Den Torfausstieg im Hobby-Garten unterstützen
Der Umstieg auf torffreie Blumenerden ist ein wichtiger Beitrag zum
Klimaschutz und zum Erhalt wertvoller Moorökosysteme. Das
Forschungsprojekt HOT2 der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
untersucht, wie dieser Wandel im Hobbygartenbau gelingen kann, welche
Wissenslücken bestehen und welche Unterstützung Verbraucherinnen und
Verbraucher benötigen.
Moorböden zählen zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der
Erde. Werden sie entwässert, gelangen große Mengen CO2 in die Atmosphäre.
Verwendet wird Torf unter anderem in Blumenerden. Davon verbraucht der
Hobbygartenbau in Deutschland jährlich rund 4,5 Millionen Kubikmeter. Zwar
sank der Torfanteil in Blumenerden seit 2019 von 55 auf 33 Prozent, das in
der Torfminderungsstrategie des Bundes formulierte Ziel eines
vollständigen Torfverzichts im Consumer-Bereich ab 2026 deutlich verfehlt.
Herausforderungen beim Einsatz torffreier Substrate
Warum ist der Verzicht auf Torf so schwierig? Torf ist aus
pflanzenbaulicher Sicht ein optimaler Substratausgangsstoff. Die
chemischen Eigenschaften können durch die Zugabe von Dünger und Kalk genau
an die Bedürfnisse der Pflanzen angepasst werden. Zudem speichert Torf
enorm viel Wasser und versorgt die Wurzeln gleichzeitig mit ausreichend
Sauerstoff.
Derzeit kann keiner der üblichen Ersatzstoffe diese positiven
Eigenschaften vollständig nachbilden. Deshalb unterscheiden sich torffreie
Blumenerden, insbesondere beim Wasserspeichervermögen sowie bei
Nährstoffgehalten und -dynamik, deutlich von klassischen Torferden. Das
erfordert Anpassungen bei Bewässerung und Düngung. Zu den aktuell
bedeutendsten Torfersatzstoffen zählen Grüngutkompost (36 Prozent),
Holzfasern (17 Prozent), Rindenhumus (6 Prozent) und Kokosprodukte (2
Prozent).
Die Vorgängerprojekte von HOT2 – HOT1-TV2 und HOT1-TV3 – machten deutlich,
dass viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner diese Unterschiede
unterschätzen und torffreie Substrate fehlerhaft anwenden. In Reallaboren
wurden deshalb Pflege- und Düngungsroutinen direkt in der Praxis getestet.
Die Teilnehmenden dokumentierten Bewässerung, Düngung und
Pflanzenentwicklung. Die Ergebnisse belegen: Mit angepasstem und
substratspezifischem Management, wie etwa stickstoffbetonten Düngern und
klaren Dosierungen je Gefäß, funktioniert torffreies Gärtnern sehr gut.
Forschungserkenntnisse direkt aus der Anwendung
In HOT2 wird genauer untersucht, wie Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner
sich über den Umgang mit torffreien Blumenerden informieren und wie sie
diese Information für die tägliche Pflanzenpflege nutzen. Gleichzeitig
werden im Rahmen von Schau- und Demonstrationspflanzungen praktische Tipps
und Hilfsmittel zum Umgang mit torffreien Blumenerden gezeigt. Diese
Pflanzungen bieten einen Lernort, der die Öffentlichkeit weiter für das
Thema sensibilisieren soll.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist das Kaufverhalten. Gemeinsam mit
Endverkaufsbetrieben und Fachgartencentern wird untersucht, wie
Konsumentinnen und Konsumenten zum Kauf torffreier Blumenerden motiviert
und wie die dafür notwendigen Informationen vermittelt werden können.
Parallel beschäftigt sich HOT2 mit dem Thema Weiterbildung: In
Zusammenarbeit mit Modellschulen entstehen Unterrichtskonzepte zum
torffreien Gärtnern.
„Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie in
der Praxis unmittelbar nutzbar sind und den Umstieg auf torffreie
Blumenerden beschleunigen“, betont Teilprojektleiter Dr. Dieter Lohr.
Informationen für Redaktionen
HOT2 wird von Januar 2026 bis Ende September 2027 vom Bundesministerium
für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert. Die Fachagentur für
Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ist Projektträger. Projektpartner sind die
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und die
Fachhochschule Erfurt.
Weitere Informationen zu HOT2 erhalten Interessierte auf den Websites von
HOT2-TV3 und HOT2-TV4 sowie in diesem Forschungsmagazin-Artikel der HSWT,
in dem vielfältige Informations- und Schulungsunterlagen verlinkt sind.
