Waldbrand FAQ
Fast jedes Jahr in diesem Jahrzehnt brechen Waldbrände in Europa Rekorde.
In dieser FAQ beantworten Expertinnen und Experten die häufigsten Fragen
dazu.
Grundlagen: Was braucht es für einen Waldbrand?
Waldbrände entstehen selten durch ein einzelnes Extremereignis. In der
Regel spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die nacheinander oder
gleichzeitig auftreten: Verfügbarkeit von genügend brennbarem Material wie
Bäume, Sträucher oder andere Pflanzen; trockene Bedingungen; und ein
Auslösefaktor wie eine fallengelassene Zigarette, ein Funkenflug oder ein
Blitzschlag.
Solche Situationen entstehen unter bestimmten Bedingungen: Kommt es im
Spätwinter und Frühjahr zu starken Niederschlägen, können Pflanzen gut
austreiben und wachsen. Folgt auf so eine Periode mit starkem
Vegetationswachstum eine Hitzewelle, trocknet die Vegetation aus, und die
Waldbrandgefahr steigt. Wichtig: Es ist nicht die Hitze selbst sondern die
daraus resultierende fehlende Feuchtigkeit im Boden und in der Luft, die
Brände fördert.
Waldbrände im Klimawandel: Welchen Effekt hat der Klimawandel auf die
Waldbrandgefahr in den kommenden Jahrzehnten?
Fast jedes Jahr in diesem Jahrzehnt brechen Waldbrände in Europa Rekorde.
Klimaprojektionen zeigen deutlich, dass die Extremereignisse Trockenheit
und Hitzewellen mit der Erderwärmung zunehmen. In Folge steigt die
Waldbrandgefahr.
Die Anzahl Tage, an denen die Waldbrandgefahr mindestens «hoch» ist, wird
sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mehr als verdoppeln. Forschende
erwarten, dass sie bis 2100 sogar in Regionen «hoch» sein wird, in denen
sie heute nur «sehr gering» ist. Die Prognosen zeigen, dass das
Gefahrenpotenzial kontinuierlich zunehmen wird. Spätestens ab 2040 wird
die meteorologische Waldbrandgefahr noch schneller steigen als heute.
Wetterbedingungen, die Waldbrand auslösen können, die heute nur alle
sechzig Jahre vorkommen, werden 2090 im Durchschnitt alle zehn Jahre
auftreten (s. Grafik). Die Projektionen zeigen ebenfalls, dass günstige
Wetterbedingungen für Waldbrände bereits früher im Jahr als heute
auftreten werden.
Waldbrände in der Schweiz: Was ist das Besondere am Waldbrandgeschehen in
der Schweiz?
Einzelne Waldflächen sind in der Schweiz gemessen an europäischen
Standards oft vergleichsweise klein. Insbesondere das Mittelland ist durch
sein zerstückeltes Waldareal kaum von grossflächigen Bränden bedroht.
Anders sieht es in den Alpen und im Jura aus. Dort hat es auch grössere,
zusammenhängende Waldflächen.
In der Schweiz prägt zudem die Topographie – die Form des Geländes - das
Waldbrandgeschehen. An steilen Hängen entwickeln sich Brände extrem
schnell, da die Hitze des Feuers an einem steilen, bewaldeten Hang ihre
eigene Thermik entwickelt. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit kann dann bis
zu 70 Kilometer pro Stunde erreichen. Wegen dieser exponentiellen Dynamik
kann ein Feuer, das eine gewisse Intensität erreicht, kaum gestoppt
werden. Brennen die Kronen, ist der Kampf gegen das Feuer aussichtslos.
Das Gefälle hat gegenüber flachen Regionen aber auch einen entscheidenden
Vorteil: Feuer wandern nach oben - und damit weg von den Siedlungen, die
in der Regel im Tal liegen. Menschen und Infrastruktur sind in den Bergen
daher weniger gefährdet.
Folgen von Waldbränden für die Natur: Haben Waldbrände auch einen Nutzen?
Waldbrände haben wichtige ökologische Funktionen: Sie vernichten tote
Biomasse. Der Boden wird gewissermassen desinfiziert. Gleichzeitig liefert
ein Brand wichtige Nährstoffe für junge Pflanzen. Weil zudem nach einem
Feuer mehr Licht auf den Boden fällt, können sich neue Arten ansiedeln.
Manche Baum- und Insektenarten haben sich im Laufe der Evolution an
Waldbrände angepasst und können sich erst im Anschluss an ein Feuer
ausbreiten und vermehren. Kleine Brände sind daher auch ein wichtiger
Treiber für mehr Biodiversität.
Die vollständige FAQ zu den Themen Waldbrand und Klimawandel ist auf
slf.ch zu finden. (verlinkt unter Originalpublikation)
Originalpublikation:
https://www.slf.ch/de/naturgef
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