Passgenaue Förderung treibt grüne Innovationen
Staatliche Förderung kann Unternehmen dabei helfen, umweltfreundliche
Innovationen umzusetzen, wenn das Förderinstrument zum jeweiligen
Innovationsvorhaben passt. Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und der
Hochschule Augsburg zeigt, dass allgemeine Investitionshilfen von Ländern
und Bund vor allem bei der Verbreitung vorhandener Umwelttechnologien eine
Rolle spielen, etwa wenn Unternehmen fossile Energieträger durch
erneuerbare ersetzen. Spezifische Forschungs- und Entwicklungszuschüsse
des Bundes sind dagegen besonders für neue Produktionsverfahren relevant,
die den CO₂-Ausstoß senken.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, Umweltinnovationen
zielgenau und abgestimmt auf das konkrete Umweltziel zu fördern. Geht es
darum, bereits verfügbare Technologien in den Betrieben einzusetzen,
helfen allgemeine Investitionsförderungen, finanzielle Hürden zu
überwinden“, erklärt Dr. Christian Rammer, stellvertretender Leiter des
ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.
„Müssen Unternehmen dagegen erst neue technologische Lösungen entwickeln,
sind Forschungszuschüsse das geeignetere Instrument. Gerade bei CO₂-armen
Produktionsverfahren können solche Zuschüsse Risiken abfedern, die private
Kapitalgeber häufig nicht übernehmen.“
Regionale Förderung unterstützt grüne Technologien
Öko-Innovationen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Kosten, Risiken
und technologischem Aufwand. Der Ersatz fossiler Energieträger durch
erneuerbare Energien erfordert beispielsweise häufig hohe Investitionen in
Anlagen, Gebäude oder Produktionsprozesse. Die benötigten Technologien
sind oftmals bereits verfügbar, ihre Einführung kann Unternehmen jedoch
finanziell stark belasten.
Die Studie zeigt, dass insbesondere allgemeine Fördermaßnahmen und
regionale Hilfen mit solchen verbreitungsorientierten Innovationen
zusammenhängen. Regionale Programme können dabei besser auf lokale
Wirtschaftsstrukturen und konkrete Investitionsbedarfe zugeschnitten sein.
Nationale Forschungsförderung ist für diese Form des Technologiewechsels
hingegen weniger entscheidend.
Forschungsförderung hilft bei Produktionsverfahren
Anders stellt sich die Situation dar, wenn Unternehmen neue
Produktionsverfahren entwickeln müssen. Innovationen zur Verringerung von
CO₂-Emissionen können eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie
technologische Experimente erfordern. Solche Vorhaben sind risikoreicher
und lassen sich schwerer über klassische Kredite finanzieren. Hier sind
spezifische Forschungszuschüsse besonders relevant. Die Analyse zeigt
einen besonders starken Zusammenhang zwischen der Forschungsförderung des
Bundes und Prozessinnovationen, die den CO₂-Ausstoß senken. Fördermittel
der Europäischen Union werden von Umweltinnovatoren insgesamt deutlich
seltener genutzt.
Über die Methodik
Die Analyse basiert auf drei Erhebungswellen des Mannheimer
Innovationspanels für die Referenzjahre 2020, 2022 und 2024. Untersucht
werden sechs Förderformen: allgemeine und forschungsbezogene Förderungen
der Bundesländer, des Bundes und der Europäischen Union. Mithilfe von
Panel-Probit-Modellen analysieren die Autoren die statistischen
Zusammenhänge zwischen diesen Förderformen und den jeweiligen
Umweltinnovationen. Im Jahr 2024 hatten 26,8 Prozent der Unternehmen
mindestens eine Umweltinnovation mit bedeutender Umweltwirkung eingeführt;
41,5 Prozent dieser umweltinnovativen Unternehmen nutzten mindestens eine
öffentliche Förderung.
