Schutz vor Trockenheit und Hochwasser
Extremwetter wie Starkregen und anhaltende Hitze werden zu einer immer
größeren Herausforderung. Effektiven Schutz gegen diese Klimawandelfolgen
etabliert die Hochschule Geisenheim im Naturpark Soonwald-Nahe (Rheinland-
Pfalz): Dieser soll künftig als Schwammregion große Mengen Wasser
aufnehmen und es in trockenen Zeiten länger in der Landschaft halten. Die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 175.000
Euro.
Naturpark Soonwald-Nahe: DBU fördert Schwammregion
Osnabrück. Die Folgen des Klimawandels werden zu einer großen
Herausforderung für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dazu gehört Extremwetter
– vor allem Starkregen und anhaltende Hitze. Effektiven Schutz gegen diese
Klimawandelfolgen etabliert die Hochschule Geisenheim im Naturpark
Soonwald-Nahe (Rheinland-Pfalz): Dieser soll künftig als Schwammregion
große Mengen Wasser aufnehmen und es in trockenen Zeiten länger in der
Landschaft halten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das
Projekt mit rund 175.000 Euro.
Leitfaden für den Aufbau einer Schwammregion
Um Deutschlands Widerstandskraft gegen die Folgen des Klimawandels zu
erhöhen, gilt es laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, die Menschen
vor Ort von notwendigen Maßnahmen zu überzeugen. „Denn manchmal sind
Anpassungen erforderlich, damit Natur gegen Klimaveränderungen robust
wird“, so Bonde. Das sichere die Lebensgrundlage von Kommunen und
ermögliche den langfristigen Erhalt mittelständischer Forst- und
Landwirtschaft. Was die Schwammstadt im urbanen Raum zum Schutz gegen
Extremwetter leistet, sollen in ländlichen Gebieten Schwammregionen
übernehmen. Ein solches Vorhaben wird derzeit von einem Team der
Hochschule Geisenheim um Projektmanagerin Jenny Eckes und unter Leitung
von Dr. Jörn Schultheiß und Prof. Dr. Eckhard Jedicke im Naturpark
Soonwald-Nahe umgesetzt. Eckes: „Ein Leitfaden listet erfolgreiche
Beispiele für Wasserrückhalt auf. Außerdem helfen wir Betrieben aus Forst-
und Landwirtschaft bei der Realisierung neuer Maßnahmen.“ Das Ziel: Wälder
und Felder sollen bei Starkregen möglichst viel Wasser aufnehmen und bei
Trockenheit kontrolliert wieder in die Landschaft abgeben.
Drainagen im Wald verplomben, um Wasserabfluss zu reduzieren
Eckes zufolge besitzt die Region Soonwald-Nahe aufgrund jahrhundertelanger
menschlicher Eingriffe derzeit nur geringes Potenzial, um Wasser in der
Landschaft zu halten – unter anderem wegen Entwässerungsgräben an Feldern
und im Wald – was die Region anfällig macht bei Extremwetter mit
Trockenheit bei starker Hitze oder Überschwemmungen bei Regen. Gleichwohl:
„Unser Ziel ist ein Miteinander von Landnutzung und Umwelt, auch wenn wir
vergangene Eingriffe nicht rückgängig machen können“, sagt Eckes. Eine
Option aus ihrer Sicht: Gräben im Wald an mehreren Stellen verplomben, „um
das Wasser wieder in den Wald zu leiten und den Wasserabfluss zu
reduzieren“. Kleine Wasserrückhaltebecken, bodenschonende Bewirtschaftung
und das Pflanzen von Gehölzen zum Erosionsschutz im Ackerland seien
ebenfalls wichtige Maßnahmen. Eckes: „Wir arbeiten auch mit dem
Bergwaldprojekt e.V. zusammen – etwa beim Bau von Holzkästen im Wald zum
Schutz vor Geröll und Schlamm.“
Wenn Menschen gemeinsam anpacken
Eckes zufolge sind Kommunen, Land- und Forstwirtschaft auf eine enge
Zusammenarbeit angewiesen, um sich gegenseitig vor Extremwetterfolgen zu
schützen. „Wenn zum Beispiel Wälder weniger Wasser aufnehmen können, droht
bei Starkregen eine Überflutung nahliegender Äcker. Pflanzen werden
zerstört, fruchtbare Erde geht verloren“, so Eckes. Und: Ohne Versickerung
des Hochwassers in Wald und Feld laufen laut Eckes naheliegende Kommunen
Gefahr, von Überschwemmungen heimgesucht zu werden. Bei extremer
Trockenheit drohen ähnliche Risiken: Ausgetrocknete Wälder und Felder
bedeuten fehlende Bewässerung für Forst- und Landwirtschaft. Und ein
sinkender Grundwasserspiegel gefährdet die Versorgung der Kommunen mit
Trinkwasser. Nach Eckes Worten kommt ein gesellschaftlicher Effekt hinzu:
Wenn Menschen gemeinsam anpacken, um die Landschaft vor Ort
klimaresilienter zu machen, „stärkt das die ganze Region“. Eckes: „Eine
umweltverträgliche Schwammregion kommt allen Menschen vor Ort zugute.
Städte sind geschützter vor Überschwemmungen. Lokale Landwirtschaft
gewährleistet sichere Lebensmittelversorgung und Wälder und Wiesen können
Wasser besser speichern.“
Etablierung eines langanhaltenden Netzwerks
Laut DBU-Referentin Dr. Sina Volz hat das Projekt im Naturpark Soonwald-
Nahe Vorbildcharakter. „Die im Leitfaden gesammelten Maßnahmen lassen sich
mit regionalen Anpassungen gut auf andere deutsche und europäische Gebiete
übertragen.“ Das Projekt im Naturpark Soonwald-Nahe versteht die DBU als
Startschuss: „Das während der Projektlaufzeit entstehende Netzwerk soll
noch lange nach Ende der Förderung aktiv sein und Menschen beim
langfristigen Aufbau der Schwammregion helfen“, so Volz. Aktuell
vermittelt auch die neue Ausstellung Mission Aqua in der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt wichtige Ansätze, um Wasser in der Landschaft zu
halten – darunter Schwammstadt und Schwammregion. Jung und Alt können
interaktiv und spielerisch alles Wissenswerte über die Zukunft der
lebenswichtigen Ressource Wasser lernen. Mehr Informationen unter
www.missionaqua.org.
