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Wildtier-Forscherin erklärt: Wie verhalten sich Wildtiere bei einer Sonnenfinsternis?

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Wie reagieren Tiere in der Wildnis, wenn es mitten am Tag plötzlich dunkel
wird? Wildtierökologin Prof. Dr. Ilse Storch erklärt im Interview, welches
Verhalten Wildtiere bei einer Sonnenfinsternis zeigen und wie Forschende
das seltene Ereignis als „natürliches Experiment“ nutzen.

Frau Storch, wie reagieren Wildtiere auf eine Sonnenfinsternis? Verwirrt
es sie, wenn es mitten am Tag plötzlich dunkel wird?

Zunächst einmal: Eine Sonnenfinsternis bedeutet eine Abweichung im Verlauf
des gewohnten äußeren Zeitgebers Tageslicht, und gegebenenfalls auch in
der damit zusammenhängenden Temperatur. Im Tagesverlauf und auch zwischen
Tagen gibt es große Unterschiede was die Lichtmenge betrifft, auf die
Tiere ständig reagieren. Eine Sonnenfinsternis wird für Tiere daher
weniger das "große Ding" sein als für uns.

In der Forschung wird als Reaktion auf eine totale Sonnenfinsternis
überwiegend abendliches Verhalten beschrieben, teils auch Verunsicherung
oder auch gar keine erkennbare Reaktion. Vögel können während einer
Sonnenfinsternis ihre Gesangsaktivität reduzieren, tagaktive Tiere
abendliches Verhalten zeigen, während nachtaktive Tiere aktiv werden
können.

Welche Erkenntnisse gewinnen Forschende aus dem Verhalten der Tiere
während einer Sonnenfinsternis?

Für Forschende sind Sonnenfinsternisse "natürliche Experimente", die
Einblicke zu Reaktionen auf Lichtreize liefern können, die man sonst
allenfalls an kleineren Arten im Labor gewinnen könnte. Das bietet tolle
Möglichkeiten für wissenschaftliche Untersuchungen.

Im Jahr 2018 haben Forschende zum Beispiel eine Sonnenfinsternis in den
USA untersucht. Anhand von Daten von 143 Wetterradarstationen erfassten
sie großräumig die Flugaktivität von Vögeln und Insekten. Während der
Phase der totalen Sonnenfinsternis – also der vollständigen Bedeckung der
Sonne durch den Mond – nahm die normale Flugaktivität zwar deutlich ab,
reduzierte also die „normale“ tägliche Aktivität. Die Sonnenfinsternis
reichte aber nicht aus, um eine nächtliche Aktivität auszulösen, die mit
der bei Sonnenuntergang vergleichbar wäre.

Gelten die wissenschaftlichen Erkenntnisse auch für eine partielle
Sonnenfinsternis, wie wir sie heute in Deutschland beobachten können?

Durch die partielle Sonnenfinsternis heute wird es nicht völlig dunkel.
Zudem wird sie erst kurz vor Sonnenuntergang zu beobachten sein. Das
bedeutet: Es wird lediglich ein bisschen früher ein bisschen schneller
dunkel. Von daher sind keine starken Wildtier-Reaktionen zu erwarten.

Über Prof. Dr. Ilse Storch

Prof. Dr. Ilse Storch studierte Biologie an den Universitäten Aachen
(RWTH) und München (LMU). Nach einem Forschungsjahr in Schweden und einer
Dissertation in den Alpen arbeitete sie als Forscherin und Dozentin an der
Technischen Universität München (TUM), wo sie sich in Ökologie und
Naturschutzbiologie habilitierte. Sie hat auf fast allen Kontinenten
geforscht und zu Wildtier-Themen beraten und gelehrt und leitete über 20
Jahre lang die Grouse Specialist Group der IUCN. Seit 2004 ist sie
Professorin für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität
Freiburg. Ilse Storch und ihr Team konzentrieren sich auf die Auswirkungen
des Menschen auf Wildtiere und wollen zu einer wissenschaftlich fundierten
Grundlage für das Wildtiermanagement und den Erhalt der biologischen
Vielfalt beitragen.