Wissenschaft und Forstpraxis gestalten gemeinsam Europas Wälder von morgen
Unter der Leitung der Hochschule Coburg bringt die europaweite
Forschungsinitiative BIOREFOREST Wissenschaft, forstwirtschaftliche Praxis
und lokale Interessengruppen zusammen, um wissenschaftlich fundierte
Lösungen für eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Wiederaufforstung
zu entwickeln.
„Der Ansatz ist ebenso einfach wie anspruchsvoll“, erklärt Prof. Dr.
Matthias Noll vom Institut für Bioanalytik (IBICO) der Hochschule Coburg.
„In diesem ambitionierten Projekt geht es darum, Hand in Hand mit
denjenigen zu arbeiten, die ihren Wald am besten kennen. So können wir
praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungen für die
Wiederaufforstungsstrategien unserer Wälder entwickeln.“ Denn aktuell
stehen die Wälder in Europa vor beispiellosen Herausforderungen.
Lokale Akteure gestalten die Zukunft der Wälder in Europa mit
Klimawandel, Störereignisse, Artenrückgang und die Ausbreitung von
Krankheitserregern setzen den Waldökosystemen zu – und damit auch den
Menschen, die von ihnen leben. Gleichzeitig gewinnt die Wiederaufforstung
als Antwort auf die Klimakrise politisch und wirtschaftlich an Gewicht.
BIOREFOREST will sicherstellen, dass diese Bemühungen ökologisch sinnvoll
sind, auf belastbaren Daten beruhen und auf die tatsächlichen Bedürfnisse
zugeschnitten sind: Waldbesitzende, Forstmanagerinnen, Forstmanager und
lokale Akteure sind deshalb Teil des Projekts.
An mehr als 300 Standorten in Europa werden ökologische Feldforschung,
hochauflösende Satellitendaten, Boden- und Biodiversitätsanalysen sowie
der Erfahrungsschatz von Expertinnen und Epxerten aus der Praxis
zusammengeführt. Ziel ist es, gemeinsam praktische Instrumente und
wirtschaftlich tragfähige Strategien zu entwickeln, die im Alltag bestehen
und gleichzeitig die biologische Vielfalt stärken, die Klimaresilienz
verbessern und die langfristige Kohlenstoffspeicherung fördern. Darüber
hinaus bietet das Projekt Schulungen, mehrsprachige Materialien und
Vernetzungsmöglichkeiten, um Kompetenzen aufzubauen und Wissen europaweit
auszutauschen.
„BIOREFOREST ist ein wichtiges internationales Projekt mit starker
Praxisorientierung“, sagt Sebastian Petters, der im Mai 2026 nach
mehrjähriger Forschungstätigkeit an der Arktischen Universität Tromsø in
Norwegen ans IBICO kam. Er stammt ursprünglich aus der Region Coburg und
freut sich nun darauf, gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Noll und Prof. Dr.
Stefan Simm an innovativen Ansätzen für eine zukunftsorientierte
Waldbewirtschaftung zu arbeiten. Simm, ebenfalls vom IBICO der Hochschule
Coburg, wird ökologische, soziologische, metagenomische und
wirtschaftliche Daten aus ganz Europa zusammenführen, um KI-gestützte
Modelle für Aufforstungsstrategien zu entwickeln. Simm erklärt:
„Bioreforest hat das Potenzial, neue Impulse für
Wiederaufforstungsstrategien zu setzen und europäisches Wissen über
Biodiversität in regionale Entscheidungsprozesse einzubringen.“
Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse in zukünftige Waldstrategien
einfließen, wird die Initiative eng mit politischen Entscheidungsträgern
und forstnahen Organisationen in den jeweiligen Ländern der Teilnehmenden
zusammenarbeiten. Bis 2029 soll ein europaweites Netzwerk entstehen, das
praktische Werkzeuge, gemeinsames Wissen und wissenschaftlich fundierte
Empfehlungen bereitstellt. Die Vision: Wälder, die vielfältig und
widerstandsfähig sind, ökologisch reich und wirtschaftlich tragfähig – und
damit zukunftsfähig.
Hintergrund
BIOREFOREST ist eine paneuropäische Initiative, finanziert von Biodiversa+
und getragen von nationalen Fördermittelgebern. Unter der Leitung der
Hochschule Coburg (Deutschland) im Bereich Naturwissenschaften vereint das
Konsortium führende Institutionen: die Universität Bologna (Italien) in
der Forstwirtschaft, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee
und Landschaft (WSL) in der Insektenkunde, die MITUNI-Universität
(Schweden) in der Modellierung von Pesteregnissen in Wäldern, die BOKU-
Universität (Österreich) in der Citizen Science Umsetzung von Boden- und
Forstwissenschaften, ACTeon (Frankreich) für die Einbindung von
Interessengruppen, die Universität Málaga (Spanien) in der
satellitengestützen zeitaufgelösten Forstentwicklung sowie INRAE/LESSEM
(Frankreich) in der Forstökonomie. Diese Bandbreite – von der
Feldforschung über digitale Innovation bis zur Praxisbeteiligung – bildet
die Grundlage für einen ganzheitlichen Ansatz in der Wiederaufforstung.
Weitere Informationen
https://www.biodiversa.eu/2026
https://www.biodiversa.eu/2024
Biodiversa_2023-2024_BiodivNBS
