen
werden. Spanien, Frankreich, Kroatien, Deutschland. Europas Wälder und Felder
brennen. Frau Miller, woran liegt das?
Das liegt an einer besonderen Wettersituation, die wir seit Jahresbeginn
beobachten. Wir hatten starken Niederschlag im Januar und Februar in
Spanien und Frankreich, während wir in den Alpen einen ausgeprägten
Schneemangel und Trockenheit beobachtet haben. Dann haben wir gesehen,
dass wir im Mai eine ausgeprägte Hitzewelle hatten, die auf eine
Vegetationsperiode folgt. Die zweite Hitzewelle kam dann Mitte, Ende Juni,
weshalb unsere Vegetation jetzt stark ausgetrocknet ist und wir in
mehreren Regionen Europas erhöhtes Waldbrandgeschehen beobachten.
Wird das in den kommenden Wochen und Monaten so weitergehen?
Davon können wir ausgehen. Die Waldbrandsaison ist früh gestartet und mit
dem wärmsten Monat August steuern wir jetzt auf die Hochsaison zu, während
wir erwarten können, dass mit September und Oktober weitere trockene
Monate folgen, die feuergünstig sind.
Ist 2026 ein Ausnahmejahr? Oder wird das in den kommenden Jahrzehnten zur
Normalität, so eine Situation?
2026 ist definitiv ein Ausnahmejahr, das wir in unseren
Wetterbeobachtungen markieren können. Es wurden mehrere Rekorde gebrochen.
Wenn wir uns die Klimaprojektion anschauen, sehen wir aber sehr deutlich,
dass die Extremereignisse Trockenheit, Hitzewellen und Waldbrände mit der
Erderwärmung zunehmen werden.
Was kann man dagegen tun?
Primär müssen wir mehr Präventionsmassnahmen ergreifen. Allerdings ist die
effizienteste Methode, gegen den Klimawandel vorzugehen und die
Erderwärmung soweit es geht zu beschränken.
