Öffentliche Vergabe als Türöffner für Innovationen
Öffentliche Beschaffung kann ein wichtiger Hebel sein, um innovative junge
Unternehmen in Deutschland zu stärken. Mit rund 18 Prozent des deutschen
Bruttoinlandsprodukts zählt sie zu den volumenstärksten Instrumenten
staatlicher Nachfragepolitik. Eine aktuelle ZEW-Studie zeigt: Von 4.260
untersuchten jungen Unternehmen haben sich seit ihrer Gründung 16,3
Prozent mindestens einmal auf eine öffentliche Ausschreibung beworben,
10,4 Prozent erhielten mindestens einen Zuschlag.
Entscheidend ist dabei die Art der Vergabe: Während rein preisbasierte
Ausschreibungen keinen positiven Zusammenhang mit Innovationsmerkmalen
junger Unternehmen zeigen, sind kriterienbasierte Vergaben, beispielsweise
mit zusätzlichen Innovations-, Umwelt- oder Qualitätskriterien, häufiger
mit Bewerbungen innovativer Unternehmen und Zuschlägen für diese
verbunden.
„Öffentliche Beschaffung ist mehr als ein Einkaufsvorgang. Richtig
ausgestaltet kann sie jungen Unternehmen frühe Nachfrage verschaffen und
zugleich ein glaubwürdiges Qualitätssignal gegenüber Kunden und
Kapitalgebern senden“, sagt Dr. Bastian Krieger, Leiter der
Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“ im ZEW-Forschungsbereich
„Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.
Dr. Lena Füner, ebenfalls Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich
„Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, ergänzt: „Unsere Ergebnisse
zeigen aber auch, dass sich innovative Lösungen im Vergabeverfahren nicht
automatisch behaupten. Sie müssen in den Zuschlagskriterien sichtbar und
nachweisbar werden. Wer innovative junge Unternehmen gezielt erreichen
will, sollte den Anteil kriterienbasierter Ausschreibungen erhöhen und
zugleich die administrativen Hürden für kleinere Unternehmen senken.“
Preisbasierte Vergaben ohne Innovationswirkung
Preisbasierte Vergaben folgen vor allem der Logik der Kostenführerschaft.
Den Zuschlag erhält das günstigste Angebot für eine klar definierte
Leistung. Für junge Unternehmen mit innovativen Produkten oder
Dienstleistungen ist das häufig wenig attraktiv, weil zusätzliche Qualität
oder Neuheit im Verfahren kaum honoriert wird. Anders bei
kriterienbasierten Vergaben. Hier fließen neben dem Preis weitere Aspekte
wie Qualität, Umweltwirkung oder Innovationsgrad ein. Die Studie zeigt,
dass gerade diese Verfahren häufiger mit der Teilnahme und dem Erfolg
innovationsorientierter junger Unternehmen verbunden sind. Besonders
deutlich wird dies in der Hochtechnologie. Dort haben 76 Prozent der
jungen Unternehmen, die öffentliche Aufträge gewonnen haben, mindestens
einen kriterienbasierten Zuschlag erhalten.
Innovation muss im Angebot erkennbar sein
Interne Forschungsaktivitäten können junge Unternehmen zwar zur Bewerbung
motivieren, für den Zuschlag zählen aber vor allem Innovationsmerkmale,
die für Vergabestellen im Angebot sichtbar sind – etwa bereits eingeführte
Marktneuheiten oder nachweisbare Qualifikationen. Daraus ergibt sich ein
klarer Ansatzpunkt für die Vergabepraxis. Wer innovative junge Unternehmen
besser erreichen will, sollte Kriterien und Nachweisformate so gestalten,
dass unterschiedliche Innovationsformen wie Produkt- oder
Prozessinnovationen erkennbar werden.
