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«Waldbrände können Bäume zusätzlich stressen.»

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Welchen Einfluss Waldbrände auf Borkenkäfer haben, wie sich ein
Massenbefall verhindern lässt und warum ein gezieltes Monitoring nach
einem Brand wichtig ist, erklärt SLF-Waldökologin Alessandra Bottero im
Interview.
Frau Bottero, entziehen die Waldbrände den Borkenkäfern die
Lebensgrundlage?



Nicht unbedingt. In den stark verbrannten Flächen finden Buchdrucker zwar
meist keine geeigneten Brutbäume mehr. An den Rändern der Brandflächen
kann die Situation jedoch anders aussehen. Dort überleben oft Fichten, die
durch Hitze, Trockenheit, Wurzelschäden geschwächt wurden. Solche Bäume
sind anfälliger für einen Befall und können geeignetes Brutmaterial für
den Buchdrucker bieten. Ob sich daraus tatsächlich ein Ausbruch
entwickelt, ist jedoch keineswegs sicher. Dafür müssen mehrere Bedingungen
gleichzeitig erfüllt sein.

Welche?

Die Käfer müssen geschwächte Bäume besiedeln, solange deren Abwehrkräfte
noch reduziert sind. Die Bäume müssen zudem noch genügend intaktes
Bastgewebe unter der Rinde besitzen, damit sich Larven entwickeln können.
Zudem dürfen natürliche Feinde die Zahl der Borkenkäfer nicht stark
begrenzen. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren kann eine starke Zunahme
der Population begünstigen.

Kann man etwas dagegen tun, dass sich die Borkenkäfer an den Grenzen zu
den abgebrannten Flächen im grossen Stil niederlassen?

Besonders wichtig ist es, die Waldränder nach einem Brand aufmerksam zu
beobachten. Geschwächte oder neu befallene Bäume sollten möglichst früh
erkannt werden, damit sie – falls nötig – rechtzeitig entfernt werden
können, bevor sich die Käfer massenhaft vermehren. Eine flächige Räumung
der Waldränder ist dagegen meist weder notwendig noch sinnvoll.
Entscheidend sind ein gezieltes und rasches Handeln.

Wenn in Folge des Klimawandels immer häufiger die Wälder in Europa
brennen, findet der Borkenkäfer dann immer mehr gestresste Bäume als
Habitat?

Das ist möglich. Generell erwarten wir, dass Trockenheit zunimmt und
Störungen wie Waldbrände, Stürme und Borkenkäferbefall künftig häufiger
oder intensiver auftreten. Für den Buchdrucker können insbesondere höhere
Temperaturen günstige Bedingungen schaffen, denn die können seine
Entwicklung beschleunigen, und Trockenstress schwächt die Abwehrkräfte der
Fichten. Waldbrände sind dabei einer von mehreren Faktoren, die Bäume
zusätzlich stressen können. Grundsätzlich gilt: Je mehr Fichten geschwächt
sind – unabhängig davon, ob durch Trockenheit, Feuer oder andere Einflüsse
–, desto anfälliger sind sie für einen Befall durch den Buchdrucker.

Originalpublikation:
https://www.slf.ch/de/news/waldbraende-koennen-baeume-zusaetzlich-
stressen/