Zum Hauptinhalt springen

Armut erhöht die Belastung durch Hitze

Pin It

Hitze trifft nicht alle Menschen gleich. Eine aktuelle Bachelorarbeit der
OTH Regensburg und Ergebnisse des Regensburger Armutsberichts zeigen: In
Regensburg überschneiden sich soziale Benachteiligung und hohe
Hitzebelastung in mehreren Stadtquartieren.

Wer in Armut lebt, ist in Regensburg häufig höheren Temperaturen
ausgesetzt und hat zugleich deutlich schlechtere Möglichkeiten, sich davor
zu schützen. Das beginnt zunächst bei der Wohnsituation. Menschen mit
geringem Einkommen leben häufiger in kleinen, schlecht gedämmten oder
stark aufgeheizten Wohnungen, etwa in Dachgeschosswohnungen oder Wohnungen
ohne Balkon, Terrasse und Garten. Ein Umzug in eine Wohnung, die mehr
Lebensqualität bietet, ist oft keine realistische Option.

„Den armutsbetroffenen Menschen fehlt zuhause häufig ein Zugang zu
abkühlenden Ausgleichsflächen. Sie sind mehr als andere auf öffentliche
Angebote und kühlende Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum angewiesen“,
erklärt Prof. Dr. Ina Schildbach von der OTH Regensburg, Professorin für
Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpolitik und Projektleiterin
des Regensburger Armutsberichts. Diese kühlenden Aufenthaltsorte zu
erreichen und zu nutzen, ist für viele Betroffene mit Hürden verbunden.

Wo Armut und Hitze zusammentreffen

Besonders problematisch ist die räumliche Überschneidung von Armut und
Hitze. In ihrer Bachelorarbeit verknüpft Hannah Schmidt Sozialindex und
Klimadaten der Stadt Regensburg. Die Auswertung zeigt, dass mehrere
Quartiere in Regensburg sowohl sozial benachteiligt als auch
überdurchschnittlich von sommerlicher Wärmebelastung betroffen sind. Dazu
gehören vor allem Teile des Kasernen- und Ostenviertels, insbesondere der
Bereich zwischen Zeißstraße und Benzstraße.

Auch in Burgweinting (Käthe-Kollwitz-Straße) sowie in Wutzlhofen (Chamer-
und Schlesierstraße) bestehen erhöhte soziale Belastungen und eine hohe
thermische Belastung. Dort ist der Zugang zu Grünflächen zwar besser,
insgesamt fehlen jedoch insbesondere im Regensburger Osten ausreichend
schnell erreichbare thermische Ausgleichsräume, also Grünflächen, die
deutlich kühler sind als die dicht bebaute Umgebung.

Für Menschen, die dort wohnen, bedeutet das, sie müssen weiter fahren, um
Parks oder gezielt städtische Angebote zu erreichen. Der Armutsbericht
zeigt jedoch, dass der Weg dorthin eine Hürde darstellt. „Trotz
Vergünstigungen, zum Beispiel durch den Regensburger Stadtpass, bleibt
Mobilität ein schwieriges Thema. Die 50-prozentige Ermäßigung bleibt für
Menschen am Existenzminimum eine finanzielle Hürde.“, erklärt Prof. Dr.
Ina Schildbach. Kosten, bürokratische Hürden und Informationsdefizite
führen dazu, dass viele Angebote erst gar nicht genutzt werden.

Hitze verschärft soziale Ausgrenzung

Während für viele Menschen der Sommer mit Urlaub, Freibad oder
Freizeitaktivitäten verbunden ist, zeigen Interviews des Armutsberichts,
dass diese Möglichkeiten für viele armutsbetroffene Haushalte unerreichbar
bleiben. „Alles kostet Geld“, berichten Betroffene in Interviews. Selbst
die Teilhabe an einfachen, konsumfreien Räumen ist häufig mit impliziten
Kosten verbunden, etwa für ein Getränk in einem Café, Verpflegung bei
einer Veranstaltung oder dem Eintritt ins Schwimmbad.

„Wenn die Stadt Fußball schaut, bin ich meist nicht aktiv dabei. Es setzt
ja immer voraus, dass man für Kaffee und Bier gut Geld hat, was so teuer
ist,“ berichtet ein weiterer Betroffener. Die Interviews des
Armutsberichts deuten darauf hin, dass gut erreichbare Aufenthaltsorte
ohne Konsumzwang aus Sicht vieler Betroffener fehlen.

Die Ergebnisse der Bachelorarbeit und des Armutsberichts zeichnen ein
übereinstimmendes Bild: Die Folgen von Hitze werden nicht allein durch die
Außentemperatur bestimmt, sondern auch durch Wohnsituation, Einkommen,
Mobilität und den Zugang zu kühlen Aufenthaltsorten.