Wenn der eigene Körper zum Problem gemacht wird: Bodyshaming und seine Folgen für junge Menschen
Bodyshaming ist kein neues Phänomen, wird durch soziale Medien jedoch
sichtbarer und verstärkt. Besonders junge Menschen leiden unter
unrealistischen Schönheitsidealen und abwertenden Kommentaren. Die Folgen
reichen von vermindertem Selbstwertgefühl über Essstörungen bis hin zu
Panikattacken und Schulangst. Prof. Dr. Sandra Mirbek betont die Bedeutung
von Sensibilisierung, Selbstvertrauen und Vielfalt. Besonders Schule und
Soziale Arbeit sind gefordert, Prävention fest zu verankern und Fachkräfte
für einen respektvollen Umgang mit Körperbildern zu sensibilisieren.
Immer mehr Menschen – insbesondere junge Erwachsene – leiden unter dem
Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. In den sozialen
Medien kursieren makellose Körperbilder, die kaum etwas mit der Realität
zu tun haben. Wer nicht in dieses Ideal passt, wird schnell zum Ziel von
abwertenden Kommentaren oder subtilen Blicken – ein Phänomen, das als
Bodyshaming bezeichnet wird. Doch was steckt dahinter, welche Folgen hat
es für die Betroffenen – und was können Gesellschaft, Pädagogik und
Soziale Arbeit dagegen tun? Damit beschäftigt sich Prof. Dr. Sandra
Mirbek, Professorin für Soziale Arbeit an der DHBW Villingen-Schwenningen.
Dabei ist Bodyshaming kein neues Phänomen, sondern war bereits in der
Antike ein Thema. Nur die Sichtbarkeit sei eine andere gewesen, erläutert
Mirbek. Durch die sozialen Medien ergebe sich eine schnellere und
umfassendere Darstellung des Themas – in einem ganz an-deren Ausmaß:
„Social Media funktioniert da wie ein Brennglas“, sagt Mirbek.
In der Forschung werde viel über die Ursachen für Mobbing und Hetze im
Internet diskutiert. Gerade die Corona-Pandemie habe eine große Auswirkung
gehabt. Digitale Sucht und Online-Sucht wurden damals von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Diagnoseklassifikationssystem ICD-10
festgehalten und schließlich 2022 in ICD-11 überführt. Hier wurden
digitale Süchte erstmals offiziell als eigenständige, klinisch relevante
Störungen anerkannt – ein wichtiger Schritt hin zu klareren Diagnosen,
mehr Forschung und gezielter Prävention.
Das ist auch in der Sozialen Arbeit ein Thema, besonders in der
Schulsozialarbeit: „Dort gibt es immer wieder Projekte zum Thema Mobbing
oder Online-Aufklärung“, so Prof. Dr. Sandra Mirbek. Das Interesse der
Studierenden an der DHBW Villingen-Schwenningen sei groß – schließlich
gelte es, dem Bedarf in der Praxis gerecht zu werden. Dabei profitieren
die Studierenden an der DHBW besonders vom dualen Studienkonzept: Neben
der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema sammeln sie bei ihren
dualen Partnern frühzeitig praktische Erfahrungen und können das Gelernte
direkt in der Praxis anwenden Hier müsse die Arbeit mit dem Thema gut
aufgebaut und fest verankert werden.
Eine Sensibilisierung sei auch beim Fachpersonal immer wieder notwendig.
Sportlehrkräfte und Bodyshaming seien dabei ein besonderes Thema: „Was
unbedachte Bemerkungen anrichten können, ist immens“, sagt Mirbek.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Birk von der DHBW Villingen-Schwenningen hat
sie den Aufsatz „Bodyshaming als Thema des Schulsports. Der Körper und
Körperlichkeit im Fokus“ in der Zeitschrift Sportunterricht. Monatsschrift
zur Wissenschaft und Praxis des Sports mit Lehrhilfen veröffentlicht.
„Als Hochschule sehen wir es als unsere Verantwortung, gesellschaftlich
relevante Themen wie Bodyshaming nicht nur wissenschaftlich zu erforschen,
sondern auch aktiv in die Praxis zu tragen. Unsere Studierenden werden
gezielt darauf vorbereitet, sensibel, reflektiert und professionell mit
solchen Herausforderungen umzugehen“, betont Rektor Prof. Dr.-Ing. Lars
Meierling.
Im Schulbereich könne Bodyshaming besonders starke Auswirkungen haben –
von Essstörungen über Panikattacken bis hin zur Angst, in die Schule zu
gehen. Und was hilft? „Selbstvertrauen. Alles, was Kinder stützt und
stärkt, Mut und Courage fördert“, sagt Mirbek. Allgemein sei jedoch mehr
Sensibilität für das Thema wichtig. So habe sich lange die Vorstellung
gehalten, dass sich an der körperlichen Erscheinung Aussagen über die
Intelligenz einer Person ableiten ließen. Auch Strömungen, die mehr auf
Gleichheit und Stärke aus Einheit und Norm setzen, seien immer ein
Problem: „Vielfalt wird hier nicht als Ressource gesehen“, sagt Mirbek.
Die DHBW Villingen-Schwenningen verfügt in diesem Bereich über
ausgewiesene Expertise: Prof. Dr. Sandra Mirbek und Prof. Dr. Frank
Francesco Birk beschäftigen sich bereits seit vielen Jahren
wissenschaftlich mit Körperbildern, Einflüssen sozialer Medien und deren
Folgen für die Entwicklung junger Menschen. Ihre Arbeiten zeigen, dass
Bodyshaming eine vielschichtige Form von Diskriminierung darstellt, die
sich auf unterschiedlichste körperliche Merkmale beziehen kann und
erhebliche Auswirkungen auf Selbstwert und psychische Gesundheit hat.
So wurde Professorin Prof. Dr. Sandra Mirbek von der Apotheken Umschau
Eltern zu diesem Themenfeld interviewt. Der Beitrag beleuchtet, wie früh
Kinder mit gesellschaftlichen Schönheitsnormen konfrontiert werden und
welche Auswirkungen dies auf ihr Selbstbild haben kann: https://www
.apotheken-umschau.de/print/el
