Satellitenbilder und Online-Bewertung: Datenprojekt SOUNDS zeigt, was darin für das Saarland steckt
Am 2. September führt das Datenprojekt SOUNDS im Innovation Center der
Universität des Saarlandes (Geb. A2 1) vor, was sich aus Satellitenbildern
oder Bewertungen auf Google Maps über das Leben im Land herauslesen lässt.
Solche Auswertungen können auch im Saarland bei Entscheidungen helfen. Die
Landesregierung fördert SOUNDS dafür aus seinem Transformationsfonds.
Wirtschaft, Verwaltung und Verbände sind eingeladen, kostenlos bei der
Kick-off-Veranstaltung dabei zu sein und eigene Themen einzubringen.
Wenn im Saarland eine geschädigte Waldfläche neu bepflanzt wird, dauert es
Jahre, bis sich zeigt, ob die jungen Bäume anwachsen. Auf
Satellitenbildern ist das bisher erst zu erkennen, wenn sich ein
Kronendach bildet, oft nach fünf Jahren. Angela Nyangate John hat ein
Verfahren entwickelt, das die Aufforstung schon rund ein Jahr nach der
Pflanzung erkennt. In einem Testgebiet in Kenia fand es 94 Prozent der
Stellen, auf denen später Wald wuchs, während ein gängiges Verfahren nur
47 Prozent erkannte. Weltweit sollen bis 2030 mehrere hundert Millionen
Hektar Wald nachwachsen. Ob das gelingt, wäre damit viel früher zu prüfen.
Praxispartner aus der saarländischen Forstverwaltung sind bei der
Veranstaltung am 2. September angemeldet und diskutieren mit.
Spuren, die im Alltag ohnehin entstehen, ersetzen zunehmend Umfragen,
Zählungen und Begehungen. Satellitenbilder zeigen, wie stark ein Standort
besucht wird, auch wenn einzelne Autos auf den Aufnahmen nicht zu sehen
sind. Theophilus Aidoo und Till Koebe lesen das an Parkplätzen ab.
Schranken und Kassenautomaten liefern solche Zahlen für einzelne
Parkplätze, Satellitenbilder für alle in einer Region gleichzeitig. Ein
Einzelhändler erkennt daran, wie belebt eine Lage jenseits der eigenen Tür
ist, eine Stadt, wo Parkplätze fehlen und wo sie leer stehen.
In Google-Bewertungen von Schwimmbädern steht, wie Badegäste über
Begegnungen mit anderen Gästen schreiben. Ethel Mensah hat 1,2 Millionen
davon ausgewertet. In rund 40 Prozent der Rezensionen geht es um solche
Begegnungen, in etwa zwei Prozent davon werden die Beteiligten über
Herkunft, Ethnie, Kultur oder Religion beschrieben und dieser Anteil
steigt. Ob es Zusammenhänge mit der politischen und sozialen Lage vor Ort
gibt, ist Teil der laufenden Untersuchung.
Diese Beispiele stehen für über ein Dutzend Projekte, aus denen
Anwendungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung im Saarland
entstehen können.
Kick-off-Veranstaltung von SOUNDS am 2. September
Die Kick-off-Veranstaltung am 2. September beginnt um 9:30 Uhr und hat
zwei Schwerpunkte, vormittags die Forschung und ihre Methoden, nachmittags
die Anwendung in der Praxis. Melanie Revilla vom Institut Barcelona
d'Estudis Internacionals berichtet, was sechs Jahre Forschung mit Bild-,
Sprach- und Nutzungsdaten über die Verlässlichkeit solcher Quellen gezeigt
haben. Danach stellen die Forscherinnen und Forscher ihre Projekte vor und
diskutieren die Ergebnisse an ihren wissenschaftlichen Postern. In kurzen
Gesprächsrunden suchen beide Seiten anschließend nach gemeinsamen Themen.
Am Nachmittag zeigt Christina Elmer, die an der TU Dortmund die erste
deutsche Professur für Datenjournalismus innehat, wie Redaktionen
Datenlücken mit Datenspenden, Ersatzgrößen und eigenen Messungen
schließen. Danach teilen sich die Gäste auf drei Workshops auf. Mit East
Side Fab, dem Innovationsnetzwerk im Saarland, entwickeln Fachleute aus
Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft mit den Forschern gemeinsame
Fragen und erste Projekte. In zwei Workshops mit Triathlon, dem Gründungs-
und Innovationszentrum der Universität, geht es um Ausgründungen, also um
einen Karriereweg, der bei Nachwuchsforscherinnen – und forschern selten
mitgedacht wird. Universitätspräsident Ludger Santen, Oberbürgermeister
Uwe Conradt und Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker sprechen die
Grußworte.
Anmeldung auch für Medienvertreter unter: https://www.uni-
saarland.de/forschen/sounds/ki
Hintergrund: Das Transformations-Projekt SOUNDS
Das Societal Observatory Using Novel Data Sources (SOUNDS) ist an der
Universität des Saarlandes angesiedelt. Geleitet wird es von Daniela
Braun, Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Europäische
Integration und Internationale Beziehungen, und Ingmar Weber, Alexander-
von-Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz mit dem Forschungsgebiet
Societal Computing. SOUNDS geht von gesellschaftlich relevanten Fragen aus
und beantwortet sie mit Methoden der Informatik und neuartigen
Datenquellen, darunter Satellitenbilder, Beiträge in sozialen Medien,
Suchanfragen, Bewertungen und Kartendienste. Die Ergebnisse sollen
Entscheidungen unterstützen, öffentliche Beteiligung fördern und die
Demokratie widerstandsfähiger machen.
Die Landesregierung fördert SOUNDS seit 2025 mit 29 Millionen Euro aus dem
Transformationsfonds für Forschung und Wissenstransfer Saar, das Projekt
läuft bis August 2032. Daraus sollen Arbeitsplätze, Kooperationen mit
Unternehmen und Verwaltungen sowie Ausgründungen aus der Forschung
entstehen.
Interviewtermine mit den Forscherinnen und Forschern sowie Bildmaterial
vermittelt das Projektteam:
