Landschaftsbrände: Neues Positionspapier empfiehlt Integriertes Feuermanagement und eine nationale Konferenz
Zur Unterstützung politischer Entscheidungen legt das Global Fire
Monitoring Center des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität
Freiburg ein Positionspapier mit einer Neubewertung der Landschaftsbrände
in Deutschland vor – verbunden mit der Empfehlung, eine fachübergreifende
nationale Klimakonferenz einzurichten.
- Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie und der
Universität Freiburg -
• Neubewertung der Brandrisiken in Deutschland: Brände betreffen
zunehmend auch Landschaften außerhalb von Wäldern, wie Siedlungsränder,
Heiden und landwirtschaftliche Flächen.
• Es werden unter anderem mehr Präventionsmaßnahmen und eine
nationale Konferenz zur Klimakrise empfohlen.
Derzeit werden täglich verheerende Brände in Südeuropa und Nordamerika
gemeldet. Doch auch hierzulande steigt die Brandgefahr. Brände in
Deutschland betreffen nicht nur Wälder: Sie greifen zunehmend auch auf
Offenland-Ökosysteme über, darunter Naturschutzgebiete, Moore, Heiden,
landwirtschaftliche Flächen und Randzonen von Ortschaften. Das Global Fire
Monitoring Center (GFMC) – eine gemeinsame Einrichtung des Max-Planck-
Instituts für Chemie und der Universität Freiburg – hat daher nun eine
umfassende Neubewertung der Landschaftsbrände in Deutschland
veröffentlicht. Darin empfiehlt es eine grundlegende Neuausrichtung der
politischen und administrativen Ansätze des Feuermanagements.
Landschaftsbrände sind mehr als nur Waldbrände
Der Begriff „Landschaftsbrand“ wurde vom GFMC eingeführt, um die komplexe
Realität zu beschreiben, dass Brände heute oft über verschiedene
Landschaftselemente hinweg brennen. „Die bisherige Fokussierung auf
Waldbrände ist zu eng“, betont der Leiter des GFMC, Prof. Johann Georg
Goldammer. „Deutschland ist zwar zu knapp einem Drittel von Wald bedeckt.
50 Prozent der Fläche werden jedoch landwirtschaftlich genutzt und weitere
vier Prozent sind Offenlandflächen wie Moore und Heiden. Alle sind durch
Brände gefährdet. Doch es gibt bislang keine systematische Erfassung von
Bränden außerhalb der Wälder.“
Erste Satellitendaten, die das GFMC analysiert hat, zeigen: Seit einigen
Jahren sind außerhalb von Wäldern deutlich größere Flächen von Bränden
betroffen als in Wäldern selbst. „Diese Daten erfordern jedoch eine
differenzierte Betrachtung, denn nicht jeder Brand im Offenland verursacht
einen ökologischen Schaden und nicht jede in den Waldbranddatensätzen
erfasste Fläche ist tatsächlich Wald. In den Datensätzen sind teilweise
auch Nichtwaldflächen enthalten, in denen Feuer sogar eine wichtige Rolle
für den Erhalt der Artenvielfalt spielen kann. So werden beispielsweise
artenreiche Heiden durch kontrolliertes Brennen vor Wiederbewaldung
bewahrt“, sagt Goldammer.
Positionspapier berücksichtigt volkswirtschaftliche Schäden von
Landschaftsbränden
Das Positionspapier weist zudem auf volkswirtschaftliche Schäden hin, die
in den Waldbrandstatistiken nicht vollständig erfasst werden. Die
Statistik erfasst beispielsweise weder die Bekämpfungskosten noch den
Verdienstausfall für freiwillige Feuerwehrleute.
In diesem Zusammenhang verweist das Papier auf den im Juni 2026
veröffentlichten Global Landscape Fire Fatalities and Damages Report 2025,
in dem das GFMC die weltweiten Auswirkungen von Landschaftsbränden
dokumentiert. Wie in den Vorjahren nennt der Bericht auch Todesopfer,
Verletzte, Evakuierungen sowie zerstörte Gebäude und Infrastruktur durch
weltweite Landschaftsbrände. Weiterhin verweist der Bericht auf Studien,
die die Auswirkungen von Landschaftsbränden auf die Gesundheit und
Sicherheit der Bevölkerung untersuchen.
Fokus auf notwendige präventive Maßnahmen legen
„Die politische Debatte in Deutschland muss sich von der alleinigen
Betrachtung von Waldbränden lösen“ , heißt es in der Neubewertung der
Landschaftsbrände des GFMC vom 23. Juli 2026. Stattdessen sei ein
ganzheitlicher, interdisziplinärer Ansatz notwendig, der die
Brandanfälligkeit der facettenreichen Kultur- und Industrielandschaft
Deutschlands als Querschnittsaufgabe versteht. Diese könne nur kooperativ
zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen, sektoralen Institutionen und
der Zivilgesellschaft geregelt werden.
Ein zentrales Instrument dafür sei, die Prinzipien des Integrierten
Feuermanagements anzuwenden, die international zunehmend als strategische
Leitlinien priorisiert werden. In Deutschland seien diese bislang jedoch
aufgrund der stark fragmentierten Zuständigkeiten noch nicht verankert.
Das Konzept zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit vulnerabler Öko- und
Landnutzungssysteme gegenüber Wildfeuern zu stärken – und damit
langfristig die Prioritäten von der reaktiven Brandbekämpfung hin zu
notwendigen präventiven Maßnahmen zu verlagern.
Risikoanalyse sollte die Zunahme von Extremwetterereignissen
berücksichtigen
Aufgrund der zunehmenden Extremwetterereignisse wird in dem
Positionspapier eine umfassende Risikoanalyse gefordert, die sich mit der
Resilienz gegenüber Landschaftsbränden befasst und darüber hinaus die
gesamten Auswirkungen der Klimakrise miteinbezieht. Denn neben Trockenheit
und Hitze spielen auch vermehrter Starkregen und Starkwinde eine Rolle.
Diese Extremwettereignisse beeinflussen ebenfalls den Naturhaushalt und
die Naturausstattung unserer Landschaften – besonders dort, wo Böden und
Pflanzen bereits durch Trockenheit betroffen sind.
„Die kürzlich vom Verkehrsministerium des Bundes einberufene
Niedrigwasserkonferenz und die in Berlin am 6. August 2026 vorgelegte
Forderung von 36 Verbänden, weitaus umfassendere Konsequenzen aus der
Klimakrise zu ziehen, zielen in die gleiche Richtung wie unsere
Erkenntnisse. Die Lage ist dringlich. Durch die Erderwärmung steigt nicht
nur das Brandrisiko, auch hitzebedingte vorzeitige Todesfälle nehmen zu
und die Zukunft der Trinkwasserversorgung ist bedroht “, so Goldammer.
Das Global Fire Monitoring Center empfiehlt eine nationale Konferenz zur
Klimakrise
Aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen Monaten empfiehlt das GFMC
die Einrichtung einer nationalen Konferenz zur Klimakrise. Diese sollte
als zentrale Plattform dienen, um den aktuellen Stand des Wissens sowie
bewährte technische und gesellschaftspolitische Lösungsansätze pragmatisch
und umsetzungsorientiert auf nationaler Ebene zu bündeln und
weiterzuentwickeln. Bestehende internationale und nationale Foren – wie
der Petersberger Klimadialog oder der Umsetzungsprozess der Deutschen
Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen – sollten
weitergeführt und gezielt in eine wirksame, koordinierte nationale
Handlungsebene überführt werden.
Besonders wichtig sei es, dass die vorgeschlagene Konferenz über die
etablierten staatlichen Institutionen hinausgeht und die Wissenschaft
sowie die Zivilgesellschaft als gleichberechtigte Akteure einbezieht. Ihre
Expertise und lokalen Erfahrungen seien entscheidend, um resilientere,
nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Strategien zu entwickeln.
Erst durch eine breite, partizipative Zusammenarbeit ließen sich die
komplexen Herausforderungen der Klimakrise wirksam bewältigen.
Mehr Informationen
Das Global Fire Monitoring Center (GFMC) ist eine Einrichtung des Max-
Planck-Instituts für Chemie in Kooperation mit der Universität Freiburg.
Es versteht sich als internationale Plattform für wissenschaftliche
Forschung, Monitoring und politische Beratung im Bereich von Feuern in
Natur- und Kulturlandschaften weltweit. Dabei unterstützt das GFMC vor
allem den „Global Fire Management Hub“ der Vereinten Nationen und
multilaterale Organisationen wie den Europarat und die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Das Positionspapier „Landschaftsbrände in Deutschland 2026“ mit
umfassenden Quellenangaben wurde am 23. Juli 2026 online im Global Fire
Monitoring Center (GFMC) und als Webseite des Deutschen Komitees für
Katastrophenvorsorge (DKKV) veröffentlicht.
Zum Positionspapier:
https://gfmc.online/wp-content
-Landschaftsbraende-Deutschlan
Hintergrundinformation.pdf
Landschaftsbrände in Deutschland - Bewertung und Hintergrundinformation
Weiterhin sind der Global Landscape Fire Fatalities and Damages Report
2025 des GFMC (https://gfmc.online/wp-conten
Landscape-Fire-Damages-Report-
und eine Stellungnahme des GFMC gegenüber dem Science Media Center (SMC)
online im GFMC verfügbar. (https://gfmc.online/wp-conten
GFMC-Stellungnahme-Waldbrandge
