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Wenn der Baumschatten den Weg weist

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Analysetool gibt Überblick, wo Beschattung ist und wo Bäume für kühlere,
begehbare Straßen gepflanzt werden sollten.
In manchen Stadtvierteln beschatten Bäume mehr als
ein Drittel der Fußgängerwege. In anderen sind es kaum zehn Prozent. Um
solche Lücken sichtbar zu machen und Städten einen differenzierteren Blick
zu ermöglichen, hat das HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation
Technology) dem bestehenden Climate Action Navigator einen weiteren
Indikator hinzugefügt. Kommunalverwaltungen erhalten kostenlos und
straßengenau eine Übersicht, wo es Schatten gibt und an welchen Stellen er
fehlt, um dann gezielt Maßnahmen wie Baumpflanzungen vorzunehmen oder
Touristen auf schattigen Wegen zu Sehenswürdigkeiten zu leiten.



Die Beschattung durch Bäume beeinflusst die Temperatur jedes einzelnen
Straßenzuges enorm. Durchschnittswerte sind daher oft zu grob und
verbergen, wo Bewohnerinnen und Bewohner der Hitze auf ihren alltäglichen
Wegen am stärksten ausgesetzt sind. In Heidelberg beispielsweise beträgt
der Anteil der Baumbedeckung 40 Prozent. Größtenteils befinden sich die
beschatteten Wege allerdings außerhalb des Stadtkerns. Viel benutzte
Straßen in der City liegen dagegen häufig in der prallen Sonne.

Beschattete Wege machen nicht nur den Schul- und Arbeitsweg angenehmer,
sondern zeigen auch, welche Stadtteile trotz steigendender
Sommertemperaturen lebenswert bleiben und welche nicht. Claudia
Schmiedeberg von GLEN Study ergänzt: „Um zu verstehen, wie der Klimawandel
die Gesellschaft als Ganzes betrifft, müssen wir genau hinschauen, wie das
lokale Umfeld unser tägliches Verhalten und Wohlbefinden über die Zeit
prägt. Die Verknüpfung des Baumschatten-Indikators mit Längsschnitt-
Umfragedaten zeigt, wie städtische Umgebungen unsere Entscheidungen
beeinflussen und wie ungleich sich das auf die einzelnen Stadtviertel
verteilt“.

Wissen, wo man ansetzen muss

Das Tool entstand auf Anfrage von Stadtplanungsämtern und
Nichtregierungsorganisationen, die sich für fußgängerfreundliche
Stadtgestaltung einsetzen. Das digitale Werkzeug gibt Kommunen eine
Entscheidungsgrundlage dafür, wo neue Bäume nötig sind und wo der
vorhandene Baumbestand bereits zu lebenswerten Straßen beiträgt. „Dieser
Indikator liefert uns vergleichbare Zahlen, Straße für Straße, sodass
Stadtverwaltungen die Evidenz haben, um Infrastrukturinvestitionen dort zu
priorisieren, wo sich die Menschen auch in den heißesten Monaten
aufhalten,“ so Jim Walker von Walk21 Foundation. Verknüpft man zum
Beispiel die Baumschatten-Daten mit den Einzugsgebieten von Schulen, wird
sichtbar, welche Wege Kindern auf dem Schulweg mehr Sonnenschutz bieten
als andere.

Wie wird der Indikator berechnet

Der Indikator misst, wo Fußwege unter Baumkronen verlaufen, die mindestens
zwei Meter über dem Boden liegen. So unterscheidet er schattenspendende
Bäume von niedrigen Büschen und Bodenbewuchs. Gemessen wird mittags, wenn
die Sonne am stärksten scheint und Bäume am wenigsten Schatten werfen. Das
zeigt den Verwaltungen den ungünstigsten Fall auf, wo sie ansetzen
sollten.

Datengrundlage und Methodik sind weltweit einheitlich, sodass sich
Kleinstadt und Großstadt direkt miteinander vergleichen lassen. Zwei
Beispiele zeigen den Unterschied: In Wiesbaden liegen etwa 34 Prozent des
Fußwegenetzes im Schatten von Bäumen. In Mainz sind es dagegen leicht
unter 20 Prozent. Kommunen können mit diesem kostenlosen und offenen Tool
sehen, wo sie stehen und wo als Nächstes gehandelt werden sollte.

„Uns ging es darum, die Hürde fehlender lokaler Daten zu umgehen. Mit
hochauflösenden globalen Baumkronendaten können wir jeder Kommune
kostenlos ein präzises Diagnoseinstrument anbieten. Das demokratisiert den
Zugang zu Informationen und ermöglicht es Planerinnen und Planern,
Begrünungsmaßnahmen dort umzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht
werden", sagt Assoc. Prof. Dr. Kirsten von Elverfeldt, Community
Engagement Managerin bei HeiGIT.

Der Climate Action Navigator ist nach Registrierung kostenfrei für alle
nutzbar: https://climate-action.heigit.org/dashboard/

Kontakt HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology):
Prof. Dr. Kirsten von Elverfeldt
E-Mail: kirsten.vonelverfeldt@heigit.org
Lisa Shkredova (Kommunikation)
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt Klaus Tschira Stiftung:
Anja Heinzelmann (Leitung Kommunikation)
E-Mail: anja.heinzelmann@klaus-tschira-stiftung.de

HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology) forscht an und
mit geographischen Informationen und stellt diese zum Nutzen der Umwelt
und der Gesellschaft frei zur Verfügung – zum Beispiel für Forschende,
Hilfsorganisationen und Verbände. Die Themengebiete reichen von der
Unterstützung humanitärer Einsätze mit maßgeschneiderten Geodaten bis hin
zur Entwicklung intelligenter Routing-Lösungen für Katastrophenfälle oder
bei Hitzewellen. HeiGIT bietet außerdem praxistaugliche Datenanalysen für
den Klimaschutz. Innovative Methoden aus der raumbezogenen
Datenverarbeitung und dem maschinellen Lernen werden unter anderem zur
Analyse, Anreicherung und Visualisierung von Geodaten (z. B.
OpenStreetMap) eingesetzt.
Die HeiGIT gemeinnützige GmbH wurde 2019 als An-Institut der Universität
Heidelberg gegründet und wird von der Klaus Tschira Stiftung getragen.

Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik
und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie
wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015)
mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind:
Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite
Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen
und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter:
www.klaus-tschira-stiftung.de