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Politische Sozialisierung im Klassenzimmer

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Politische Einstellungen unter Jugendlichen entwickeln sich bereits
zwischen der 7. und 9. Klasse entlang deutlicher sozialer und schulischer
Trennlinien. Ein neues Policy Paper des Exzellenzclusters „The Politics of
Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt, wie Schulform, soziale
Herkunft und regionale Kontexte mit der politischen Orientierung
Jugendlicher zusammenhängen – und welche Handlungsbedarfe sich daraus
ergeben.



Politische Einstellungen und demokratische Haltungen formieren sich
bereits in jungen Jahren: Besonders zwischen 12 und 14 Jahren durchlaufen
Jugendliche eine Phase intensiver politischer Prägung. Während das
allgemeine politische Interesse und die Unterstützung demokratischer Werte
steigen, wachsen auch die Unterschiede. Eine neues Policy Paper des
Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz
zeigt: Bereits in dieser Phase verlaufen politische
Sozialisierungsprozesse zunehmend polarisiert und unterscheiden sich
deutlich nach Schulform und elterlichem Bildungshintergrund.

Im Projekt „Students‘ Perception of Inequality and Fairness (PerFair)“
wurden dazu rund 3.000 Schüler*innen sowie deren Lehrkräfte und Eltern in
Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein über einen Zeitraum von
zwei Jahren (2022/23 und 2024/25) befragt. Die Ergebnisse zeigen ein hohes
demokratisches Grundinteresse, verweisen jedoch gleichzeitig auf tiefe
strukturelle Trennlinien in der jugendlichen Bevölkerung.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

•       Starke politische Sozialisierung zwischen 12 und 14 Jahren: In
dieser Phase entwickeln Jugendliche in kurzer Zeit politische
Einstellungen und Partei-Identitäten stark weiter. Der Anteil an
Jugendlichen, die angeben, politische Parteien „noch nicht gut genug zu
kennen“, sinkt binnen zwei Untersuchungsjahren stark (in Sachsen
beispielsweise von 38 auf 12 Prozent).

•       Anzeichen für politische Polarisierung nach Schulform: Die
besuchte Schulform der Befragten hängt stark mit parteipolitischen
Präferenzen zusammen. An Gymnasien dominieren bei den Jugendlichen
Parteien des linken, ökologischen und bürgerlichen Spektrums (mit
Spitzenwerten für die Grünen von bis zu 18 Prozent). An nicht-gymnasialen
Schulformen verzeichnen hingegen die Ränder des politischen Spektrums den
stärksten Zulauf.

•       Soziale Herkunft: Der formelle Bildungsgrad der Eltern ist ein
entscheidender Faktor für die politische Orientierung. Jugendliche aus
Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Bildungshintergrund
zeigen eine signifikant höhere Zustimmung zur Partei Alternative für
Deutschland (AfD). Liegt ein hoher elterlicher Bildungsabschluss vor,
neigen Jugendliche unabhängig von der Region eher zu Parteien der
politischen Mitte oder des linken Spektrums. Die politische Spaltung der
Jugend ist somit auch ein Spiegelbild bestehender sozialer Ungleichheiten
in den Elternhäusern.

•       Regionale Unterschiede: Geografisch zeigt sich kein einheitlicher
Trend, sondern eine Polarisierung in verschiedene Richtungen: Während in
Sachsen die Identifikation mit der AfD von fünf (7. Klasse) auf 25 Prozent
unter den Neuntklässler*innen als stärkste Kraft heranwächst, können sich
in Schleswig-Holstein im selben Zeitraum die meisten Jugendlichen mit der
Partei „Die Linke“ identifizieren (24 Prozent). Die CDU/CSU genießt über
Bundesländer- und Schulgrenzen hinweg im Vergleich zur SPD deutlich höhere
Identifikationswerte.

Aus Sicht der Autor*innen weisen die Ergebnisse auf die Notwendigkeit
politischer Bildung gegen strukturelle Spaltungstendenzen hin: „Unsere
Befragung zeigt, dass sich die politischen Einstellungen und die
Identifizierung mit bestimmten politischen Parteien bei Jugendlichen schon
in einem recht frühen Alter herausbilden. Deutlich wird: Politische
Orientierungen unterscheiden sich je nach Schulform und sozialer Herkunft
erheblich. Darauf müssen wir reagieren, sonst riskieren wir eine
dauerhafte politische Polarisierung der nächsten Generationen“, warnen
Marius R. Busemeyer, Nadja Wehl und Susanne Garritzmann vom
Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“.

Um dieser ungleichheitsbedingten Polarisierung entgegenzuwirken, plädieren
sie für eine gezielte, ressourcenstarke Förderung der politischen Bildung
und demokratischer Partizipation direkt an Schulen mit einem klaren
Schwerpunkt auf nicht-gymnasiale Schulzweige.

Eine gemeinsame Pressemeldung der Universität Konstanz und des Think Tanks
„Das Progressive Zentrum“.

Link zum Policy Paper: https://kops.uni-
konstanz.de/server/api/core/bitstreams/7d4a714d-4188-4272-98a1-6e337108e601/content

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Faktenübersicht
- Originalpublikation: Busemeyer, M. R., Wehl, N., Garritzmann, S. (2026).
Politische Polarisierung in der Schule? Entwicklungstendenzen unter
Jugendlichen im Bundesländervergleich. Policy Paper Series Nr. 23.
Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“, Universität Konstanz.
Link zum Policy Paper: https://kops.uni-
konstanz.de/server/api/core/bitstreams/7d4a714d-4188-4272-98a1-6e337108e601/content

- Autor*innen:
1. Marius R. Busemeyer ist Professor für Vergleichende Politische Ökonomie
an der Universität Konstanz und Sprecher des Exzellenzclusters „The
Politics of Inequality“.

2. Nadja Wehl ist Postdoktorandin im Clusterprojekt „Students‘ Perception
of Inequality and Fairness (PerFair)“ an der Universität Konstanz.

3. Susanne Garritzmann ist Postdoktorandin an der Goethe-Universität
Frankfurt und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster „The
Politics of Inequality“.

- Das PerFair-Projekt untersucht, wie schulische Erfahrungen und Kontexte
die Einstellungen und das politische Verhalten von Jugendlichen
beeinflussen. Dafür werden rund 3.000 Schüler*innen, deren Eltern und
Lehrkräfte in Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein befragt.
Die Studie ist in diesen drei Bundesländern repräsentativ und umfasst zwei
Befragungswellen: 2022/23 in Klasse 7 und 2024/25 in Klasse 9.

- Der Exzellenzcluster „The Politics of Inequality” an der Universität
Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen
Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen
der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von
(ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populist*innen,
Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.

- Die Veröffentlichung des Policy Papers erfolgt in Zusammenarbeit mit dem
Berliner Think Tank „Das Progressive Zentrum“.
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Originalpublikation:
Busemeyer, M. R., Wehl, N., Garritzmann, S. (2026). Politische
Polarisierung in der Schule? Entwicklungstendenzen unter Jugendlichen im
Bundesländervergleich. Policy Paper Series Nr. 23. Exzellenzcluster „The
Politics of Inequality“, Universität Konstanz.
Link: https://kops.uni-
konstanz.de/server/api/core/bitstreams/7d4a714d-4188-4272-98a1-6e337108e601/content