Die Wildbienen besser schützen - Neue Impulse der Wildbienenforschung
Der Bienenschutz Stuttgart fördert ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt
der DSMZ und des JKI zur Entschlüsselung des Wildbienen-Mikrobioms.
Mehr als 600 Wildbienenarten sichern in Deutschland als unverzichtbare
Bestäuber die biologische Vielfalt. Doch die Insekten stehen unter
massivem Druck durch Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und
Klimawandel. Ein bislang wenig untersuchter Faktor für ihre Gesundheit und
Entwicklung könnte im Mikrobiom der Tiere liegen.
Der Bienenschutz
Stuttgart e. V. unterstützt deshalb ein gemeinsames Forschungsvorhaben des
Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH und des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut
für Kulturpflanzen, um die fundamentale Rolle von Hefen und anderen Pilzen
im Leben von Wildbienen aufzuklären. Der Verein stellt hierfür eine
Fördersumme von 2.000 Euro bereit.
Die wissenschaftliche Herausforderung
Mikroorganismen gehören zu den wenig erforschten Komponenten im Ökosystem
der Wildbienen. Das neue Forschungsprojekt soll systematisch aufdecken,
welche konkreten Funktionen Pilze für die Larvenentwicklung, Ernährung und
Immunabwehr von Wildbienen übernehmen. Zudem untersuchen die Forschenden,
wie Hefen und andere Pilze durch ihre Stoffwechselaktivitäten dazu
beitragen, dass spezialisierte Wildbienenarten ein eingeschränktes
Spektrum bestimmter Pollenquellen als Nahrung nutzen können.
Prämiertes Fundament der Zusammenarbeit/der Forschung
Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens ist eine jüngst im Fachjournal Basic
and Applied Ecology publizierte Arbeit (1) zum Pilzmikrobiom der Großen
Weidensandbiene (Andrena vaga). Die gemeinsamen Untersuchungen der
Braunschweiger Forschungsinstitute DSMZ und Institut für Bienenschutz
lieferten erstmals starke Indizien dafür, dass spezifische Hefen gezielt
zwischen den Bienengenerationen weitergegeben werden. „Unsere Daten deuten
darauf hin, dass diese Mikroorganismen eine Art Schutzfunktion übernehmen:
Sie machen Pollenvorräte haltbar, entgiften potenziell schädliche
Pflanzeninhaltsstoffe und schützen die empfindliche Brut vor möglichen
Krankheitserregern oder Schädlingen“, erklärt Dr. Hanna Gardein,
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bienenschutz. Für diese
Entdeckung wurde die zugrunde liegende Studie mit dem BAAE Best Student
Paper Award 2025 der renommierten Gesellschaft für Ökologie ausgezeichnet
(2).
Langfristige Erhaltung von Bioressourcen
Das aktuelle Projekt weitet die Untersuchungen nun auf mehrere
spezialisierte und unspezialisierte Wildbienenarten aus. Untersucht werden
Proben entlang der gesamten Entwicklungskette: vom Pollenvorrat über Ei
und Larve bis hin zur erwachsenen Wildbiene. Die isolierten Hefen und
Pilze werden im Labor kultiviert und mittels moderner mikrobiologischer
sowie molekularbiologischer Verfahren identifiziert. Ein entscheidender
Mehrwert für die weltweite Forschung: Alle neu gewonnenen Mikroorganismen-
Stämme werden dauerhaft in der Sammlung des Leibniz-Institut DSMZ
hinterlegt. Damit stehen sie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft
langfristig für die Forschung zur Verfügung. „Mit unserer Förderung
möchten wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, innovative Forschung zu
unterstützen, die neue, praxisnahe Perspektiven für den Schutz von
Wildbienen und anderen Hymenopteren eröffnet und zugleich langfristig
nutzbares Wissen für die Wissenschaft schafft“, erklärt Dr. Maike Khosrawi
vom Verein Bienenschutz Stuttgart e. V.. Der Verein, der von 25
engagierten Privatpersonen getragen wird und unter anderem die Stuttgarter
Wespen-Bürgerberatung sowie die Initiative der Stuttgarter Sensenschwinger
organisiert, vergibt seine Forschungsförderung im Jahr 2026 bereits zum
zweiten Mal. Ziel ist es, den Austausch zwischen akademischer Forschung
und praktischem Naturschutz zu stärken und wissenschaftliche Erkenntnisse
schneller für konkrete Schutzmaßnahmen nutzbar zu machen.
Neue Perspektiven für Wildbienengesundheit und Artenschutz
„Die gewonnenen Daten und die isolierten Stämme der Hefen und Pilze
schaffen eine wichtige Grundlage, um die Bedeutung dieser Mikroorganismen
für Ernährung, Entwicklung und Gesundheit von Wildbienen experimentell zu
untersuchen. Dies ist zugleich ein wichtiger Schritt, um künftig besser zu
verstehen, wie die mit Wildbienen assoziierten mikrobiellen Gemeinschaften
die Auswirkungen anthropogener Umweltfaktoren auf Wildbienen abmildern
können und welche Bedeutung dies für das Überleben und den Erhalt der
Vielfalt von Wildbienen haben könnte“, erklärt Dr. Andrey Yurkov, Leiter
der Arbeitsgruppe Pilze und Pilzsystematik des Leibniz-Institut DSMZ.
Literatur/Quelle:
1) www.sciencedirect.com/science/
2) https://gfoe.org/en/gfoe-award
Pressekontakte:
• Leibniz-Institut DSMZ, Stabsstelle Wissenschaftskommunikation
E-Mail: press(at)dsmz.de
• Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen,
Institut für Bienenschutz
E-Mail: bs(at)julius-kuehn.de
• Bienenschutz Stuttgart e. V.
E-Mail: info(at)bienenschutz-stuttgart
Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 95.000 Bioressourcen und hat rund 210
Beschäftigte. www.dsmz.de
Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, vernetzen
sich in übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft berät und informiert
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie setzt
Schwerpunkte im Wissenstransfer, insbesondere mit den Leibniz-
Forschungsmuseen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf technologisch
relevanter Forschung und aktivem Technologietransfer: Leibniz-Institute
bringen innovative Entwicklungen gezielt in die Anwendung und fördern
durch Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie die Umsetzung neuer
Technologien in die Gesellschaft. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge
Kooperationen mit den Hochschulen – unter anderem in Form der Leibniz-
WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und
Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern
Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.200
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei gut
2,3 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de
