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Hoffnung in Zeiten der Klimamüdigkeit: Neun Erfolgsgeschichten aus Mooren weltweit

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Eine neue internationale Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift
Ambio, eröffnet eine ermutigende Perspektive auf die Klima- und
Biodiversitätskrise. Während Moore häufig im Zusammenhang mit Degradierung
und Treibhausgasemissionen diskutiert werden, stellt die Studie neun
sogenannte „Bright Spots“ aus aller Welt vor. Die Beispiele reichen von
gemeinschaftlich getragenen Renaturierungsinitiativen und großflächigen
Wiedervernässungsprogrammen bis hin zu innovativen Formen der
Nasslandwirtschaft und Kunstprojekten die den Menschen wieder eine
Verbindung zu Moorlandschaften herstellen.



Sie machen deutlich, dass bereits heute bedeutende Fortschritte erzielt
werden, und liefern Inspiration sowie wertvolle Erkenntnisse für den
Moorschutz weltweit. Die Studie wurde gemeinsam von Forschenden der
Universität Greifswald (Partner im Greifswald Moor Centrum), die zugleich
Mitglieder des Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 sind, sowie des
Copernicus Institute for Sustainable Development der Universität Utrecht
geleitet.

„Moorforschende verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, Verluste, die
Degradierung und den dringenden Handlungsbedarf rund um Moore zu
dokumentieren“, sagt die Ko-Erstautorin Dr. Renske Vroom von der
Universität Greifswald und dem Sonderforschungsbereich WETSCAPES2.0.
„Diese Realität bleibt wichtig, aber sie erzählt nur einen Teil der
Geschichte. Wir wollten Beispiele hervorheben, die zeigen, was möglich
ist, wenn Menschen gemeinsam Moore schützen und wiederherstellen.“

Vielfältige Wege zu erfolgreichem Moorschutz
Die Autor*innen verwenden den Begriff „Bright Spots“ für Initiativen, die
bemerkenswerte Erfolge bei Moorschutz, Wiedervernässung, Renaturierung,
nachhaltiger Nutzung oder der gesellschaftlichen Beteiligung erzielt
haben. Die neun ausgewählten Beispiele zeigen, dass erfolgreiche Maßnahmen
zum Schutz von Mooren sehr unterschiedliche Formen annehmen können.

In Indonesien tragen großflächige Wiedervernässungsprogramme dazu bei, das
Brandrisiko und Treibhausgasemissionen zu verringern. In Malaysia treiben
lokale Gemeinschaften Renaturierungsmaßnahmen voran und entwickeln neue
Ansätze für den nachhaltigen Umgang mit Mooren. Weitere Beispiele schaffen
wirtschaftliche Perspektiven durch Paludikultur. Initiativen wie Turba Tol
in Feuerland hingegen nutzen Kunst und kulturelles Engagement, um Menschen
wieder mit Moorlandschaften in Verbindung zu bringen. Gemeinsam
verdeutlichen diese Beispiele, dass es nicht den einen Weg zur
erfolgreichen Wiederherstellung von Mooren gibt.

Trotz ihrer Diversität weisen alle Bright Spots mehrere gemeinsame
Merkmale auf. Viele beruhen auf einer langfristigen Zusammenarbeit von
Wissenschaft, Politik, Flächenmanagement, lokalen Gemeinschaften und
Trägern indigenen Wissens. Andere zeigen, wie sich ökologische
Renaturierung mit sozialen und wirtschaftlichen Vorteilen oder innovativen
Formen der Öffentlichkeitsarbeit verbinden lässt.

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
„Der Schlüssel zur Wiederherstellung von Mooren ist die Zusammenarbeit“,
sagt Dr. Ralph Temmink, Assistenzprofessor für Ökologie und Renaturierung
an der Universität Utrecht und Koautor der Studie. „Die erfolgreichsten
Projekte verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse, politische
Rahmenbedingungen und lokales Wissen, um nachhaltige Lösungen zu
entwickeln.“

Zu den in der Studie vorgestellten Beispielen gehört auch die
Paludikultur, die landwirtschafltiche Nutzung nasser und wiedervernässter
Moore. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft auf entwässerten
Moorböden bleiben die Böden dabei dauerhaft nass und können dennoch
wirtschaftlich genutzt werden. Das ist von großer Bedeutung, da
entwässerte Moore erhebliche Mengen an Treibhausgasen freisetzen: Sobald
der zuvor wassergesättigte Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt, beginnt
er sich zu zersetzen und entweicht als Kohlenstoffdioxid. Pflanzen wie
Torfmoose, Schilf, Rohrkolben oder Seggen können hingegen auf nassen
Mooren, ohne Entwässerung angebaut werden. Dadurch lassen sich Emissionen
reduzieren und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für
Flächeneigentümer*innen und lokale Gemeinschaften schaffen. Viele
erfolgreiche Beispiele hierfür finden sich in Deutschland, wo Forschende,
Landwirt*innen und Unternehmen seit einigen Jahren gemeinsam neue
Wertschöpfungsketten auf Basis von Biomasse aus nassen Mooren entwickeln.
Produkte wie Versandkartons, Textilien oder Baustoffe aus Paludikultur-
Biomasse sind bereits auf dem Markt erhältlich.

Von lokalen Erfolgen zu globalem Handeln
„Wir hoffen, dass diese Beispiele dazu ermutigen, über die
Herausforderungen hinauszublicken und anzuerkennen, dass bereits
Fortschritte erzielt werden“, sagt Vroom. „Die Wiederherstellung von
Mooren und wirksamer Klimaschutz sind keine Zukunftsvision. Sie finden
bereits heute in vielen unterschiedlichen Formen und Regionen der Welt
statt. Gleichzeitig machen diese Beispiele deutlich, wie dringend wir
unsere Anstrengungen ausweiten müssen. Nur wenn wir auf diesen Erfolgen
aufbauen und die Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren
beschleunigen, können wir das notwendige Tempo und den erforderlichen
Umfang erreichen, um die Klimakrise wirksam einzudämmen.“

Moorrenaturierung kann unter sehr unterschiedlichen ökologischen,
gesellschaftlichen und politischen Bedingungen erfolgreich sein und bietet
gleichzeitig Vorteile für Klimaschutz, Biodiversität und lokale
Gemeinschaften bietet. Die Ergebnisse der Studie liefern wertvolle Impulse
für zukünftige politische Strategien und Renaturierungsprogramme – in
einer Zeit, in der immer mehr Länder ihre Klima- und Biodiversitätsziele
erreichen müssen.

Weitere Informationen

Publikation:
Vroom, R.J.E. et al. (2026): Bright spots in peatland conservation,
rewetting and restoration. Ambio.

Greifswald Moor Centrum (GMC)
Das Greifswald Moor Centrum ist eine Partnerschaft von Universität
Greifswald, Michael Succow Stiftung, DUENE e. V. und der Stiftung
Moorbibliothek. Mit rund 150 Moorkundigen an einem Standort zählt es zu
den weltweit größten Zentren der Moorforschung. Als Schnittstelle zwischen
Wissenschaft, Politik und Praxis entwickelt das GMC wissenschaftlich
fundierte Lösungsansätze für Klima-, Biodiversitäts- und
Landnutzungsfragen im Zusammenhang mit Mooren. Die am GMC entwickelte
Globale Moordatenbank bildet eine wichtige Datengrundlage für
internationale Analysen von Moorökosystemen.
Webseite. <https://www.greifswaldmoor.de/start.html>

Sonderforschungsbereich/Transregio 410 WETSCAPES2.0
Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte
Sonderforschungsbereich/Transregio 410 WETSCAPES2.0 ist ein gemeinsames
Forschungskonsortium der Universitäten Greifswald und Rostock. Im
Mittelpunkt steht die interdisziplinäre Erforschung wiedervernässter
Moorlandschaften. Ziel ist es, belastbare wissenschaftliche Grundlagen
bereitzustellen um politische sowie praktische Entscheidungen zu
unterstützen.
Webseite. <https://wetscapes2.uni-greifswald.de/>