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40 Jahre nach Tschornobyl: Selbst gesammelte Pilze unbedenklich

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Maßvoller Verzehr von Wildpilzen führt nur zu geringer Strahlendosis
Im April 1986 ereignete sich das schwerste Nuklearunglück der Geschichte:
der Reaktorunfall von Tschornobyl (russ. Tschernobyl). Radioaktive Stoffe
aus dem Kernkraftwerk in der heutigen Ukraine breiteten sich über Europa
aus. Vor allem Wildpilze waren in den Folgejahren stark mit radioaktivem
Cäsium belastet. Als weitere, ältere Quelle spielten die oberirdischen
Atombombentests der 1950er und 1960er Jahre dabei nur eine geringe Rolle.


40 Jahre nach dem Unfall ist es in Deutschland inzwischen wieder
unbedenklich, selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen zu essen.
Insbesondere in einigen Regionen in Süddeutschland können Wildpilze aber
nach wie vor auffällige Gehalte an Cäsium-137 aufweisen. Der aktuelle
Pilzbericht des BfS schafft dazu Transparenz.

Pilzbericht ermöglicht informierte Entscheidung
„Aus Sicht des Strahlenschutzes spricht nichts dagegen, selbst gesammelte
Pilze zu essen. Die Strahlendosis ist bei einem maßvollen Verzehr gering –
auch wenn vereinzelt stärker mit radioaktivem Cäsium belastete Pilze dabei
sein sollten“, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini. Ob man sich dieser
geringen, aber vermeidbaren Strahlendosis aussetzen wolle, müsse jeder
individuell entscheiden, betont die Behördenchefin: „Mit unserem
Pilzbericht ermöglichen wir Pilzsammlerinnen und Pilzsammlern, selbst eine
informierte Entscheidung zu treffen.“

Cäsium-137-Werte variieren deutlich
Für den Pilzbericht untersucht das BfS jährlich wild wachsende Speisepilze
von ausgewählten Standorten in Bayern auf ihren Gehalt an Cäsium-137.
Abhängig von der Pilzart und der Cäsium-Kontamination des Bodens am
Sammelstandort unterscheiden sich die Messergebnisse teilweise stark:
Manche Pilzarten enthalten grundsätzlich wenig Cäsium-137, andere nehmen
besonders viel von dem radioaktiven Stoff auf, was bei stärker belasteten
Böden zu hohen Messwerten führt. Der aktuelle Bericht enthält die
Messwerte der Jahre 2023 bis 2025.

Höchste Messwerte
Die Liste mit den höchsten Cäsium-137-Werten führen Semmelstoppelpilze und
Rotbraune Semmelstoppelpilze an: In einigen Proben von einem stark
belasteten Standort im Bayerischen Wald fanden die BfS-Fachleute über
2.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse.

Werte über 1.000 Becquerel pro Kilogramm gab es außerdem bei
Maronenröhrlingen, Trompetenpfifferlingen, Elfenbeinschnecklingen,
Seidigen Ritterlingen, Dickblättrigen Schwärztäublingen und Blassblauen
Rötelritterlingen.

Niedrige Messwerte
Bei diversen anderen Pilzarten blieben die Messwerte durchweg unter 5
Becquerel pro Kilogramm Frischmasse. Dazu gehörten unter anderem
Braunschuppige Riesenchampignons, Dunkelfaserige Champignons,
Hasenröhrlinge, Riesenporlinge und Sternschuppige Riesenschirmlinge. Alle
Messwerte sind unter www.bfs.de/pilzbericht im Pilzbericht des BfS zu
finden.

Beispiel für die Strahlendosis
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Strahlendosis durch den Verzehr
selbst gesammelter Pilze entstehen kann und wie sie einzuschätzen ist,
lässt sich folgendes Beispiel nutzen: In einer Probe von Maronenröhrlingen
wies das BfS rund 1.400 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse
nach. Würde eine erwachsene Person jede Woche 200 Gramm dieser Pilze
verzehren, läge die zusätzliche Strahlendosis bei 0,18 Millisievert pro
Jahr. Das wäre etwas mehr als die Strahlendosis von drei Flügen von
Frankfurt am Main nach New York.

Neben der Strahlendosis sollte man auch berücksichtigen, dass Wildpilze
Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern können. Wer
regelmäßig Wildpilze isst, sollte schon deshalb darauf achten, pro Woche
nicht mehr als 200 bis 250 Gramm zu sich zu nehmen.

Wildpilze im Handel und Zuchtpilze
Wildpilze und andere Pilze im Handel dürfen nicht mehr als 600 Becquerel
Cäsium-137 pro Kilogramm enthalten. In Zuchtpilzen wie Champignons,
Austernseitlingen und Shiitake findet sich generell nur wenig Cäsium-137:
Diese Pilze werden auf Substraten angebaut, die kaum radioaktives Cäsium
aufweisen.

Cäsium-137 – ein langlebiges Erbe
Cäsium-137 ist ein radioaktives Isotop des Elements Cäsium, das nicht
natürlich vorkommt. Es entsteht unter anderem bei der Kernspaltung in
Kernkraftwerken. Seine Halbwertszeit beträgt etwa 30 Jahre. Das bedeutet,
dass das Cäsium-137, das sich 1986 in Deutschland am Boden ablagerte,
inzwischen zu rund 60 Prozent zerfallen ist.

Weitere Informationen
•       Pilzbericht des BfS: https://www.bfs.de/pilzbericht
•       Radioaktive Belastung von Pilzen und Wildbret:
https://www.bfs.de/DE/  themen/ion/umwelt/lebensmittel/pilze-wildbret
/pilze-wildbret_node.html
•       Radioaktivität in Lebensmitteln:
https://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/lebensmittel/lebensmittel_node.html

Bundesamt für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des
Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert
die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des
Strahlenschutzes. Die rund 600 Beschäftigten bewerten Strahlenrisiken,
überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen
Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im
medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und
strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind
weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde
betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen
Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.