Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln werden beim Kochen oder Backen nicht zerstört
Umfrage zeigt Lücken beim Wissen über Schimmel und dessen mögliche
Gesundheitsrisiken
Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) in Lebensmitteln werden durch Hitze beim
Backen oder Kochen nicht unschädlich gemacht und behalten damit
gegebenenfalls auch ihre gesundheitsgefährdenden Eigenschaften bei. Dieser
Tatsache sind sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht bewusst,
wie eine aktuelle Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
zeigt. „Da Schimmelpilze in der Natur allgegenwärtig sind, lassen sich
Kontaminationen von Lebensmitteln nicht immer vollständig vermeiden“,
erläutert BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel.
„Umso wichtiger ist es zu
wissen, wie man die gesundheitlichen Risiken im eigenen Haushalt so weit
wie möglich senken kann. Dazu gehört auch, Lebensmittel sauber und trocken
zu lagern, verschimmelte Lebensmittel vollständig zu entsorgen und Gewürze
rasch zu verbrauchen.“ Um gesundheitliche Risiken durch Mykotoxine und
andere unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln zu reduzieren, empfiehlt das
BfR generell, sich möglichst vielseitig und abwechslungsreich zu ernähren.
Für die repräsentative Bevölkerungsumfrage hat das BfR 1.000 Menschen ab
16 Jahren online zum Wissen über und zum Umgang mit Schimmel im Haushalt
befragt.
Schimmelpilze kommen quasi überall in der Natur vor und gelangen deshalb
auch auf Pflanzen, die wir direkt verzehren oder weiterverarbeiten. Unter
geeigneten Bedingungen können sie Toxine bilden, u.a. zur Abwehr von
natürlichen Feinden. Insgesamt sind der Wissenschaft derzeit etwa 650
verschiedene Mykotoxine bekannt, die von etwa 400 Arten von Schimmelpilzen
gebildet werden. In Abhängigkeit von der Häufigkeit und Menge der Aufnahme
können diese beim Menschen akute Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme
verursachen, aber auch Leberschäden hervorrufen oder das Krebsrisiko
erhöhen.
Wissenschaftsbericht: https://www.bfr.bund.de/wissen
/wahrnehmung-von-mykotoxinen-s
Die Befragung, die im April dieses Jahres erfolgte, zeigt, dass nur ein
kleiner Teil der Bevölkerung (29 Prozent) besorgt wegen möglicher
Gesundheitsrisiken durch Schimmelpilze ist, die Mehrheit (51 Prozent)
denkt darüber gar nicht nach. Mikroplastik oder Rückstände von
Schwermetallen in Lebensmitteln sind der Umfrage zufolge eher Themen, die
die Verbraucherinnen und Verbraucher mit Blick auf mögliche
Gesundheitsrisiken beunruhigen.
Trotz dieser vergleichsweise geringen Risikowahrnehmung verhalten sich
fast alle Befragten mit Blick auf die Vermeidung von Mykotoxinen so, wie
es auch das BfR empfiehlt: Rund 96 % der Befragten gaben an, Lebensmittel
sauber, trocken und kühl zu lagern; 95 %, erklärten, verschimmelte
Lebensmittel sofort zu entsorgen und nicht offen liegenzulassen.
Spezifischere Schutzmaßnahmen wie z.B. gelagertes Mehl und Getreide
regelmäßig durchzuschütteln, sind hingegen weniger bekannt – nur 17 %
gaben an, sich entsprechend zu verhalten.
Verbesserungsbedarf gibt es im Umgang mit bereits verschimmelten
Lebensmitteln. Hier gibt knapp ein Drittel der Befragten an, bei
verschimmeltem frischem Obst oder Gemüse nur die betroffenen Stellen zu
entfernen und den Rest zu verzehren. Das BfR empfiehlt hingegen,
verschimmelte Lebensmittel vollständig zu entsorgen, da der Schimmel von
außen unsichtbar bereits tief in das betroffene Lebensmittel eingedrungen
sein kann. Das gilt insbesondere bei wassereichen Lebensmitteln wie Obst
und Gemüse, aber auch etwa bei Brot.
Viele Menschen wissen zudem nicht, dass Mykotoxine auch in Lebensmitteln
vorkommen können, die nicht sichtbar verschimmelt sind. Dies betrifft
insbesondere verarbeitete Lebensmittel, wie etwa Pflanzendrinks oder
getrocknete Gewürze. Um Verbraucherinnen und Verbraucher so gut wie
möglich vor den gesundheitlichen Risiken durch diese „unsichtbaren“
Kontaminationen zu schützen, gelten für viele Mykotoxine EU-weit
festgelegte Höchstgehalte in Lebensmitteln, deren Einhaltung regelmäßig
behördlich überprüft wird.
Weitere Informationen auf der BfR-Website zu Mykotoxinen
Themenseite Gesundheitliche Bewertung von Mykotoxinen und Pflanzentoxinen
in Lebensmitteln
https://www.bfr.bund.de/lebens
risiken-von-lebensmitteln/bewe
/gesundheitliche-bewertung-von
lebensmitteln/
FAQ: Schimmelpilze in Lebensmitteln: Gesundheitliche Risiken und wie sie
sich vermeiden lassen
https://www.bfr.bund.de/fragen
lebensmitteln-gesundheitliche-
Stellungnahme: Mykotoxine in Soja-, Mandel- oder Haferdrinks: BfR
aktualisiert die Bewertung gesundheitlicher Risiken von Pflanzendrinks
anhand neu erhobener Daten
https://www.bfr.bund.de/stellu
haferdrinks-bfr-aktualisiert-d
pflanzendrinks-anhand-neu-erho
