Interprofessionelle Sprechstunde bündelt uro-onkologische Expertise
Urologie und Radioonkologie beraten Patientinnen und Patienten gemeinsam
zu Therapieoptionen. Angebot ermöglicht Zweitmeinung und bringt Klarheit
in komplexen Fällen. Interdisziplinäre Beratung als Qualitätsfaktor der
zertifizierten Patientenversorgung.
Eine Krebsdiagnose ist für Betroffene häufig mit großer Unsicherheit und
Ängsten verbunden. Neben der Verarbeitung der Diagnose müssen oft
innerhalb kurzer Zeit weitreichende Therapieentscheidungen verstanden und
verarbeitet werden. Je komplexer und langwieriger die Erkrankung, desto
schwieriger fällt es oft, klar die Optionen zu bewerten.
Für Patientinnen
und Patienten mit Prostata-, Blasen-, Nieren- oder Urothelkarzinomen in
dieser Situation gibt es jetzt ein neues Angebot am Universitätsklinikum
Dresden. Um Betroffene bei der Entscheidung zur Therapie bestmöglich zu
unterstützen, bieten die Klinik für Urologie sowie die Klinik und
Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie seit diesem Jahr eine
gemeinsame interprofessionelle Sprechstunde an. Das Ziel: Patientinnen und
Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen eine fundierte Zweitmeinung
bieten. Dafür beraten die Expertinnen und Experten gemeinsam über die
individuell beste Behandlungsstrategie.
„Neben exzellenter Diagnostik und Therapie muss es uns auch immer darum
gehen, den Menschen klar und verständlich zu kommunizieren, wie wir ihnen
helfen können. Dafür müssen wir verstehen, was sie bewegt. Eine gemeinsame
Sprechstunde dieser Art gibt Sicherheit und entlastet in einer stark
herausfordernden Situation“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer
Vorstand am Uniklinikum.
„Für viele Patientinnen und Patienten gibt es heute nicht nur einen
Behandlungsweg. Häufig kommen verschiedene Therapieoptionen infrage, die
jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen. In der gemeinsamen
Sprechstunde mit der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
betrachten wir jede Erkrankung aus den unterschiedlichen fachlichen
Blickwinkeln und entwickeln gemeinsam mit den Betroffenen eine individuell
passende Therapieempfehlung“, sagt Dr. Séverine Banek, Oberärztin der
Klinik für Urologie. Die enge Zusammenarbeit ermöglicht es, diagnostische
Befunde gemeinsam zu bewerten und diese Bewertung mit dem Patienten zu
teilen. Der wiederum bekommt an einer Stelle umfassende Antworten auf
seine Fragen – weitere Wege und Termine bleiben ihm erspart.
„Unsere interprofessionelle Sprechstunde zeigt, wie moderne Krebsmedizin
funktioniert: Fachdisziplinen arbeiten nicht nebeneinander, sondern
miteinander. Unsere Patientinnen und Patienten erhalten eine gemeinsame
Empfehlung, die alle verfügbaren Behandlungsoptionen berücksichtigt. Das
stärkt die Qualität der Versorgung und gibt Sicherheit“, sagt PD Dr.
Tobias Hölscher, Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie. Zudem stärkt die interprofessionelle Zusammenarbeit das
gegenseitige Verständnis der Fachbereiche füreinander und ermöglicht das
beiderseitige Lernen.
Patientinnen und Patienten aus Sachsen und darüber hinaus können sich in
der Interdisziplinären Sprechstunde für uro-onkologische Erkrankungen am
Uniklinikum Dresden anmelden. Dabei geht es um komplexe Fälle, bei denen
eine individuelle und detaillierte Beratung zu unterschiedlichen
Therapieoptionen sinnvoll und gewünscht ist. So wie bei einem 81-Jährigen
aus Gera, der sich im Juni in Dresden vorgestellt hat. Seit 2021 leidet er
an einer uro-onkologischen Erkrankung, deren Weiterverlauf und -behandlung
er nun besprechen möchte. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe und die
Empfehlungen“, sagt er. Der Weg bis nach Dresden habe sich gelohnt. „Für
mich war es sehr wichtig, verschiedene Therapieoptionen zu besprechen und
so eine sichere Entscheidungsbasis zu bekommen. Mit dem besprochenen
Fahrplan kann ich mich nun auf die Therapie konzentrieren.“
Die neue Sprechstunde ergänzt die interdisziplinären Strukturen, die am
Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC Dresden) zum
medizinischen und wissenschaftlichen Alltag gehören und zur erfolgreichen
Zertifizierung einzelner Abteilungen führen. Davon profitieren auch die
Patientinnen und Patienten. Das belegt die aus der Universitätsklinik
Dresden initiierte WiZen-Studie: Die auf Basis von GKV-Abrechnungs- und
Krebsregisterdaten Erhebung zeigt, dass Patientinnen und Patienten mit
Krebs in zertifizierten Zentren einen Überlebensvorteil haben. Die
Ergebnisse dieser Studie liefern wichtige Erkenntnisse zur Qualität von
Krebsbehandlungen in Zertifizierten Zentren gegenüber anderen Kliniken.
Als wesentliche Erfolgsfaktoren gelten die strukturierte interdisziplinäre
Zusammenarbeit, leitliniengerechte Therapien und die hohe Spezialisierung
der beteiligten Fachdisziplinen.
Die interdisziplinäre Sprechstunde von Urologie & Radioonkologie richtet
sich an Patienten mit uro-onkologischen Erkrankungen, die sich über
verschiedene Therapieoptionen informieren möchten.
Anmeldung:
